Digital Streetwork ist ein vielversprechender Ansatz, um Kinder und Jugendliche in digitalen Räumen zu stärken. Allerdings weißt Dr. Cora Bieß in diesem Beitrag darauf hin, dass es dabei nicht allein um die Förderung von individuellen Kompetenzen geht. Auch strukturelle Maßnahmen sind notwendig, um den kinderrechtlichen Erfordernissen gerecht zu werden.
Kinder und Jugendliche wachsen in einem digitalen Zeitalter auf, in dem Offline- und Online-Sphären nicht mehr strikt voneinander getrennt sind, sondern zunehmend miteinander verschmelzen. Sie werden in und mit Online-Kontexten sozialisiert. Der digitale Strukturwandel bringt damit neue Formen der Kommunikation und interaktive Räume für Austausch mit sich und eröffnet jungen Menschen einerseits Chancen zur Teilhabe, Vernetzung und Zugänge zur Meinungsbildung. Andererseits sind sie online auch vielfältigen Risiken und digitalen Gewaltphänomenen ausgesetzt – etwa durch Cybergrooming, Cybermobbing, Doxing, Fake News, Hass und Hetze, Selbstgefährdungswettbewerbe oder Sexting. Solche Erfahrungen können ihre Entwicklung und Entfaltung erheblich beeinträchtigen und stehen ihrem Recht auf eine „offene Zukunft“[1] entgegen.
Aus kinderrechtlicher Perspektive ergibt sich daraus ein doppelter Auftrag für Politik und Gesellschaft: Zum einen müssen Kinder und Jugendliche in digitalen Räumen wirksam vor Gewalt geschützt werden. Zum anderen gilt es, ihnen Möglichkeiten zur Teilhabe an gesellschaftlichen Debatten und Interaktionen zu eröffnen – und sie dabei zu befähigen, sich sicher und selbstbestimmt in digitalen Welten zu bewegen. Dafür braucht es niederschwellige Angebote, die auf die Lebensrealitäten von Kindern und Jugendlichen abgestimmt sind und ihnen in akuten Krisensituationen online altersgerecht zur Seite stehen. Daher beschränkt sich die kinderrechtlich gebotene Befähigung von Kindern und Jugendlichen nicht auf eine Förderung individueller Medienkompetenzen, sondern erfordert notwendigerweise auch strukturelle Maßnahmen.[2]
Dieser Beitrag zeigt auf, wie die Arbeit und Expertise verschiedener pädagogischer Bereiche mit Ansätzen des digital Streetworks ins Internet übertragen werden könnten, um eine gemeinsame Verantwortung im digitalen Raum zu etablieren und eine kinderrechtliche digitale Infrastruktur zu schaffen.
Ansätze des digital Streetworks
Bewährte analoge Angebote aus Prävention und Beratung sind eine wichtige Grundlage für lebensweltnahe und kinderrechtsbasierte Unterstützungsstrukturen in digitalen Räumen. Um Kinder und Jugendliche digital zu erreichen, müssen solche Unterstützungsangebote von ihrer Lebenswelt und ihrem konkreten Medienverhalten ausgehen.
Das Konzept des digital Streetworks verfolgt einen solchen Ansatz: Es zielt darauf ab, Kindern und Jugendlichen niedrigschwellige Hilfe anzubieten, orientiert an ihren Bedürfnissen und ihrer digitalen Lebenswelt. Digital Streetwork kann je nach Situation präventiv, beratend oder intervenierend eingesetzt werden. Erdmann und Brüggen beschreiben als zentrale Aufgaben von Fachkräften im Bereich digital Streetwork vor allem die Kontaktaufnahme zu Jugendlichen, persönliche Gespräche, die Vermittlung zu weiteren Hilfsangeboten sowie den langfristigen Aufbau von Beziehungen und Gemeinschaft.[3]
Dabei unterscheiden sie drei Vorgehensweisen, wie Fachkräfte mit Heranwachsenden digital in Kontakt treten können: die reaktive, die direkte und die vermittelte Strategie. Bei der direkten Strategie gehen die Fachkräfte online aktiv auf einzelne Kinder oder Jugendliche zu, um den Kontakt aufzubauen. So nutzen sie beispielsweise Schlagwortsuchen, um gezielt Beiträge im Netz zu finden, die auf sicherheitsgefährdende oder gewaltvolle Situationen hinweisen. Die vermittelte Strategie funktioniert meist über Inhalte, etwa in Livestreams von Computerspielen. Dort versuchen die Fachkräfte, über das gemeinsame Interesse am Content eine Verbindung zu den Kindern und Jugendlichen herzustellen. Bei der reaktiven Strategie melden sich die Heranwachsenden dagegen selbst bei den Fachkräften. Danach kommt es zu Einzelgesprächen zwischen Fachkraft und Kind.
