„Wovon träumst du eigentlich nachts?“ – ein neuer Podcast von ufuq.de

Jenny Omar und Maryam Kirchmann: Wovon träumst du eigentlich nachts? Bild: ufuq.deufuq.de startet seine erste Podcast-Reihe und fragt: „Wovon träumst du eigentlich nachts?“ Der Podcast richtet sich sowohl an Jugendliche als auch an interessierte Fachkräfte. Die Frage, wovon geträumt wird, beantworten monatlich in jeder Folge verschiedene junge Gäst*innen aus der Zivilgesellschaft. Verständlich und ohne Fachjargon erzählen junge Menschen, was sie derzeit gesellschaftspolitisch beschäftigt, wie sie sich gegen Missstände engagieren und wie sie eigentlich leben wollen. Entstanden ist der Podcast im Rahmen der Fachstelle für Pädagogik zwischen Islam, antimuslimischem Rassismus und Islamismus in Berlin.

Folge 1: Black Lives Matter mit Jamila Hassan

Nach George Floyds Tod Ende Mai 2020 fragt man sich erneut: Was ist eigentlich Rassismus? Ist die Bekämpfung von Rassismus etwas, worum sich Betroffene kümmern müssen? Wie können Schüler*innen gegen Ungerechtigkeiten aktiv werden? In der ersten Folge sprechen ufuq.de-Mitarbeiterinnen Maryam Kirchmann und Jenny Omar mit Lehramtsstudentin und Aktivistin Jamila Hassan (Name geändert, Anm. d. Red.) über ihre aktivistische Arbeit und Erfahrungen aus ihrem Beruf und Schulalltag. Und sie erklärt, wieso die Jugendlichen, auch ohne dass sie etwas tun müssen, einfach „cool“ sind.

Die Folgen erscheinen einmal im Monat und sind über den Audioplayer oder über Spotify streambar.

Link zum Spotify-Kanal „Wovon träumst du eigentlich nachts?“

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Porträt Jenny Omar. Bild: Privat.

Jenny Omar ist Sozialpädagogin und Bildungsreferentin für Praxisformate in der Fachstelle für Pädagogik zwischen Islam, antimuslimischem Rassismus und Islamismus in Berlin.

Seit 2011 arbeitet Jenny in der politischen Bildungsarbeit und war bereits als Teamerin und Projektleiterin für das Projekt „Wie wollen wir leben?“ tätig.

 

Porträt Maryam Kirchmann. Bild: Privat.

Maryam Kirchmann ist Koordinatorin des Arbeitsbereiches “bildmachen – Politische Bildung und Medienpädagogik zur Prävention religiös-extremistischer Ansprachen in Sozialen Medien” der Fachstelle für Pädagogik zwischen Islam, antimuslimischem Rassismus und Islamismus in Berlin.

Transkription zur Folge

Jenny Omar (ufuq.de): Sag mal, Maryam, wovon träumst du eigentlich nachts?

Maryam Kirchmann (ufuq.de): Boah, ich hatte letzte Nacht so einen krassen Traum. Weißt du noch, vor ein paar Wochen, eigentlich vor ein paar Monaten mittlerweile, der Tod von George Floyd in Amerika mit dem Polizisten? Davon habe ich geträumt. Und danach sind ja voll die krassen Proteste losgegangen, auch gewaltvolle Proteste tatsächlich. Es gab aber auch irgendwie solidarische Momente. Aber insgesamt war so diese ganze Zeit echt durchwachsen und das hat mich letzte Nacht voll eingeholt.

Jenny Omar: Ja, das war auch echt eine krasse Zeit. Also ich konnte mir irgendwann auch nichts mehr durchlesen über die Proteste. Das war natürlich cool. Aber auch diese ganzen Politiker, die da Sachen zu gesagt haben. Mein Traum wäre es ja echt, wenn alle Menschen checken würden, besonders auch diejenigen, (Musik) die gar nicht von Rassismus betroffen sind, wie scheiße Rassismus eigentlich ist.

