Newsletter 1-2017

 
Wir wünschen Ihnen ein frohes und hoffentlich besseres neues Jahr! Das vergangene Jahr endete mit dem, was viele lange befürchtet hatten: einem Anschlag mit vielen Opfern mitten in Deutschland. In den Tagen danach wurde deutlich, dass das Ziel der Terroristen, die Gesellschaft zu polarisieren und zu spalten, so nicht aufgehen würde. Trotz der Wut über den Anschlag und die Trauer über die Opfer sind die öffentlichen Reaktionen bisher relativ besonnen. Das ist erfreulich und lässt hoffen. Zugleich berichten viele Muslim_innen und Menschen mit Migrationsgeschichten von zunehmenden Vorbehalten und Anfeindungen, die ihnen im Alltag begegnen. Bereits vor dem Anschlag hat die Gewalt gegen Geflüchtete, aber auch Angriffe auf Muslim_innen und islamische Einrichtungen deutlich zugenommen. Es ist zu befürchten, dass diese Gewalt nach dem Anschlag weiter zunimmt.

Umso wichtiger sind Stimmen wie die von Younes Al-Amayra, Idil Baydar oder Ususmango, die sich mit Fragen von Diskriminierung, Vorurteilen und Gewalt auseinandersetzen. Ernst, aber ganz bewußt auch mit Humor.
 
 
In unserem neuen Video-Modul „Mit Witzen die Welt verändern? Comedy über Vorurteile, Diskriminierung und den ‚IS’“ stellen wir die Comedians vor und geben Anregungen, wie sich Satire in der Arbeit mit Jugendlichen für die politische Bildung und Prävention nutzen lassen. Sieben Videos und dazu passende Übungen stehen auf unserer Webseite zum Download bereit.
 
Die Videos greifen Themen auf, zu denen Jugendliche online vor allem Inhalte von salafistischen Akteur_innen finden. Ziel ist es, dass die Jugendlichen sich mit den Themen auseinandersetzen und eigene Positionen entwickeln. Unsere Videos sind dabei keine „Counternarrative“ und erheben nicht den Anspruch, „die Welt zu erklären“ oder salafistische Weltbilder zu widerlegen. Vielmehr ermutigen sie Jugendliche, eigene Positionen zu entwickeln, andere Positionen hinterfragen und auch damit leben zu können, dass es auf manche Fragen keine einfachen Antworten gibt. Damit fördern sie die Urteils- und Handlungskompetenzen und helfen ihnen, eigene Handlungsoptionen zu entwickeln. Muslimische wie nichtmuslimische Jugendliche sollen auf diese Weise empowert werden, die Gesellschaft, in der sie leben, mitzugestalten.

Wie Jugendliche die aktuellen gesellschaftlichen Debatten sehen, damit haben wir uns in den vergangenen Wochen auch auf dem Portal für Pädagogik zwischen Islam, Islamfeindlichkeit und Islamismus beschäftigt. Hier löste der Beitrag des Islamwissenschaftlers Behnam Said eine kleine Debatte aus. Er hatte beschrieben, wie radikal islamistische Gruppen religiöse Gesänge (Naschid) für Propaganda einsetzen. Unsere Kollegin Nina Sedlak-Cinar beschreibt dagegen in einem Beitrag, was sie persönlich mit Naschids verbindet, und warum sie für viele Muslim_innen eine selbstverständliche Form sind, um Spiritualität mit Musik zu verbinden. Auch hier wird deutlich, wie wichtig es ist, die Deutungshoheit über Religion in der Öffentlichkeit zurückzugewinnen und Alternativen zu salafistischen Angeboten sichtbar zu machen.
 
Wir setzen dabei auf die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Trägern und Initiativen, die in den vergangenen Jahren entstanden sind. Deshalb engagieren wir uns auch in der gerade gegründeten Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus und wirken dort auch im Vorstand mit.

Wir freuen uns auf die gemeinsame Arbeit und Ihre Anregungen und Kritik!

Viel Spaß beim Lesen!
 
Ihr ufuq.de-Team
 

Weitere Themen:


Anregungen zum Umgang im Unterricht mit Fragen zum Anschlag in Berlin 

„Der Anschlag in Berlin stinkt zum Himmel.“ Solche und ähnliche Aussagen werden in sozialen Medien heiß diskutiert – und können nach den Weihnachtsferien auch im Unterricht zur Sprache kommen. Im Klassenzimmer wird es kaum möglich sein, die Arbeit der Ermittlungsbehörden im Detail zu diskutieren. Dennoch können solche Einwände, wenn sie denn von Schülerinnen und Schülern geäußert werden, für weitergehende Gespräche über Hintergründe und Folgen islamistischer Gewalt genutzt werden.


