Die Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen und wir laden Sie ein, am 24. und 25. Juni 2026 an der Fachtagung über die Kontinuitäten und Veränderungen in Wissenschaft, Prävention und Politik zu Islamismus, antimuslimischem Rassismus und Radikalisierungsprozessen teilzunehmen. Die Veranstaltung findet im Rahmen des KN:IX connect | Verbund Islamismusprävention und Demokratieförderung in Münster statt. Anmeldungen sind ab sofort möglich.
Mit der Studie „Verlockender Fundamentalismus. Türkische Jugendliche in Deutschland“ (1997) wurde eine Forschungsperspektive eröffnet, die islamistische Orientierungen im Spannungsfeld von Religionsverständnissen, sozialen Erfahrungen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen analysiert. Fast drei Jahrzehnte später zeigt sich das Phänomen differenzierter, digitaler und politisch aufgeladener – und stellt Wissenschaft wie Präventionspraxis vor neue Herausforderungen.
Diese Fachtagung nimmt den dreißigsten Jahrestag der Studie zum Anlass, um über Kontinuitäten und Verschiebungen in Wissenschaft, Prävention und politischem Handeln zu den Themen Islam, Islamismus und antimuslimischer Rassismus zu reflektieren. Beleuchtet werden die Vielschichtigkeit des Phänomens Islamismus und die Konsequenzen sowohl für die übergreifenden Präventionsstrukturen als auch für die Präventionspraxis in unterschiedlichen Handlungsfeldern. Dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf Nordrhein-Westfalen und Berlin; beide Bundesländer können auf langjährige Erfahrungen in der Präventionsarbeit zugreifen, verfolgen dabei aber im Einzelnen durchaus unterschiedliche Wege.
Folgende Fragen werden u.a. diskutiert:
- Welche Faktoren begünstigen islamistische Radikalisierungsprozesse?
- Welche sozialräumlichen Kontexte sind besonders vulnerabel, welche besonders resilient gegenüber dem Entstehen von islamistischen Szenen?
- In welchen Verhältnis stehen islamistische Agitationen zu polarisierenden gesellschaftlichen Ereignissen und Debatten?
- Handelt es sich beim Islamismus um ein Jugendphänomen – oder ist es ähnlich wie der Rechtsextremismus in unterschiedlichen Lebensphasen attraktiv?
- Wie wirken familiale Sozialisation, Marginalisierungs- und Diskriminierungserfahrungen, digitale Öffentlichkeiten oder globale Konfliktdynamiken zusammen?
- Und welche Schlussfolgerungen ergeben sich daraus für schulische und außerschulische Bildungsarbeit, für kommunale Präventionsstrukturen und für die Zusammenarbeit mit muslimischen Akteur*innen?
Die Veranstaltung verbindet aktuelle Forschungsbefunde mit Erfahrungen aus der Praxis. Sie bietet Raum, in Werkstattgesprächen und Fallarbeitsgruppen Kontinuitäten und Paradigmenwechsel zu diskutieren, Good Practices kritisch zu reflektieren und Handlungsansätze für die pädagogische und präventive Arbeit weiterzuentwickeln.
Die Fachtagung findet vom 24.–25. Juni 2026 in der Volkshochschule Münster statt.
Sie richtet sich an Fachkräfte aus der schulischen und außerschulischen Bildungs- und Jugendarbeit sowie an Mitarbeitende in der Verwaltung.
Eine Kooperation der Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen und ufuq.de im Rahmen des KN:IX connect | Verbund Islamismusprävention und Demokratieförderung. Der Beitrag von ufuq.de wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gefördert.
Zu dieser Fachtagung laden wir Sie herzlich ein.
Anmeldung
Weitere Informationen auch zur Anmeldung finden Sie hier: https://fachtagung-fundamentalismus.de/anmeldung/
Anmeldefrist ist der 10. Juni 2026.