(Jingle-Musik: Wovon träumst du eigentlich nachts? Ein Podcast von ufuq.de)

Maryam Kirchmann: Wir haben ja heute eine ganz tolle Gästin eingeladen, Jamila Hassan. Jamila ist 25 Jahre alt und sie studiert auf Lehramt. Sie ist in und um Berlin in verschiedenen Gruppen aktiv und engagiert sich für muslimische Frauen oder mit muslimischen Frauen zusammen, wenn ich richtig verstanden habe. Kannst du uns da vielleicht nochmal ein bisschen mehr zu erzählen?

Jamila Hassan: Ja, klar. Ich identifiziere mich selbst als Schwarz und als muslimisch. Und deswegen bin ich auch in muslimischen Kreisen unterwegs. Es gibt in Potsdam zum Beispiel eine Gruppe von muslimischen Frauen, die sich zusammengefunden haben und sich gemeinsam fürs Stadtbild engagieren. Und ansonsten bin ich auch in Berlin aktiv.

Jenny Omar: Du machst ganz viel zu Rassismus, arbeitest gegen Rassismus, erzählst den Leuten, was eigentlich Rassismus ist. Deswegen haben wird dich ja auch unter anderem eingeladen. Vielleicht kannst du uns ja nochmal erklären, worum es da eigentlich genau ging, bei diesen Protesten mit dem Namen „Black Lives Matter“. Was wollen die? Was bedeutete das eigentlich?

Jamila Hassan: Also das ist auf jeden Fall eine gute Frage, wenige wissen eigentlich, was dahintersteckt. Black Lives Matter fing so vor sieben Jahren in Amerika an. Drei Schwarze Frauen haben sich zusammengesetzt und gesagt: Okay, wir bilden ein Kollektiv. Wir bilden eine soziale Bewegung, mit der wir Aufmerksamkeit auf die Ungerechtigkeit von schwarzen jungen Erwachsenen und Kindern werfen möchten, um den Mitmenschen zu zeigen, wieviel Rassismus eigentlich in dem Land passiert. Und das wurde dann in Deutschland auch vor ein paar Jahren mitaufgegriffen. Und es haben sich verschiedene Movements gebildet, zum Beispiel in Berlin „Black Lives Matter Berlin“. Und genau, die hatten eben auch den Anspruch daran, eine Bewegung zu sein, die offen ist für verschiedene Ungerechtigkeiten, vor allem von Leuten, die von Rassismus betroffen sind und eben da sozusagen Aufmerksamkeit zu richten und dahin aktiv zu sein.

Maryam Kirchmann: Vielleicht kannst du unseren Zuhörer*innen kurz erklären, was Rassismus eigentlich für dich bedeutet.

Jamila Hassan: Rassismus ist ein Konstrukt und ein Begriff in der Sozialwissenschaft, der ausdrückt, dass es verschiedene Benachteiligungen gibt von Menschen, die nicht zur Norm gehören, also die nicht als normal gelten. Weiße Leute, also zum Beispiel Deutsche, die halt deutsche Eltern haben und Deutsch als Muttersprache haben, einen deutschen Pass haben etc., werden zum Beispiel als Norm gesehen. Aber ein Araber oder ein Deutsch-Araber oder ein deutscher Moslemwird einfach nicht zur Norm zählen und aufgrund dessen, also aufgrund von (vermeintlicher) Herkunft, Religion oder Aussehen benachteiligt.

Maryam Kirchmann: Du hast ja jetzt gerade die Begriffe Schwarz und Weiß benutzt. Vielleicht kannst du nochmal ganz kurz erklären: Für was steht das eigentlich? Weil, ich glaube, wenn man sich nicht mit der Thematik auskennt, dann könnte man denken, diese Unterscheidung wäre an sich rasssistisch.

