Medienkritikfähigkeit und Radikalisierungsgefährdung bei jungen Menschen – Warum digitale Mündigkeit ein Schlüssel in der Präventionsarbeit ist
17. Dezember 2025 | Demokratie und Partizipation, Jugendkulturen und Soziale Medien, Radikalisierung und Prävention

Abstrakte Illustration von digitalen Räumen / KI-generiertes Bild mit Midjourney

Junge Menschen begegnen im Netz auch manipulativen Inhalten, emotionalen Narrativen und vereinfachten Weltbildern. Steven Avanzato-Driesner, Demokratiepädagoge und Doktorand am Institut für vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften der Universität zu Köln, zeigt in seinem Beitrag, wie Medienkritikfähigkeit und digitale Mündigkeit wie ein Schutzschild wirken können. Er beschreibt praxisnahe Ansätze für Pädagog*innen sowie Akteur*innen in Prävention und politischer Bildung, die Jugendliche in ihrer Urteilsfähigkeit fördern und sie gegenüber extremistischen Ansprachen stärken.

Kaum ein Thema beschäftigt mich in meiner Arbeit so sehr wie die Frage, warum manche junge Menschen extremistische Inhalte im Netz aufnehmen – und andere nicht. In meiner Forschung habe ich daher untersucht, wie die Fähigkeit, Medien kritisch zu hinterfragen, mit der Gefahr extremistischer Radikalisierung zusammenhängt. Meine Ergebnisse zeigen: Wer Quellen prüfen, Emotionen einordnen und Absichten hinter Botschaften erkennen kann, ist deutlich besser geschützt.

Digitale Lebenswelten und Radikalisierungsrisiken

Die Radikalisierung von (oftmals jungen) Menschen verläuft fast nie linear. Sie entsteht in komplexen Lebenslagen, die von sozialer Herkunft, Bildung, Sprache, Geschlecht und Diskriminierungserfahrungen geprägt sein können. Hinzu kommen persönliche Krisen, familiäre Brüche und das Bedürfnis nach Orientierung und Zugehörigkeit. Extremistische Akteur*innen nutzen solche Phasen gezielt, um einfache Erklärungen und klare Identitätsangebote zu vermitteln (Köhler & Horgan, 2016; Beelmann et al., 2017; Rabasa et al., 2010).

Gleichzeitig ist Social Media für fast alle Jugendlichen alltäglicher Kommunikationsraum. 98 Prozent der 12- bis 19-Jährigen besitzen ein Smartphone, über 60 Prozent stoßen laut JIM-Studie 2024 regelmäßig auf Hassbotschaften oder Falschinformationen (JIM-Studie 2024, S. 54). In sozialen Netzwerken verschwimmen Information, Unterhaltung und Meinung. Obwohl viele junge Menschen etablierten Medien weiterhin vertrauen, informieren sich immer mehr vor allem über Plattformen wie Instagram, YouTube oder TikTok – Räume, in denen emotionale und polarisierende Inhalte oft stärker wirken als geprüfte Fakten (mpfs, 2024).

Diese Dynamik macht deutlich, warum die Fähigkeit zur Medienkritik heute eine Kernkompetenz darstellt. Sie befähigt dazu, Inhalte nicht nur zu konsumieren, sondern sie zu verstehen, zu prüfen und in Beziehung zum eigenen Leben zu setzen. In meiner Studie konnte ich zeigen, dass gering ausgeprägte Fähigkeiten zur Medienkritik rückblickend oft als Schlüsselfaktor für eine Hinwendung zu extremistischen Erzählungen beschrieben wurden.

Medienkritikfähigkeit bildet daher die Grundlage, mündige Entscheidungen im Kontext von digitalen Räumen zu treffen und ist somit auch ein zentrales Element selektiver bzw. sekundärer und indizierter bzw. tertiärer Prävention[1]. Digitale Mündigkeit auf Basis einer ausgeprägten Medienbildung hilft, manipulative und ideologisch aufgeladene Narrative zu erkennen und stärkt junge Menschen darin, eigene Perspektiven zu entwickeln. Ich möchte daher in diesem Beitrag das Ziel einer pädagogischen Praxis darlegen, die individuelle Hintergründe ernst nimmt – und Medienbildung als Weg versteht, Resilienz gegenüber extremistischen Deutungshoheiten zu fördern und demokratische Teilhabe zu stärken.