Programm
24. Juni 2026
ab 08:30 | Ankommen & Anmeldung
09:00 | Begrüßung
- Carmen Teixeira, Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen
- Dr. Götz Nordbruch, ufuq.de
09:05 | Gespräch
- Carmen Teixeira, Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen
- Dr. Jochen Müller, ufuq.de
09:35 | Keynote I Von Verlockendem Fundamentalismus zu hybridem Extremismus – Der Blick auf den Islamismus im Spiegel des Sicherheitsdiskurses
- Prof. Dr.in Schirin Amir-Moazami, Freie Universität Berlin
10:05 | Kaffeepause
10:30 | Keynote II Von Strafverfolgung zu zivilgesellschaftlichen Angeboten – und zurück? Strukturen der Islamismusprävention im Wandel
- Prof. Dr. Julian Junk, Forschungsgruppe Radikalisierung, Terrorismus und Extremismusprävention am PRIF sowie Hessische Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit
11:00 | Diskussion der Keynotes mit dem Publikum
12:00 | Mittagspause
13:00 | Werkstattgespräche – Phase I
In den Werkstattgesprächen wird der aktuelle Stand der Radikalisierungsforschung mit Erfahrungen aus der Praxis abgeglichen. Ziel ist es, Motive für die Hinwendung zu islamistischen Szenen aus der Perspektive von jungen Menschen zu beschreiben und funktionale Äquivalente zu benennen, die in der Bildungs-, Jugend- und Sozialarbeit denkbar sind.
Werkstattgespräch 1: Soziale Lage, Diskriminierung und Radikalisierung
Welche Rolle spielen Erfahrungen von Marginalisierung bzw. Diskriminierung?
- Ulrike Hoole, BAG RelEx e. V.
Werkstattgespräch 2: Geschlecht und Radikalisierung
Welche Rolle spielen Geschlechterrollen in Radikalisierungsprozessen? Inwiefern unterscheiden sich diese Rollenvorstellungen vom gesellschaftlichen Mainstream?
- Dr. Anja Joest, IFAK e. V.
Werkstattgespräch 3: Religion und Radikalisierung
Welche Rolle spielt Religion in Radikalisierungsprozessen? Was heißt das für die präventive Arbeit?
- Michaela Glaser, Berghof Foundation
Werkstattgespräch 4: Psychische Gesundheit und Radikalisierungen
Welche Risiko- und Schutzfaktoren sind in Radikalisierungsprozessen von Bedeutung? Welche Rolle spielen psychische Belastungen?
- Dr. Vera Dittmar, IFAK e. V.
Werkstattgespräch 5: Digitale Räume und Radikalisierung
Wie beeinflussen digitale Medien und die Nutzung digitaler Räume die Hinwendung zu islamistischen Szenen? Welche Herausforderungen ergeben sich daraus?
- Dr. Josephine B. Schmitt, CAIS
14:15 | Pause
14:45 | Werkstattgespräche – Phase II
16:00 | Kaffeepause
16:15 | Paneldiskussion: „Was brauchen wir?“
Präventionsstrukturen zwischen Staat, Regelstrukturen und zivilgesellschaftlichen Präventionsakteuren
- Prof. Dr. Jens Ostwaldt, IU Internationale Hochschule
- Jamuna Oehlmann, Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus e. V. (BAG RelEx e. V.)
- Michaela Glaser, Berghof Foundation
- Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, Universität Münster
17:30 | Ende des ersten Tages
25. Juni 2026
09:00 | Begrüßung
- Carmen Teixeira, Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen
- Dr. Götz Nordbruch, ufuq.de
09:10 | Fallbeispiele: Was tun? – Runde 1
Es wird eine Situation vorgestellt, die Gruppe diskutiert folgende Fragen:
- Worin besteht die Herausforderung?
- Mit welchem Ziel reagiere ich?
- Welche Intervention ist sinnvoll?
Fall 1: Gewaltdarstellung im Klassenchat
- Kaiya Reisch, BAG RelEx e. V.
Fall 2: Shitstorm gegen die eigene Einrichtung
- Wegweiser Bochum – IFAK e. V.
Fall 3: „Solidarität mit Gaza“ – Umgang mit Solidarität, Wut und Empörung
- Dr. Jochen Müller, ufuq.de
Fall 4: Toxische Männlichkeit
- Canan Korucu, ufuq.de
Fall 5: “Wir wollen hier beten!”
- Wegweiser Münster – Chance e. V.
10:40 | Pause
11:10 | Fallbeispiele: Was tun? – Runde 2
- Burcu Pan, Systemische Beratung Kreis Steinfurt
Fall 7: Flucht und Trauma
- Wegweiser NRW (angefragt)
Fall 8: Naschids im Klassenzimmer
- Wegweiser NRW (angefragt)
Fall 9: Angstpädagogik
- Wegweiser in den Kreisen Borken und Coesfeld
Fall 10: „Mit welchen muslimischen Gemeinden kann man denn zusammenarbeiten?“
- Prof. Dr. Jens Ostwaldt, IU Internationale Hochschule
12:40 | Präsentation der Poster
13:15 | Abschluss
© Bildnachweis: mit Midjourney generiertes KI-Bild