Jamila Hassan: Also ich sage immer, dass Menschen sich selbst als Schwarz identifizieren müssen. Ich kann nicht durch die Gegend laufen und zu fremden Leuten sagen: Ah ja, das ist eine Schwarze Person, das ist eine Weiße Person. Der Begriff „Schwarz“ richtet sich an Leute, die sich damit identifizieren möchten. Also die selber sagen: Okay, ich sehe mich nicht als weiße Norm. Ich werde nicht von Leuten als Weiß gelesen. Oder Leute denken nicht, dass ich jetzt irgendwie eine Bio-Deutsche bin oder so. Ich bin Sudanesin und ich identifiziere mich als Schwarz. Das ist eigentlich genau der gleiche Prozess, wie sich Leute zum Beispiel als Frau identifizieren und sagen: Okay, ich bin eine Frau. Aber andere Menschen sagen halt, sie sind keine Frau. Und so ist es auch mit dem Begriff „Schwarz“. Also es ist eigentlich eine eigene Entscheidung. In der Wissenschaft steht „Weiß“ für diese Box an Leuten, die aufgrund von ihrem Aussehen kein Problem haben.

Maryam Kirchmann: Das klingt ein bisschen so, als wäre es für viele Leute, die in der Norm drinstecken, so ein bisschen unangenehm, sich selbst als Weiß bezeichnen zu müssen. Es ist eine große Herausforderung, sich zu fragen: „Welche Privilegien habe ich eigentlich genossen und wie könnte ich sie teilen?“

Jamila Hassan: Ja, voll. Gleichzeitig ist es halt super interessant, weil sowieso das ganz Thema Rassismus darauf anspielt, dass es einfach verschiedene Privilegien gibt. Und da kommt man um Selbstreflexion einfach nicht drumherum. Also im Endeffekt wird es einfach immer passieren, dass Leute sich in irgendeiner Form angegriffen fühlen. Da kommt es einfach darauf an: Okay, wollen die Personen sich selbst reflektieren? Wollen die Personen selber eine Veränderung? Oder wollen sie einfach so weitermachen wie vorher?

Jenny Omar: Aber denkst du denn, dass sich tatsächlich auch alle mit dem Thema Rassismus beschäftigen sollten?

Jamila Hassan: Aus einer politischen Perspektive würde ich natürlich immer sagen, wir sollten uns alle mit Rassismus beschäftigen. Gleichzeitig weiß ich aber, dass es viele Menschen gibt, die es einfach nicht können, weil sie zum Beispiel psychische Probleme haben oder einfach super viel Anderes zu tun haben. Auch betroffene Personen haben halt ganz oft einfach nicht den Kopf dafür. Da würde ich natürlich nicht sagen: Ja, doch, du musst dich damit beschäftigen. Trotzdem wäre es wünschenswert, wenn sich alle, die es können, damit beschäftigen, weil wir nur so einer Veränderung näherkommen.

Jenny Omar: Du bist ja auch selber sehr engagiert. Was würdest du sagen, was sind die Ziele, was wollt ihr erreichen? Und wie macht ihr das? Was genau passiert bei den Initiativen, bei denen du aktiv bist?

Jamila Hassan: Ja, also im Endeffekt gibt es super viele Initiativen, weil es auch einfach super viele Betroffenengruppen sind. Es ist ja nicht nur so, dass Rassismus sich gegen Schwarze Personen richtet, sondern er richtet sich auch gegen Muslim*innen, gegen Roma, gegen Sinti. Rassismus ist oft gepaart mit anderen Diskriminierungsformen. Wenn ich zum Beispiel auf der Straße bespuckt werde, dann muss es gar nicht sein, dass es nur deswegen ist, weil ich ein Kopftuch trage. Sondern es kann auch daran liegen, dass ich Schwarz bin, oder daran, dass ich eine Frau bin. Oder es kann auch daran liegen, dass ich einfach auf der falschen Straßenseite langgelaufen bin. Und dementsprechend gibt es einfach verschiedene Organisationen. Wenn Leute da individuelles Interesse haben, politisch aktiv zu sein, dann ist es in sehr verschiedenen Optionen möglich.

Maryam Kirchmann: Viele von unseren Zuhörer*innen sind wahrscheinlich noch in der Schule. Oft merken Leute ja erst mit Anfang, Mitte 20, dass sie in der Schule heftige Rassismus-Erfahrungen gemacht haben. Aber damals hatten sie noch gar nicht die Sprache dafür, das in irgendeiner Form einzuordnen. Wie kann man sich als Schüler*in selber für Rassismus sensibilisieren, ohne sich sofort immer gleich angegriffen zu fühlen? Wo kann ich hingehen, wenn ich ein Problem habe? Und wo kann ich mich engagieren, wenn ich merke: Das ist auf jeden Fall ein strukturelles Problem. Ich möchte was dagegen tun?