Theoretische Perspektiven: Medienkompetenz und digitale Mündigkeit

Der Begriff Medienkompetenz gehört seit den 1990er-Jahren zu den zentralen Konzepten der Medienpädagogik. Der Pädagoge Dieter Baacke unterschied vier Dimensionen: Medienkunde, Mediennutzung, Mediengestaltung und Medienkritik (Baacke, 1997). Während die ersten drei vor allem Wissen und technische Fähigkeiten umfassen, bildet Medienkritik den reflektiven Kern. Sie meint die Fähigkeit, Inhalte zu prüfen, gesellschaftliche Zusammenhänge mitzudenken und das eigene Urteilen kritisch zu hinterfragen.

In meiner Arbeit verstehe ich Medienkritik als eine Kombination aus analytischem, reflexivem und ethischem Denken:

  • Analytisch, weil sie Hintergrundwissen über Medienstrukturen voraussetzt, zum Beispiel über Werbefinanzierung oder algorithmische Logiken.
  • Reflexiv, weil sie die eigene Mediennutzung und Haltung mit einbezieht.
  • Ethisch, weil sie danach fragt, was gesellschaftlich verantwortbar ist.

Medienkritik verbindet also Sach-, Selbst- und Sozialkompetenz – und macht deutlich, dass Medienbildung immer auch Persönlichkeitsbildung ist. Andere Theoretiker*innen wie Sonja Ganguin oder Norbert Groeben haben diesen Ansatz weiterentwickelt. Sie verstehen Medienkritik als erlernbare Fähigkeit, die auf Wahrnehmung, Analyse und Bewertung von Medieninhalten zielt (Ganguin, 2003; Groeben, 2004). Für die Präventionsarbeit bedeutet das: Medienkritik lässt sich fördern und überprüfen – etwa, ob junge Menschen Quellen hinterfragen, emotionale Inszenierungen erkennen oder zwischen Fakten und Meinungen unterscheiden können.

Daran schließt das Konzept der digitalen Mündigkeit an. Es erweitert klassische Medienkompetenz um Fragen nach Verantwortung, Selbstbestimmung und Autonomie in digitalen Räumen. Mündigkeit meint die Fähigkeit, ein eigenes Urteil zu bilden und selbstbestimmt zu handeln – auch im digitalen Umfeld, in dem Algorithmen, Filterblasen und soziale Dynamiken das Denken beeinflussen (Schröder, 2010). Digitale Mündigkeit bedeutet also, nicht nur technisch souverän zu agieren, sondern kritisch, reflektiert und sozial verantwortungsvoll. Wer digital mündig ist, erkennt, wann Informationen manipulativ sind, welche Emotionen angesprochen werden sollen und wie man sich eine eigene, fundierte Meinung bildet.

Im Kontext der Radikalisierungsprävention zeigt sich, wie eng diese Konzepte miteinander verbunden sind: Eine schwach ausgeprägte Medienkritik oder digitale Mündigkeit kann ein Risikofaktor sein – ihre Förderung hingegen wirkt wie ein Schutzschild. Bildungsbiografien, Sprache und soziale Kontexte können dabei maßgebliche Faktoren sein, wie früh und wie intensiv junge Menschen lernen, Medieninhalte kritisch zu hinterfragen.

Extremistische Akteur*innen nutzen diese Unterschiede gezielt. Sie vereinfachen komplexe Themen, emotionalisieren Debatten und bieten Zugehörigkeit an – vor allem dort, wo Unsicherheit oder Orientierungslosigkeit herrscht. Ohne die Fähigkeit, solche Mechanismen zu erkennen, wächst das Risiko, manipulativen Deutungen zu folgen. Digitale Mündigkeit und Medienkritik sind daher nicht nur pädagogische Ziele, sondern zentrale Voraussetzungen demokratischer Resilienz. Wer versteht, wie Medien wirken, kann sich informieren, ohne sich vereinnahmen zu lassen – und bleibt fähig, eigene, reflektierte Entscheidungen zu treffen.

Aktuelle Forschung zeigt: Medienkritikfähigkeit senkt Radikalisierungsgefährdung

Auch wenn in der Forschung zur Radikalisierungsprävention inzwischen viele diversitätssensible Ansätze diskutiert werden, bleiben verlässliche empirische Daten zu unterschiedlichen Zielgruppen selten. Besonders schwierig ist der Zugang zu Personen, die bereits radikalisiert oder inhaftiert sind – genau dort aber lassen sich entscheidende Erkenntnisse über Risikofaktoren und Schutzmechanismen gewinnen.

In meiner Untersuchung habe ich daher quantitative und qualitative Methoden kombiniert. So konnte ich nicht nur statistische Zusammenhänge messen, sondern auch biografische Erfahrungen und Deutungen der Befragten verstehen.