In Onlineräumen bietet digital Streetwork die Möglichkeit, die Zugänge und Ansätze zur Sensibilisierung und Stärkung von Kindern und Jugendlichen gegenüber verschiedenen Sicherheitsgefährdungen und Gewaltphänomenen in der digitalen Welt weiter auszubauen.
Eine mögliche Ausdifferenzierung dieser Ansätze zeigt folgende visuelle Darstellung:
Aktualisierte Darstellung basierend auf: Bieß, Cora (2023): Befähigung durch Digital Streetwork. Stärkung von Kinder(rechte)n auf Social Media. Materialien zur Ethik in den Wissenschaften, Band 22. Tübingen: Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften der Universität Tübingen.
Friedensbildung und digital Streetwork
Gefährdungen: Cybermobbing, Doomscrolling, gewaltverherrlichende Inhalte, Konflikte, Kriegsangst
Die Expertise und Erfahrung der Friedensbildung bieten im Rahmen von digital Streetwork die Möglichkeit, über gewaltverherrlichende Inhalte in den sozialen Medien und das Phänomen des Doomscrollings (exzessives Konsumieren negativer Nachrichten) zu sprechen. In solchen Gesprächsangeboten lassen sich auch Kriegsangst, Zukunftsängste und eigene Handlungsmöglichkeiten für ein friedensförderndes Miteinander thematisieren.
Ein weiterer Inhalt dieser pädagogischen Arbeit kann darin bestehen, über Möglichkeiten und Grenzen digitaler Zivilcourage[4] zu sprechen, aber auch über alternative Strategien wie „Peacestorms“ statt „Shitstorms“ sowie die Rolle von Friedensjournalismus. Dafür ließe sich beispielsweise an die Expertise des Friedensbüros Salzburg[5] in Zusammenarbeit mit Peace for Future im Rahmen des Projekts Creating Peace – Werkstatt für Friedenscontent[6] anknüpfen.
Demokratiepädagogik und digital Streetwork
Gefährdungen: Desinformation/Fake News, Hass und Hetze, Propaganda, Verschwörungserzählungen
Ansätze der Demokratiepädagogik lassen sich im Rahmen von digital Streetwork wirkungsvoll nutzen – etwa zur Auseinandersetzung mit Fake News, Desinformation, Propaganda, Verschwörungserzählungen sowie mit Rechtsextremismus oder Radikalisierung. Besonders hilfreich ist in diesem Zusammenhang aufsuchende Arbeit in Form von digitaler Gegenrede, um Falschaussagen sichtbar zu korrigieren. Dadurch können demokratische Werte sowie eine konstruktive Debatten- und Streitkultur gefördert werden. So kann Multiperspektivität und Ambiguitätstoleranz – gerade im Umgang mit kontroversen politischen Diskursen – gestärkt werden.
Ein zentrales Bildungsziel besteht zudem darin, mit Kindern und Jugendlichen über die Rolle von Medien in Demokratien zu sprechen. Dabei können die Chancen sozialer Medien als vernetzte Öffentlichkeiten thematisiert werden, aber auch die Risiken – etwa durch Manipulation in Form von Deepfakes oder die algorithmische Beeinflussung von Meinungsbildungsprozessen durch Shadowbanning und Shadowpromoting[7], Echokammern oder Trollfabriken. Mögliche Akteur*innen in diesem Bereich sind beispielsweise die Amadeu Antonio Stiftung, LOVE-Storm oder die DEXT-Fachstellen (Fachstellen für Demokratieförderung und Extremismusprävention). Weitere Projekte des Bundesprogramms Demokratie leben! bieten ebenfalls Anknüpfungspunkte.
