Radikalisierung und Prävention

Umgang mit Radikalisierungstendenzen in Schulen – Rechtliche und pädagogische Hinweise für die Praxis

Der Umgang mit Radikalisierungstendenzen ist für viele Lehrerinnen und Lehrer eine Herausforderung. Diese beschränkt sich nicht auf Inhalte und Methoden, sondern betrifft insbesondere auch rechtliche Fragen. Wo enden Meinungs- und Religionsfreiheit? Welche Meinungen und Verhaltensweisen sind zu akzeptieren, wann beeinträchtigen sie den Schulfrieden – und wann sind eventuell auch strafrechtliche Grenzen überschritten? In seinem Beitrag gibt Kurt Edler einen Überblick über den rechtlichen und pädagogischen Rahmen von Interventionen in Schule und Unterricht.

„Ihre Bomben haben mit unseren nichts zu tun“ – Dschihadistische Gewalt als Jugendrevolte?

Es gehe nicht um eine Radikalisierung des Islam, sondern um eine Islamisierung des Radikalismus. Für den französischen Islamwissenschaftler Olivier Roy lässt sich die Hinwendung von einigen Tausend jungen Franzosen zum Islamischen Staat nicht als religiöses Phänomen beschreiben. Er erklärt dies vor allem als Revolte der Jugend gegen die Eltern. Seine Thesen wurden in Deutschland viel zitiert, in Frankreich stoßen sie auch auf Kritik. Sie würden, so ein Einwand, das Phänomen „entpolitisieren“ und den weiteren gesellschaftlichen Kontext ignorieren.

Neue Haltungen gegen Unmut: Forderungen an eine gesamtgesellschaftliche Präventionsarbeit

„Nur wenn Jugendliche sich in ihrem Unwohlsein, ihrer Angst oder eben Wut anerkannt fühlen, kann von ihnen erwartet werden, in einem zweiten Schritt eigenes Schwarz-Weiß-Denken und eigene Feindbilder zu hinterfragen“, schreibt Sindyan Qasem in seinem Beitrag zu einem gesamtgesellschaftlichen Verständnis von Präventionsarbeit. Die Prävention von demokratie- und freiheitsfeindlichen Einstellungen beinhaltet auch die Bereitschaft, die Erfahrungen von jungen Muslim_innen ernst zu nehmen und in der Bildungsarbeit aufzugreifen.

Salafismus in Deutschland – ein Thema für Unterricht und Schule

Die Ausreise von Jugendlichen nach Syrien und in den Irak ist auch an vielen Schulen ein Thema. Salafistische Orientierungen und Verhaltensweisen werden allerdings nicht erst dann zum Problem, wenn Jugendliche zu Gewalt aufrufen. Auch sozialer Druck und rigide Welt- und Feindbilder beeinflussen das Klassenklima und fordern Lehrkräfte heraus. Ein wichtiger Ansatz der Präventionsarbeit besteht darin, die muslimische Religiosität vieler Schülerinnen und Schüler anzuerkennen und sie in ihrer deutsch-muslimischen Identität gegen die Opferideologie und Abwertungen der salafistischen Propaganda zu stärken, schreibt Götz Nordbruch in diesem Artikel.

Prävention in der Schule: The Kids Are All Right

Junge Muslim_innen in Deutschland spüren ganz genau, ob sie von ihrer mehrheitsgesellschaftlichen Umwelt als Dazugehörige wahrgenommen und anerkannt werden. Erst Misstrauen und Ausgrenzung schaffen das Klima, in dem Radikalisierung möglich wird. (Jochen Müller)

„Gewaltbereite Rückkehrer – wie können wir präventiv deren Zug in den Krieg verhindern?“ – Stellungnahme von ufuq.de

Der Unterausschuss „Zivile Krisenprävention, Konfliktbearbeitung und vernetztes Handeln“ des Deutschen Bundestages behandelte das Thema „Gewaltbereite Rückkehrer – wie können wir präventiv deren Zug in den Krieg verhindern?“ (6. Oktober 2014) und hatte dazu Vertreter_innen der Jugend Islamkonferenz, der Beratungsstelle Hayat und ufuq.de eingeladen. Ein Video der Veranstaltung finden Sie hier.

„Scharia-Polizei“ in Wuppertal: Hysterie hilft nicht weiter

Die „Scharia-Polizei“ des salafistischen Predigers Sven Lau in Wuppertal machte in den vergangenen Tagen auch in der überregionalen Presse Schlagzeilen. Übersehen wurde dabei allzu oft der gesellschaftliche Kontext, in dem diese Aktion stattfand. In seinem Beitrag beschreibt Sindyan Qasem (ufuq.de) die Ursachen, weshalb solche Aktionen bei manchen Jugendlichen auf Unterstützung stossen.

Vom bad boy zum Vorbild in Sachen Gottes? Islamistische Initiativen werben mit ehemaligen Rappern um junge Muslime

Rap und Hiphop gehören für viele Jugendliche dazu. Mit Religion haben die meisten Musiker allerdings wenig zu tun. Deshalb bemühen sich salafistische Prediger in den vergangenen Jahren verstärkt darum, prominente Rapper zu werben und sie von einem vermeintlich „richtigen“ Islam zu überzeugen, wie Götz Nordbruch (ufuq.de) in diesem Artikel berichtet. Von der street credibility der Musiker versprechen sie sich, Jugendliche besser zu erreichen.