Insgesamt nahmen 351 junge Menschen im Alter zwischen 14 und 34 Jahren an einer Online-Befragung teil, in der die individuelle Medienkritikfähigkeit, Selbstwirksamkeitserfahrungen sowie Einstellungen und Verhaltensweisen im Kontext politischer bzw. religiöser Radikalisierungsgefährdung erhoben wurden. Ergänzend führte ich problemzentrierte Interviews mit inhaftierten und haftentlassenen Personen, die wegen politisch oder religiös motivierter Straftaten verurteilt wurden. Diese Gespräche fokussierten insbesondere biografische Wendepunkte, Mediennutzung und -deutungen sowie subjektive Einschätzungen darüber, welche Rolle Medienkritikfähigkeit in ihrem Lebensverlauf hätte spielen können.

Die Ergebnisse zeigen deutlich: Je stärker die Medienkritikfähigkeit ausgeprägt ist, desto geringer ist die Radikalisierungsgefährdung. In meiner Stichprobe sank die Gefährdung mit jedem Zuwachs an medienkritischen Kompetenzen signifikant. Umgekehrt wiesen Teilnehmende mit geringen Reflexionsfähigkeiten häufiger ein erhöhtes Risiko auf, manipulativen oder extremistischen Narrativen zu folgen. Darüber hinaus ergaben sich Unterschiede in Abhängigkeit von Bildung, Alter und Geschlecht. Höhere Bildungsabschlüsse gingen mit einer niedrigeren Radikalisierungsgefährdung einher. Ältere Befragte zeigten sich tendenziell resilienter, während männliche Teilnehmende deutlich anfälliger für radikalisierende Inhalte waren als weibliche. Diese Unterschiede sind nicht nur statistisch relevant, sondern auch praktisch bedeutsam, da sie auf unterschiedliche Präventionsbedarfe hinweisen.

In den Interviews bestätigten sich diese Muster. Besonders prägend waren Erzählungen über emotionale Krisen, Verlust oder Isolation. In solchen Phasen fiel es schwer, Distanz zu ideologisch gefärbten Inhalten zu bewahren. Ein Befragter berichtete, wie ihn eine als „Vaterfigur“ wahrgenommene religiöse Autorität in einer Lebenskrise an sich band – ein schleichender Prozess, der zunächst Halt und später Ideologie vermittelte. Erst durch therapeutische Unterstützung und Beratung gelang die Distanzierung. Solche biografischen Einblicke verdeutlichen, dass Radikalisierungsprozesse nicht nur kognitive, sondern auch emotionale und soziale Dimensionen haben. Medienkritikfähigkeit entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern wird von Bildungswegen, Sprache, familiären Bindungen und sozialen Netzwerken geprägt. Sie schützt vor emotional aufgeladenen Erzählungen, indem sie Reflexion und Selbstwirksamkeit stärkt.

Die Studie zeigt außerdem: Prävention ist dann wirksam, wenn sie diese individuellen Unterschiede ernst nimmt. Junge Menschen benötigen Unterstützung, die zu ihrer Lebenslage passt – ob durch Bildungsangebote, Sprachförderung, stabile soziale Beziehungen oder psychologische Begleitung. Medienkritikförderung entfaltet ihre Wirkung am besten, wenn sie mit diesen Faktoren verknüpft wird.

Praktische Implikationen für Pädagogik und Prävention

Insgesamt deuten die Befunde auf ein klares Muster hin: Medienkritikfähigkeit ist eine entscheidende Ressource, um Informationen einzuordnen, Emotionen zu regulieren und alternative Sichtweisen zuzulassen. Prävention, die dies berücksichtigt, kann junge Menschen in der pädagogischen Praxis nicht nur vor Extremismus schützen, sondern sie zugleich in ihrer digitalen und gesellschaftlichen Selbstbestimmung fördern. Medienkritikfähigkeit und digitale Mündigkeit wirken dort, wo junge Menschen täglich mit manipulativen, emotionalisierenden oder extremistischen Inhalten konfrontiert werden – in sozialen Medien, Messenger-Gruppen oder Gaming-Communities.

Aus diesem Befund lassen sich mehrere praktische Konsequenzen ableiten, die Schulen, außerschulische Bildungsträger und zivilgesellschaftliche Akteur*innen in ihre Arbeit integrieren können:

1. Medienbildung als Kern der Prävention verankern: Medienbildung sollte kein Zusatzangebot bleiben, sondern fester Bestandteil regulärer Bildungsarbeit werden. Themen wie Algorithmen, Echokammern, Hassrede oder Fake News sollten im Unterricht ebenso selbstverständlich behandelt werden wie politische oder soziale Themen. Dabei geht es nicht um die reine Wissensvermittlung, sondern um die Förderung von Reflexionsfähigkeit und Urteilsvermögen.