Beratungsstellen für Betroffene von sexuellem Missbrauch und digital Streetwork
Gefährdungen: Cybergrooming, Kinderpornografie, Rachepornografie, Sexting
Beratungsstellen für Betroffene von sexuellem Missbrauch verfügen über wichtige Expertisen, die bei den digitalen Gewaltphänomenen Cybergrooming, Kinderpornografie, Rachepornografie (engl. Revenge Porn) oder Sexting hilfreich sein können. Sie sind eine wichtige Ressource, um Kindeswohlgefährdungen konsequent nachzugehen und Kinderschutz im digitalen Raum zu stärken.
In diesem Bereich könnte beispielsweise die Arbeit von Dunkelziffer e.V. (telefonische Beratung und Onlineberatung für sexuell missbrauchte Kinder), Juuuport e.V. (in Notfällen rund um die Uhr erreichbar), oder Nina-info (Hilfetelefon oder Onlineberatung für Betroffene von sexuellem Missbrauch sowie Beratung für Helfende, Fachkräfte und besorgte Menschen aus dem persönlichen Umfeld) einbezogen werden.
Mädchen*arbeit und digital Streetwork
Gefährdungen: Catcalling, Cybergrooming, Cybermobbing, Doxing, Sexting, Slutshaming
Ansätze der Mädchen*arbeit und geschlechtersensiblen Pädagogik lassen sich auch in den digitalen Raum übertragen. So kann beispielsweise sexualpädagogische Expertise genutzt werden, um Themen wie Slutshaming gezielt aufzugreifen und zu bearbeiten. Dazu gehören auch weitere relevante Inhalte wie toxische Schönheitsideale, die etwa in Challenges (z. B. Kaugummi-und-Wasser-Diät auf TikTok) verbreitet werden, sowie Empowerment und Selbstbehauptung bei sexuellen Grenzüberschreitungen unter Gleichaltrigen (peer-to-peer). Ebenso wichtig sind Beratungs- und Präventionsangebote bei sexualisierter Gewalt. Aufsuchende digitale Arbeit kann für Betroffene eine wichtige Unterstützung sein – etwa wenn Fachkräfte bei öffentlichem Slutshaming oder Catcalling aktiv Gegenrede leisten, indem sie entsprechende Posts oder Kommentare kommentieren und einordnen.
Angebote in diesem Bereich könnten unter Einbeziehung der Expertise und Erfahrungen von Akteur*innen wie etwa der LAG Mädchen*politik, Mädchen*arbeit.de, BAG FORSA oder GLADT e.V. (mit Tans- und Inter-Beratungsangeboten im Kontext von Coming-out) entwickelt werden.
Jungen*arbeit und digital Streetwork
Gefährdungen: Catcalling, Cybergrooming, Cybermobbing, Doxing, Online-Aggression, Sexting, Slutshaming
Digital Streetwork im Bereich Jungen*arbeit kann wertvolle Angebote schaffen und eine kritische Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen, toxischer Männlichkeit sowie alternativen Rollenbildern von caring-Männlichkeiten fördern. Dabei lässt sich auch eine Reflexion über die Rolle von Influencer*innen und der Manosphere anregen. Durch die Einbeziehung queerer Perspektiven kann die Thematisierung von Geschlechterverhältnissen, sexueller Orientierung und Normalität(sdruck) ins Digitale übertragen werden. Mögliche Akteur*innen in diesem Bereich sind beispielsweise die BAG Jungen*arbeit und GLADT e.V..
Psychologische Beratung und digital Streetwork
Gefährdungen: Doomscrolling, Live-Suizide, Selbstgefährdungswettbewerbe
Psychologische Beratungsstellen sowie Kinder- und Jugendpsychiater*innen könnten ihre Expertise in Bezug auf Selbstgefährdungswettbewerbe, Live-Suizide, Doomscrolling und die Gefahren von Suizidforen in ein digital Streetwork-Konzept übersetzen. Mögliche Akteur*innen, die bereits online beraten sind Nummer gegen Kummer, Jugend.support, Telefonseelsorge, Youth-Life-Line, U25, Jugendnotmail oder Krisenchat.
Antidiskriminierung und digital Streetwork
Gefährdungen: Cybermobbing, Hassrede, Online-Aggression
Rassismus- und diskriminierungskritische Ansätze lassen sich in eine aufsuchende digital Streetwork-Arbeit in Form von Gegenrede bei Hass und Hetze sowie in Beratungs- und Unterstützungsangebote für betroffene von Hassrede übertragen. Mögliche Akteur*innen für intersektionale Sensibilisierungsarbeit sind beispielsweise die Anti-Bias-Werkstatt e.V. oder GLADT e.V.
