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"Jetzt sprechen wir!" Fatma Camur über das Webzine "Muslim - The next generation"

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Fatma Camur ist eine Vertreterin des deutsch-islamischen Web 2.0. Die 20-jährige Studentin betreibt den Blog habseligkeit.wordpress.com, als Redakteurin schreibt sie für das neue Webzine „Muslim – The Next Generation“.

Über das Online-Projekt gibt sie in einem kurzen Gespräch Auskunft.

Vor einigen Wochen ist die erste Ausgabe der Zeitschrift „Muslim – The Next Generation“ erschienen. In den Beiträgen geht es nicht um Gott, den Propheten oder um die großen religiösen Fragen, sondern um das Thema „Freiheit“. Warum?

Fatma Camur: Wir haben uns für dieses Thema entscheiden, weil der Begriff Freiheit gerade in den jungen Jahren bei der Identitätsfindung eine zentrale Rolle spielt. Man will auf der einen Seite so viel Freiheit wie möglich haben und auf der anderen Seite stellt sich dabei die Frage, wo die Grenzen sind. Wir wollten darüber nachdenken, reflektieren und schließlich darstellen, was für uns, den muslimischen Jugendlichen, die wahre Freiheit bedeutet. Gerade wir müssen sehr intensiv darüber nachdenken, was für eine Bedeutung sie für uns hat, weil der Islam sehr oft fälschlicherweise, als eine Religion angesehen wird, die auf Zwängen beruht.

Was bedeutet denn für Sie Freiheit? Gibt es einen Unterschied, ob Sie dies als junge Muslimin oder als junge Frau betrachten?

Camur: Ich kann nicht für alle muslimische Mädchen sprechen, aber für mich hört die Freiheit dort auf wo a) andere Menschen benachteiligt und b) die Grenzen der islamischen Fundamente überschritten werden. Davon abgesehen gibt es natürlich in jedem Land Regeln, an die man sich halten sollte. Die größte Freiheit ist für mich, eine eigene Meinung bilden zu dürfen, ohne von äußeren Einflüssen beeinträchtigt zu werden. Meistens sind Menschen Sklaven des Konsumwahns und der Meinungsmacher, ohne dass sie es merken. Das gilt für jeden Menschen, hundertprozentig frei ist keiner. Als Muslima ist es mein Ziel, mich von diesen Dingen zu distanzieren, um meinem Geist die Freiheit zu ermöglichen. Es gibt in diesem Sinne keinen verallgemeinbaren Unterschied zwischen Muslimas und jungen nicht-muslimischen Frauen, da wir in der gleichen Gesellschaft leben und jeder unabhängig von seiner Religion eine andere geistige Reife hat.

Worin besteht denn gerade das Junge, das Neue, für das Ihr Webzine steht? Bezieht sich der Wunsch nach Freiheit auch auf die traditionellen islamischen Autoritäten?

Camur: Es geht eher um die Freiheit, sich von der kulturgeprägten Denkweise, die vor allem die ältere Generation noch mit sich trägt, zu befreien. Die meisten Vereine können den Jugendlichen leider sehr wenig bieten, 'servieren' den Islam nicht auf eine Art und Weise, die auch bei der jüngeren Generation ankommt. Oft sind sie eben Moscheen und Kulturvereine zugleich, so dass manchmal die nationale Zugehörigkeit im Vordergrund steht. Die jungen Muslime aber wollen eine Gemeinschaft, in der Araber und Türken zusammensitzen und auf der gemeinsamen Ebene miteinander über ihre Gemeinsamkeiten kommunizieren. Die deutsche Sprache verbindet uns alle und wir sind ein Teil der deutschen Gesellschaft. Wir wollen mit anpacken und für die Zukunft Deutschlands mitentscheiden. Das ist etwas Neues, was es meiner Meinung nach vor einigen Jahren nicht gab. Deswegen: Wann, wenn nicht jetzt? Wer, wenn nicht wir? Jetzt sprechen wir!