Jamila Hassan: Ich glaube, ich fange mit dem Ende an. Ja, Rassismus ist ein strukturelles Problem und hat verschiedene Formen, von Alltagsrassismus bis zu institutionellem Rassismus. Ich glaube, was super cool ist zum Einstieg, sind die Datteltäter, ein YouTube-Channel, der sehr unterhaltsam ist. Dann gibt es ja auch noch die Kanackische Welle, die halt auch super coole Podcast-Folgen haben. Für andere ist es vielleicht cooler, mit Leuten direkt zu reden. Und dann kommen verschiedene Vereine in Frage. Ich glaube, in Berlin ist es tatsächlich so, dass es immer super viele Angebote gibt. Man kann auch als Jugendlicher einfach zu den Sozialarbeitern von der Schule gehen und sagen: „Ey, wir wollen einen Rassismus-Workshop. Wir wollen wissen, was das ist. Bitte organisiert das.“ Zwei Freunde von mir haben schlimme Rassismus-Erfahrungen gemacht. Die eine trägt ein Kopftuch und ist Muslima. Und ihre Freundin ist Deutsch. Und beide haben gesagt: „Das geht nicht so. Wir müssen was ändern.“ Und dann haben die sich mit der Sozialarbeiterin in ihrer Schule auseinandergesetzt und machen jetzt zwei TProjekttage, wo sie Workshops für jüngere Schüler*innen organisieren. Das kann eigentlich jede Person machen.

Maryam Kirchmann: Ja, ist ja wirklich empowernd, wenn man selber dazu kommt, sich zu engagieren.

Jamila Hassan: Die Auseinandersetzung mit Rassismus fing zum Beispiel bei mir auch erst mit Anfang 20 an. Wenn Menschen von Rassismus selber betroffen sind, dann ist es auch Aktivismus, überhaupt den Alltag zu überleben. Also das auszuhalten, ständig angeguckt und beleidigt zu werden, blöde Blicke zu bekommen oder Fragen wie: „Wo kommst du her?“ oder „Du sprichst ja gut Deutsch“, oder so. Wenn man dann merkt, ich habe immer noch voll viel Energie und ich habe richtig Bock, noch was zu machen, dann kann man sich natürlich immer noch engagieren. Aber es ist zum Beispiel auch super oft so, dass ich Workshops an Schulen gebe und dann sagen die Jugendlichen: „Wie kann ich mich engagieren?“ Und dann sage ich: „Leute, ihr habt mir vor fünf Minuten erzählt, dass ihr mit eurer Lehrerin regelmäßig über Rassismus diskutiert. Das ist Aktivismus.“ Eigentlich machen Leute schon so viel und es ist super wichtig, das anzuerkennen. Wenn man überhaupt in diesem System zur Schule geht und einen Abschluss macht, dann denke ich mir so: Wow.. Du hast es durch dieses System durchgeschafft, mit den Lehrern, die so eklig sind, vor allen Dingen gegenüber vermeintlichen Ausländern oder Moslems, aber auch Schwarzen Leuten oder Leuten, die asiatisch verwurzelt sind.

Jenny Omar: Du hast jetzt ja gerade schon voll viel so über Rassismus an Schulen gesprochen. Es gibt ja aber auch noch ganz viel Rassismus, der woanders passiert. Vielleicht kannst du da nochmal so ein bisschen erzählen, was eigentlich passiert und wogegen sich eben auch so Initiativen wie Black Lives Matter richten oder was sie versuchen zu ändern oder worauf sie aufmerksam machen wollen.