Kinderrechte technisch mitdenken – Plattformübergreifende Schutzfunktionen partizipativ gestalten
Für einen umfassenden digitalen Kinder- und Jugendschutz sind allerdings auch technische Lösungen erforderlich, die niedrigschwellig, leicht verständlich und plattformübergreifend funktionieren. Einheitlich gestaltete Icons als Hilfebuttons, die auf allen Plattformen an derselben, gut sichtbaren Stelle implementiert sind, sind dabei ein wichtiger Baustein. Orientierung für eine solche partizipative Entwicklung bietet der Ansatz „Kinderrechte by Design“[8] – ein Konzept, das Kinderrechte von Anfang an als festen Bestandteil der technischen Entwicklung versteht. Dabei geht es nicht nur um die technische Umsetzung, sondern auch um echte Mitgestaltung: Kinder und Jugendliche sollen nicht nur als Zielgruppe gedacht, sondern aktiv in die Entwicklung eingebunden werden. Auch der Code für Kinderrechte[9] bietet weitere Orientierung, wie Produktentwicklungen kindgerecht und rechtskonform gestaltet werden können.
Solche Prozesse müssen altersgerecht, partizipativ und inklusiv gestaltet werden. Dabei ist es essenziell, unterschiedliche Lebensrealitäten mitzudenken – etwa durch die Berücksichtigung intersektionaler Kindheiten.
Um diese Form der Teilhabe konkret zu ermöglichen, wäre es sinnvoll, Formate wie Hackathons oder Inspirathons zu nutzen, in denen Kinder und Jugendliche gemeinsam mit Entwickler*innen, Fachkräften und politischen Entscheidungsträger*innen an Ideen und digitalen Schutzlösungen arbeiten. Dies könnte im Rahmen des im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung angekündigten „nationalen Kinder- und Jugendgipfels“ (Koalitionsvertrag 2025: Z. 3200-3202[10]) geschehen, bei dem Heranwachsende ihre Anliegen einbringen, mit Politiker*innen diskutieren und ihre Vorstellungen von gelingender Kinder- und Jugendpolitik formulieren können. So könnte digitale Beteiligung im Sinne von Kinderrechten nicht nur diskutiert, sondern auch praktisch erprobt und verankert werden – von Anfang an und gemeinsam mit denjenigen, um die es geht.
Anregungen für Praxis und Politik
Digital Streetwork eröffnet neue Möglichkeiten für eine niedrigschwellige, lebensweltnahe Begleitung junger Menschen in digitalen Räumen. Gleichzeitig stellt dieses innovative Handlungsfeld Fachkräfte vor neue Herausforderungen. Entscheidend für das Gelingen sind insbesondere eine passgenaue Plattformstrategie, eine zielgruppenorientierte Ausgestaltung sowie eine klare individuelle Arbeitsorganisation. Ein zentrales Spannungsfeld liegt im sensiblen Umgang mit der Privatheit von Heranwachsenden: Fachkräfte müssen altersgerecht zwischen Fürsorge, Schutzverantwortung und der Wahrung von Privatsphäre abwägen – ohne dabei in paternalistische Muster zu verfallen.
Um eine technische Infrastruktur für eine reaktive digital Streetwork-Strategie zu implementieren, braucht es auf politischer Ebene zudem:
- zusätzliche personelle und finanzielle Ressourcen für pädagogische Einrichtungen,
- eine übergeordnete Koordinierungsstelle zur Vernetzung und Steuerung,
- Zertifizierungssysteme mit Qualitätsstandards, zum Beispiel nach Vorbild des „Seitenstark“-Gütesiegels[11], ggf. durch Landesmedienanstalten,
- Kooperationen auf kommunaler Ebene, beispielsweise an Schnittstellen zwischen Online- und Offline-Angeboten,
- plattformbezogene Ausdifferenzierungen, die den jeweiligen Kommunikationslogiken gerecht werden
- die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen als Expert*innen ihrer Lebenswelt in der im Koalitionsvertrag angekündigten „Expertenkommission“, um „eine Strategie Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ nicht nur für, sondern mit ihnen zu gestalten (Koalitionsvertrag 2025: Z. 3179-3184).