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Über Racial Profiling und die Folgen

 

Wieder sorgen die Ereignisse der Silvesternacht in Köln für heftige Diskussionen. Dieses Jahr sind es allerdings nicht sexuelle Übergriffe, die für Aufregung sorgen. Dafür steht nun das Vorgehen der Polizei in der Kritik: Hatte sie doch sehr gezielt junge Männer mit vermeintlich nordafrikanischem Äußeren im Visier. In einem Tweet der Polizei wurden diese als „Nafris“ bezeichnet. Ein Interview mit der Kriminologin Dr. Daniela Hunold.


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Meine Geschichte – unsere Geschichte: Jugendliche diskutieren, welche historischen Ereignisse ihnen wichtig sind


Der 9. November gilt als Schicksalstag der deutschen Geschichte: Die Ausrufung der ersten deutschen Republik 1918, die Reichsprogromnacht 1938 und der Fall der Mauer 1989. Aus der Sicht von Schüler_innen ist das alles ziemlich lange her. Sie waren noch nicht geboren und in vielen Fällen lebten ihre Eltern und Großeltern damals noch nicht einmal in Deutschland. Was bedeutet den Jugendlichen das Datum? Welche anderen Tage sind ihnen wichtig? Julia Gerlach und Aylin Yavaş haben mit Zehntklässler_innen einer Schule in Berlin-Kreuzberg darüber diskutiert. Ein Gesprächsprotokoll.

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Studie zu Willkommensklassen: Neues Konzept ohne Zukunft?


Die Einrichtung von Willkommensklassen für geflüchtete Kinder stellt viele Schulen und Lehrkräfte vor neue Herausforderungen. Für manche gelten diese Klassen als der beste Weg, um Kindern und Jugendlichen ein Ankommen in Deutschland zu erleichtern. Andere befürchten, die getrennten Klassen würden einen späteren Übergang in den Regelunterricht eher erschweren. Das Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) hat hierzu eine umfassende Studie vorgelegt. Im Interview beschreibt Birgit zur Nieden die Ergebnisse.

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JAMIL – Mit Streetwork gegen salafistische Ansprachen


Bremen gilt als Hochburg der salafistischen Szene. Auf etwa 360 Personen wird die Zahl ihrer Anhänger_innen geschätzt. Mindestens 26 Jugendliche und junge Erwachsene sind von hier nach Syrien und in den Irak ausgereist, viele von ihnen sind inzwischen dort gestorben. JAMIL ist ein Projekt, das diesem Trend entgegenwirken will: Mit Workshops für Jugendliche, engagierte Streetworker_innen und ein Jugendcafé. Das Projekt heißt JAMIL – „schön“ auf Arabisch.

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Mitmachen, mitmischen, sich engagieren: Junge Muslim_innen sind aktiver als oft gedacht – und das ist gut so


Wofür engagieren sich junge Muslim_innen? Was unterscheidet ihr Engagement für soziale und politische Themen von dem Engagement anderer Jugendlicher? Diesen Fragen ist der Sozialwissenschaftler Mario Peucker nachgegangen und dabei zu überraschenden Ergebnissen gekommen. Erstens sind Muslim_innen aktiver als oft gedacht, auch unterscheiden sich Motivation und Art des Engagements nur wenig von dem Gleichaltriger. Zwar engagierten sich viele Muslim_innen innerhalb der muslimischen Gemeinden, allerdings sei dies oft nur der erste Schritt. Viele der Befragten sind darüber zur Mitarbeit in Parteien, Vereinen oder in der Nachbarschaft gekommen. Im ufuq.de-Interview erklärt Peucker, weshalb Engagement gerade für junge Muslim_innen wichtig ist.

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Das Webportal für Pädagogik zwischen Islam, Islamfeindlichkeit und Islamismus wendet sich an Lehrer_innen und Pädagog_innen. Es möchte informieren, anregen und konkrete Hilfestellungen für den Umgang mit kultureller und religiöser Vielfalt geben.

Neben diesem Online-Angebot ist ufuq.de auch offline aktiv: Wir bieten
Workshops für Jugendliche und Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte
an, außerdem entwickeln Materialien für den Unterricht und beraten bei der
Umsetzung von Projekten und Präventionsansätzen vor Ort.

Kontakt:
ufuq.de, Boppstr. 7, Haus A, 10967 Berlin
Tel.: 030-98 34 10 51 info@ufuq.de
 



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