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"Konservative Muslime können mit Pierre Vogel nichts anfangen"

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Die Islam-Auslegungen des salafitischen Kölner Prediger Pierre Vogel stossen auch bei vielen Muslimen auf Kritik. So wendet sich Akif Sahin – ein Blogger, der selbst in konservativen islamischen Vereinen aus dem Umfeld der umstrittenen Islamischen Gemeinschaft Milli Görüş (IGMG) aktiv ist – ausdrücklich gegen Vogels Lehren.

Vogels Interpretation des Islam, die rigide zwischen gut und böse, richtig und falsch, islamisch und unislamisch unterscheidet, hat großen Erfolg bei Jugendlichen. Unter ihnen finden sich auch viele zum Islam konvertierte junge Muslime, denen eben diese eindeutigen Zuordnungen Orientierung und Autorität vermitteln.

Sahin räumt ein, dass Vogel über viele Anhänger verfügt. Gerade seine charismatische und kumpelhafte Art, aber auch die Tatsache, dass er auf deutsch predigt, machten ihn für viele junge Muslime attraktiv. Unter türkischen Muslimen hätte Vogel dagegen kaum Fuß fassen können, schreibt Sahin. Die salafitische Lehre saudischer Prägung mache Vogel aus Sicht türkischer Muslime suspekt.

Sahin kritisiert Vogel vor allem für seine verkürzende Darstellung dessen, was es bedeute Muslim, zu sein: „Pierre Vogel predigt nicht einen langwierigen Prozess eines Muslims, der sich auf einer Reise befindet. Nein, Pierre Vogel erklärt, wie einfach der Islam ist. Er ist so einfach, dass ein junger Mann ihn per Telefon anrufen, die Shahada (das Glaubenbekenntnis) aufsagen und (dann) dazu gehören kann.“ Dem Islam, der von Vogel gepredigt wird, ginge es also nicht mehr um den Glauben. Viel wichtiger sei, das hier eine klare Richtschnur, klare Regeln und Zuordnungen vorgegeben würden, die insbesondere Jugendlichen Orientierung und Halt gebe.

Das bedeute auch, dass Vogel und seine Anhänger keine Kritik akzeptierten: „Viele seiner Anhänger dulden keine Kritik. Ganz im Gegenteil, taucht Kritik auf, wird man mundtot gemacht. (...) Man beschimpft sich als Kafir und Kuffar (Ungläubige) oder als Diener der Kuffar und des Satans. Es ist eben nicht der friedliche Islam von dem gepredigt wird, (...) sondern es wird ein Islam gelebt, der nur eine Meinung duldet und keine andere.“

Dieses Denken ist laut Sahin auch deswegen problematisch, weil es eine Radikalisierung befördere: „Der Fluss zwischen dem Islam von Pierre Vogel und dem von radikalen Terroristen ist fließend. Wir brauchen das hier nicht zu beschönigen, es ist so“, meint Sahin. Um so wichtiger sei es, „endlich eine Antwort auf diese Bewegung und auf Pierre Vogel zu geben. Diese Antwort heißt aber nicht, Vogel zu verteufeln, sondern sich mit ihm auseinanderzusetzen, deutsche Prediger einzusetzen und die Muslime über die Gefahren der Muslime aufzuklären.“

Diese Kritik Sahins richtet sich auch an traditionelle türkisch-islamische Organisationen, die gerade mit ihren türkischsprachigen Angeboten immer weniger an junge Muslime herankommen. Auch sieht er den Bedarf, Lehrstühle für islamische Geistliche an deutschen Universitäten einzurichten. Denn: „Wir können es uns nicht mehr erlauben, die Jugendlichen denjenigen zu überlassen, die gut deutsch sprechen, aber nicht viel von unseren gemeinsamen Werten, der Freiheit, der Gleichheit und Gerechtigkeit halten.“

Sahin (26) betreibt im Internet den islamischen Dunia-Blog. Er zählt damit zu einem Spektrum junger deutscher Muslime, die selbst einen konservativen Islam vertreten, sich aber um eine klare Abgrenzung von populären, dem Salafismus zuzurechnenden Predigern wie Pierre Vogel bemühen.

Dabei geht es auch um Konkurrenzen, schließlich wenden sich beide Strömungen vornehmlich an junge, deutschsprachige Muslime.