Unser Jahresbericht 2025 macht die Bedeutung und breite Wirkung der Arbeit von ufuq.de deutlich. Zugleich zeigen die geplanten Änderungen rund um das Bundesprogramm „Demokratie leben!“, wie fragile Förderstrukturen bundesweit etablierte Demokratie- und Präventionsarbeit unter Druck setzen und Unsicherheiten für Fachkräfte und Träger schaffen.
Seit einigen Wochen kritisieren Stimmen und Akteure aus Politik, Medien und Gesellschaft nun bereits die Pläne zum Umbau des Bundesprogramms „Demokratie leben!“, das sich die Förderung von Demokratie und Vielfalt sowie die Prävention verschiedener Phänomene von Diskriminierung und Extremismus auf die Fahnen geschrieben hat. Kritik wird vor allem daran geübt, dass sich – so wollen es die Bundesregierung und das neue Familienministerium – alle 200 zivilgesellschaftlichen Träger von Innovations- und bundesweiten Verbundprojekten mit den von ihnen durchgeführten Maßnahmen Mitte 2026 erneut um Fördermittel ab dem 1. Januar 2027 bewerben müssen, obwohl ihnen und ihrer Arbeit gerade mittel- und langfristige Perspektiven zugesagt worden waren.
Aus unserer Sicht schadet dieses Verfahren der Demokratie- und Präventionsarbeit in vielfacher Hinsicht:
Es verstärkt die Unsicherheit versierter Fachkräfte in den Themenfeldern, die sich nach verlässlicheren Arbeitsplätzen umsehen. Das Verfahren bringt einen erheblichen zusätzlichen Aufwand von Ressourcen mit sich, die an anderer Stelle sehr viel sinnvoller hätten eingesetzt werden können. Es fördert eine Misstrauenskultur, die an die Stelle von Anerkennung für die Arbeit der Träger tritt. Vor allem aber und in der Summe führt das Verfahren bereits jetzt zu Behinderung, Schädigung und auch zum Abbruch von inzwischen bundesweit etablierter, erprobter und professioneller Arbeit in Themenfeldern, die existenziell für Pluralismus, Teilhabe und das Zusammenleben in der demokratischen Gesellschaft sind.
Für ufuq.de betrifft das in erster Linie die Arbeit im „KN:IX connect“, dem Verbundprojekt zur Islamismusprävention. Hier ist ufuq.de bundesweit bekannt und anerkannt: Seit vielen Jahren und als eine der ersten Organisationen im Themenfeld überhaupt widmen wir uns wissenschaftsbasiert, wirkungsorientiert und wertegeleitet der universellen Prävention von Islamismus – in Regelstrukturen wie Schule und Jugendarbeit, in der Lehrer*innenausbildung sowie mit Fachkräften aus Verwaltung, Sport oder der Polizei. Insgesamt konnte ufuq.de im Jahr 2025 dank der Förderung durch „Demokratie leben!“ weit über 500 Maßnahmen für Fachkräfte und Jugendliche organisieren und durchführen – von Tagungen und Konferenzen über Publikationen, Arbeitshilfen und -materialien, Podcasts, Fortbildungen, Vorträgen, Webtalks, Newsletter für Fachkräfte (mit 2.400 Abonnent*innen), Mediengesprächen, Politik- und Fachberatung bis zu einzelnen Workshops in Schulklassen. Insgesamt erreichten wir mit unseren Angeboten allein in 2025 bundesweit viele Tausend pädagogische Fachkräfte und Präventionsakteure; und in Workshops arbeiteten wir 2025 in Berlin und Bayern mit über 6.000 Jugendlichen.
Alle unsere Maßnahmen werden kontinuierlich evaluiert. Wir sind sicher, dass unsere Arbeit wirkt – auch wenn sich das in Zahlen manchmal nur schwer messen lässt. Aber wie sagte einmal eine Lehrerin nach einem Workshop: „Das Klima in der Klasse hat sich total verändert“. Und darauf kommt es doch an in Zeiten von Orientierungsverlust, Polarisierung und gesellschaftlichen Krisenerfahrungen, die es extremistischen Akteur*innen und ihren Angeboten leicht machen. Denn: „Wenn wir in Medien, Politik oder Schule die Bedarfe von Jugendlichen nicht erfüllen können, kommen eben andere und geben ihre Antworten!“
Den Bericht über die Tätigkeiten, Maßnahmen und die Arbeit von ufuq.de in seinen verschiedenen Projekten im Jahr 2025 finden Sie hier als PDF zum Download.
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