2. Alltagsnahe Lernsettings schaffen: Junge Menschen lernen am besten, wenn sie ihre eigenen Erfahrungen einbringen können. Ob im Unterricht, in Workshops oder in der Jugendarbeit – Lernformate sollten an reale digitale Situationen anknüpfen: den Nachrichtenfeed, den Kommentarbereich oder Gruppenchats. Methoden wie Rollenspiele, Medienanalysen oder digitale Lernspiele – Serious Games Edu(cational) Games – können dabei helfen, kritisches Denken erfahrbar zu machen. Hierbei können Sandbox-Games wie Minecraft oder Roblox als Grundlage dienen, also offene Spielwelten, in denen Nutzer*innen nach dem Sandkastenprinzip die Welt um sie herum selbst kreativ gestalten sowie eigene Inhalte entwickeln können. Ergänzend dazu können auch komplett eigenständige Spiele konzipiert und umgesetzt werden.

3. Sprach- und kultursensible Ansätze fördern: Nicht alle Jugendlichen haben denselben sprachlichen oder kulturellen Hintergrund. Prävention sollte daher auch sprachliche Barrieren berücksichtigen und – wo nötig – mehrsprachig gestaltet sein. Besonders bei religiösen Themen kann es entscheidend sein, Begriffe präzise zu erklären und kulturelle Missverständnisse zu vermeiden. Sprachmittlung ist keine Option, sondern eine grundlegende Voraussetzung für Teilhabe.

4. Beziehungen als Grundlage begreifen: Prävention funktioniert nicht allein über Inhalte, sondern über Vertrauen. In den Interviews meiner Forschung zeigte sich, dass stabile Beziehungen zu Lehrkräften, Sozialarbeiter*innen oder Mentor*innen oft entscheidend dafür waren, ob Reflexionsprozesse gelingen konnten. Pädagogische Fachkräfte brauchen Zeit, Räume und institutionelle Unterstützung, um solche Beziehungen aufzubauen und langfristig zu pflegen.

5. Übergänge begleiten: Besonders verletzlich sind Phasen des Übergangs – etwa nach einer Haftentlassung oder beim Wechsel in eine neue Lebenssituation. Hier sind hybride Angebote sinnvoll, die analoge Beratung mit digitalen Kontaktmöglichkeiten verbinden. Einfache, niedrigschwellige Zugänge erleichtern den Anschluss an Unterstützungsnetzwerke und verhindern Isolation.

6. Kooperation und Strukturaufbau stärken: Prävention kann besonders wirksam sein, wenn sie institutionenübergreifend gedacht wird. Schulen, Jugendhilfe, Sozialarbeit, Polizei, Beratungsstellen und zivilgesellschaftliche Träger können sich gegenseitig ergänzen und unterstützen, wenn sie eng zusammenarbeiten. Solche Netzwerke ermöglichen frühzeitige Interventionen und sichern Kontinuität. Langfristige Förderung und klare Zuständigkeiten sind dafür unabdingbar.

7. Digitale Räume aktiv mitgestalten: Präventionsarbeit darf sich nicht nur auf Bildungsangebote beschränken. Sie sollte auch dort sichtbar sein, wo Radikalisierung stattfindet – im digitalen Raum. Geschulte Fachkräfte können in sozialen Netzwerken im Rahmen von digitaler Streetwork präsent sein, Orientierung bieten und bei Bedarf auf Hilfsangebote verweisen. Hierbei ist auch die Zusammenarbeit mit Plattformbetreiber*innen von sozialen Netzwerken wie TikTok, X und Instagram, aber auch Forenstrukturen wie Reddit, 4chan, Discord und Steam, Streamingplattformen wie Youtube und Twitch sowie Messengerdienste wie Telegram und WhatsApp entscheidend, um beispielsweise Mechanismen zur Erkennung manipulativer Inhalte zu verbessern und präventive Hinweise auf Basis von algorithmisch erfassten Nutzungsdaten gezielt und individuell abgestimmt einzubetten. So nutzt Moonshot CVE als Organisation für digitale Extremismusprävention eine sogenannte Redirect-Methode: Wenn Algorithmen erkennen, dass Nutzer*innen verstärkt radikalisierungsgefährdende Inhalte suchen oder konsumieren, können ihnen über Online-Werbebanner gezielt Distanzierungs- und Ausstiegsprogramme bzw. alternative Angebote eingeblendet werden (The Redirect Method (TRM), 2022).