Denn Kinder und Jugendliche sind Expert*innen ihrer eigenen Lebenswelt. Im Sinne der Kinderrechte sind sie nicht nur zu schützen und zu befähigen, sondern haben auch ein Recht auf aktive Teilhabe an allen sie betreffenden Angelegenheiten – einschließlich der kindgerechten Regulierung des Internets.
Glossar zu Sicherheitsgefährdungen und Gewaltphänomene in der Onlinekommunikation
Catcalling
Catcalling ist eine verbale Form sexueller Belästigung und bezeichnet sexuell anzügliches (virtuelles) Nachpfeifen, Hinterherrufen, Nachrufen oder Reden im öffentlichen (digitalen) Raum.
Cybergrooming
Der Begriff Grooming stammt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie ,anbahnen´ oder ,vorbereiten´. Beim Cybergrooming geben sich Erwachsene als Kinder oder Jugendliche aus. Dabei sprechen sie Kinder und Jugendliche gezielt über das Internet an, um sexuelle Kontakte anzubahnen. Die erwachsenen Täter:innen belästigen Minderjährige und fordern sie beispielsweise auf, Nacktaufnahmen zu übersenden oder sich persönlich zu treffen.
Cybermobbing
Als Cybermobbing wird Mobbing im Internet bezeichnet. Typische Formen sind Verleumdung, Beleidigung, Belästigung, Bedrängung und Nötigung. Beispielsweise kann es sich äußern, wenn falsche Behauptungen mit dem Ziel der Schädigung über jemanden gepostet werden. Betroffene werden beispielsweise in den sozialen Medien öffentlich beschimpft oder beleidigt.
Deepfakes
Deepfakes sind synthetisch erzeugte audiovisuelle Medien, die meistens mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt werden.
Desinformation
Als Desinformation werden ungenaue, irreführende oder falsche Informationen bezeichnet. Ziel von Desinformation ist es, die Öffentlichkeit absichtlich zu schädigen. Desinformation ist eine böswillige Täuschungsabsicht.
Doomscrolling
Das Wort setzt sich zusammen aus Doom (englisch für Untergang) und scrolling (englisch für Verschieben von Bildschirminhalten). Doomscrolling ist ein Verhalten, bei dem Menschen exzessiv negative Nachrichten konsumieren, was negative Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden hat. Bei diesem Phänomen können Betroffene insbesondere in Krisenzeiten suchtähnliche Tendenzen entwickeln.
Doxing
Doxing bezeichnet die Veröffentlichung vertraulicher Inhalte anderer Personen. Ein Beispiel für Doxing ist, wenn in einem privaten Chat Bilder geschickt werden und der/die Empfänger*in diese anschließend ungefragt auf einer Website, in den sozialen Medien oder analog veröffentlicht.
Fake News
Der Begriff Fake News bedeutet auf Deutsch direkt übersetzt Falschnachrichten. Es handelt sich um vorgetäuschte Nachrichten, die meist manipulativ über das Internet verbreitet werden.
Hass und Hetze
Hass und Hetze gehen mit dem Wunsch nach Vernichtung oder Zerstörung anderer Menschen einher. Die Inhalte reichen von Abwertungen und Beleidigungen bis hin zu Bedrohungen und Aufrufen zu Gewalt. Hass und Hetze im Internet werden häufig gegenüber Minderheiten geäußert und sind daher oft mit Diskriminierung und Rassismus verbunden.
Online-Aggression
Online-Aggression bezeichnet feindseliges Verhalten in der Onlinekommunikation. Der Begriff wird häufig als Oberbegriff für gewaltförmiges Verhalten im Internet verwendet. Sie äußert sich beispielsweise durch verletzende Taten oder diskriminierende und abwertende Kommentare, die darauf abzielen, Betroffene zu schädigen.
Rachepornografie
Rachepornografie wird auch als Revengeporn bezeichnet. Darunter fallen Darstellung von nackten Personen sowie pornografische Inhalte, die mit dem Ziel eines Racheaktes veröffentlicht und verbreitet werden. Häufig werden rachepornografische Darstellungen synthetisch mit Hilfe von Deepfakes (meist mittels künstlicher Intelligenz) erstellt.