Jamila Hassan: Sehr viele Menschen bekommen hier nicht die gleichen Rechte wie Leute mit einem deutschen Pass. Es gibt das Phänomen des Racial Profiling. Das heißt, dass Menschen auf der Straße von der Polizei angesprochen oder aufgegriffen werden, weil ihr Aussehen schon verdächtig erscheint, also Männer mit Bart, die irgendwie arabisch oder türkisch aussehen oder Schwarze Menschen. Das passiert immer noch und ist super problematisch. Und da gibt es viel Videomaterial, was benutzt wird, um die öffentliche Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Aber trotzdem ist es ja so, dass das Thema Rassismus in Deutschland jedes Jahr aufs Neue von den Medien aufgegriffen wird, nach dem Motto: „Oh Gott, George Floyd, okay, Deutschland hat ein Rassismus-Problem. Haben wir wirklich ein Rassismus-Problem?“ Also beim Racial Profiling geht es halt ganz krass darum. Also das ist auch super wichtig, wenn das Leuten passiert, dass die sich an verschiedene Institutionen wie Cop Watch oder andere Vereine wenden und das melden. Weil momentan ist es so ein bisschen so ein Trend, dass Menschen, die Rassismus-Erfahrungen machen, das an verschiedene Institutionen weiterleiten. Zum Beispiel hat auch Inssan vor Kurzem einen Link rausgebracht. Oder es gibt von Each One Teach One eine Stelle, die einen Link rausgebracht hat, wo man einfach einen Satz hinzufügt: Ich wurde in der und der Straße da und da angespuckt. Und das wird dann gemeldet. Und das ist super wichtig, weil dadurch strukturell mehr aufgezeigt werden kann, wie viele Fällen jährlich mindestens passieren. Es gibt jedes Jahr viele Todesfälle aufgrund von Rassismus, die in den Medien oft nicht widergespiegelt werden.

Maryam Kirchmann: Ja. So wie ich dich verstehe, ist Rassismus eine Summe aus ganz, ganz vielen kleinen Sachen, was es dann ja auch zu einem strukturellen Problem macht.

Jamila Hassan: Genau. Und mich nervt es, wenn Leute so tun, als wäre das jetzt wieder so ein Einzelfall. Also wirklich, was soll das?

Maryam Kirchmann: Ich habe vor Kurzem in Neukölln so ein Plakat gesehen, wo auf einer Deutschlandkarte die ganzen Orte gezeigt waren, an denen rassistische Gewalt passiert ist. Und dann stand immer „Einzelfall“ daneben, um zu verdeutlichen: Es ist einfach kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem“ So, ich habe jetzt noch eine letzte Frage an dich, um wieder zum Anfang von unserem Podcast zu zurückzukommen. Jamila, wovon träumst du eigentlich nachts beziehungsweise was würdest du dir wünschen, wenn es so um das Thema Rassismus geht? Was sollte sich nach deiner Meinung nach ändern?

Jamila Hassan: Ich wünsche mir, dass Menschen, die nicht von Rassismus betroffen sind, sich selbstständig reflektieren, hinterfragen und weiterbilden. Und dass sie Strukturen bilden, um ihre Privilegien zu teilen und zum Beispiel in ihrem eigenen sozialen Umkreis unter Freunden, im Arbeitskreis, in der Schule etc. andere zu unterstützen, die zum Beispiel gerade Projekte starten oder die rassistische Erfahrungen machen und denen vielleicht nicht so viel Gehör geschenkt wird. Einfach, dass Weiße Leute ihre Privilegien stärker einsetzen und damit helfen, Ressourcen umzuverteilen.

Jenny Omar: Schön, dass du da warst und dieses spannende Thema mit uns besprochen hast. Du möchtest noch eine Sache sagen? Okay.

Jamila Hassan: Ich träume davon, dass Leute, die von Rassismus betroffen sind, fühlen und sehen können, was sie eigentlich für krasse Menschen sind und wie unnormal cool und solidarisch sie als Gruppe sind. Egal, ob muslimisch oder Schwarz oder Queer oder was weiß ich so. Also alle Diskriminierungsformen, von denen Menschen betroffen sind. Wir müssen eigentlich alle verinnerlichen, wie geil wir einfach sind. Ja, was wir für coole Leute sind. Weil wir schon so viel leisten und weil wir so toll sind. Auch bei mir selber ist es so, dass ich das häufig einfach vergesse.


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