Diese Ansätze zeigen: Medienkritikförderung ist weit mehr als Medienkunde. Sie verbindet Bildung, Beziehung und Teilhabe. Eine wirksame Präventionspraxis entsteht dort, wo junge Menschen sich gesehen fühlen, wo ihre Fragen ernst genommen werden – und wo sie lernen, selbstbewusst, kritisch und empathisch durch den digitalen Alltag zu navigieren.

Medienpädagogische Praxis sollte dabei stets zweierlei im Blick behalten: die individuelle Stärkung junger Menschen und die strukturellen Voraussetzungen, die diese Stärkung ermöglichen. Nur wenn beides zusammengedacht wird, kann Prävention nachhaltig wirken – und dazu beitragen, dass junge Menschen im digitalen Raum kritisch, empathisch und selbstbestimmt agieren. Medienkritik ist damit kein Add-on pädagogischer Arbeit, sondern Teil des Fundaments. Sie bildet die Basis, auf der demokratische Bildung, Teilhabe und Resilienz wachsen können – online wie offline.

Fußnoten

[1] Die Begriffe Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention wurden ursprünglich von Gerald Caplan (1964) in der psychologischen Praxis vorrangig im Kontext von Suchterkrankungen angewandt und erst später auf die Radikalisierungsprävention übertragen. In diesem Zusammenhang sind die Begriffe auch in den §§ 20–24 des SGB V hinterlegt. Robert S. Gordon (1983) wies darauf hin, dass der herkömmliche Dreiklang von primärer, sekundärer und tertiärer Prävention den Begriff zu stark ausweite. Er plädierte für eine differenziertere Perspektive und unterschied fortan zwischen universeller, selektiver und indizierter Prävention.

Literaturverzeichnis

Avanzato-Driesner, S. (2025). Medienkritikfähigkeit und Radikalisierungsgefährdung bei jungen Menschen – Eine empirische Untersuchung zur präventiven Relevanz medienpädagogischer Kompetenzen. Unveröffentlichte Dissertation, Universität zu Köln (eingereicht Juni 2025).

Baacke, D. (1997). Medienpädagogik (Grundlagen der Medienkommunikation, Bd. 1). Niemeyer.

Baacke, Dieter (2001): Medienkompetenz als pädagogisches Konzept. In: Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) (Hrsg.): Medienkompetenz in Theorie und Praxis. Broschüre im Rahmen des Projekts „Mediageneration – kompetent in die Medienzukunft (gefördert durch das BMFSFJ), S. 6-8. Abrufbar unter: https://dieter-baacke-preis.de/ueber-den-preis/was-ist-medienkompetenz/ [Stand: 10.10.2025].

Beelmann, A., Jahnke, S., &Neudecker, C. (2017). Prävention von Radikalisierungsprozessen: Grundlagen entwicklungsorientierter Maßnahmen. Neue Kriminalpolitik, 29 (4), 440–449.

Ganguin, S. (2003). Medienkritik – Kernkompetenz unserer Mediengesellschaft.  Ludwigsburger Beiträge zur Medienpädagogik, 6, 1–7.

Ganguin, S., & Sander, U. (2023). Dimensionen von Medienkompetenz.  Informationen zur politischen Bildung, 355 (2), 10–15.

Groeben, N. (2004). Medienkompetenz als Schlüsselqualifikation. In B. Schorb, L. Mikos, & P. Winterhoff-Spurk (Hrsg.), Medienkompetenz: Voraussetzungen, Dimensionen, Funktionen (S. 15–36). Juventa.

Köhler, D., & Horgan, J. (2016). Understanding Deradicalization. Methods, Tools and Programs for Countering Violent Extremism. Routledge.

mpfs – Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2024). JIM-Studie 2024. Jugend, Information, (Multi-)Media. mpfs.

Rabasa, A., Pettyjohn, S. L., Ghez, J. J., & Boucek, C. (2010). Deradicalizing Islamist Extremists. RAND Corporation.

Schröder, K. (2010). Mündigkeit im Informationszeitalter. In H. Burda, M. Döpfner, B. Hombach, & J. Rüttgers (Hrsg.), 2020 – Gedanken zur Zukunft des Internets (S. 123–127). Klartext.

The Redirect Method (TRM). (2022). European Commission – Migration and Home Affairs. Abgerufen am 6. Dezember 2025, von https://home-affairs.ec.europa.eu/networks/radicalisation-awareness-network-ran/collection-inspiring-practices/ran-practices/redirect-method-trm_en

© Bildnachweis: KI-generiertes Bild mit Midjourney

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