Selbstgefährdungswettbewerbe
Bei Selbstgefährdungswettbewerben handelt es sich um Mutproben, die im Internet veröffentlicht werden. Einige dieser Mutproben werden per Live-Video übertragen und von anderen Nutzer:innen kommentiert. Durch die Echtzeitübertragung und die Online-Zuschauer*innen erhöht sich der Druck auf die Teilnehmenden, solche Wettbewerbe nicht abzubrechen, wenn es gefährlich wird. Selbstgefährdungswettbewerbe werden auch als Online-Challenges bezeichnet. Manche dieser Wettbewerbe gehen sogar so weit, dass sich die Teilnehmenden live das Leben nehmen.
Sexting
Der Begriff setzt sich aus den beiden Wörtern Sex und Textingzusammen. Beim Sexting werden sexuell konnotierte Nachrichten, Videos oder Fotos verschickt. Dabei wird zwischen konsensualem Sexting, das einvernehmlich stattfindet, und nonkonsensualem Sexting, das nicht einvernehmlich stattfindet, unterschieden. Hierunter fallen beispielsweise die Zusendung unangefragter Dickpics oder die Weiterleitung und Verbreitung von Nacktaufnahmen ohne das Einverständnis der Betroffenen. (Ein ,Dickpic´ ist ein umgangssprachlicher Begriff für ein Penisbild.)
Slutshaming
Slutshaming bezeichnet die Diffamierung von Mädchen* und Frauen*, die als ,Schlampe´ sexualisiert beleidigt und beschämt werden.
Anmerkungen
[1] Feinberg, Joel (1980): The child’s right to an open future. In: Aiken, William und LaFollette, Hugh (Hrsg.): Whose Child? Children’s Rights, Parental Authority, and State Power. Totowa, N: Rowman and Littlefield. S. 124–153. [http://hdl.handle.net/10822/786092].
[2] Brüggen, Niels et al. (2022): Gefährdungsatlas. Digitales Aufwachsen. Vom Kind aus denken. Zukunftssicher handeln. Aktualisierte und erweiterte 2. Auflage. Bonn: BZKJ (Bundeszentrale für Kinder-und Jugendmedienschutz). [https://www.bzkj.de/bzkj/service/publikationen; 24.5.2023], S. 249.
[3] Erdmann, Julian und Niels, Brüggen (2023): Digital Streetwork. Bericht der wissenschaftlichen Begleitung des Modellprojektes in Bayern im Jahr 2022. Herausgegeben vom JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis. München. [https://www.jff.de/fileadmin/user_upload/jff/projekte/DSW/jff_muenchen_2023_veroeffentlichung_digital_streetwork.pdf], S. 69.
[4] Bieß, Cora (2024): Konfliktsensibilität im digitalen Raum? Jugendliche zwischen Gewalt und Zivilcourage − Implikationen für eine machtkritisch-transformative Friedensbildung. Universität Klagenfurt.
[5] Kranich. Zeitung des Salzburger Friedensbüros creating peace. Werkstatt für Friedenscontent. Peace Media Day. [https://www.friedensbuero.at/wp-content/uploads/2024/11/kranich_03_24_digital.pdf; 17.11.2024].
[6] https://www.instagram.com/p/DBwGBVFN1JT/
[7] Shadowbanning erfolgt über Wortfilter. Dabei werden Inhalte nicht gelöscht, sondern ihre Reichweite wird gedrosselt. Die betroffenen Nutzer*innen können weiterhin Inhalte posten und aktiv sein, aber ihre Reichweite und Sichtbarkeit werden stark reduziert. Das führt dazu, dass ihre Beiträge seltener angezeigt werden und sie weniger Interaktionen erhalten. Der gegenteilige Effekt ist Shadowpromoting, bei dem Inhalte in ihrer Reichweite gefördert werden.
[8] Noller, Felix (o.A.): Kinderrechte by Design: Kinderrechte und digitale Produkte. In: Dossier Kinderrechte. o.A. [https://dossier.kinderrechte.de/kinderrechte-by-design; 13.5.2024].
[9] University of Leiden und Ministry of the Interior (o.A.): Code for Children’s Rights. Code voor kinderrechten. [https://codevoorkinderrechten.nl/wp-content/uploads/2022/02/Code-voor-Kinderrechten-EN.pdf].
[10] Koalitionsvertrag (2025): Verantwortung für Deutschland. Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD. 21. Legislaturperiode. Online verfügbar unter: https://www.spd.de/fileadmin/Dokumente/Koalitionsvertrag_2025.pdf [22.04.2025].
[11] https://seitenstark.de/eltern-und-lehrkraefte/das-seitenstark-guetesiegel
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