Workshops zu Islam, Islamfeindlichkeit und Islamismus an Schulen in Augsburg und Schwaben

Zum neuen Schuljahr bietet ufuq.de auch in Bayern Workshops in Schulen und Jugendeinrichtungen an. Die Workshops dienen der Demokratieförderung und der Prävention von Islamismus bzw. Salafismus und finden in Kooperation mit den bayerischen Staatsministerien für Soziales und Bildung statt. Dazu stehen junge Teamer_innen bereit, die wir in den vergangenen Monaten in Themen wie Islam und Demokratie, Salafismus, Geschlechterrollen oder Diskriminierungserfahrungen geschult haben. Auch in Nürnberg wird es in Kooperation mit der Stadt Nürnberg ab 2018 Workshopangebote geben.

aux 1Das neue Schuljahr beginnt

Unsere Fachstelle „Prävention religiös begründeter Radikalisierung in Bayern“ ist Teil des bayerischen Netzwerks für Prävention und Deradikalisierung gegen Salafismus und wurde 2015 gegründet. Seitdem führten die Mitarbeiter_innen eine Vielzahl von Fortbildungen und Seminaren für Pädagog_innen in Schulen und Jugendeinrichtungen, Mitarbeiter_innen von Kommunen und andere Multiplikator_innen durch. Ziel ist es, Hintergrundinformationen im Themenfeld sowie Hinweise für die pädagogische Praxis zu vermitteln.

Die Workshops für Jugendliche ergänzen jetzt dieses Angebot

Die Workshops für Jugendliche regen unter der Leitfrage „Wie wollen wir leben?“ dazu an, eigene Gedanken zu gesellschaftlichen, politischen und religiösen Fragen zu entwickeln. Die Workshops dienen dabei nicht der „Deradikalisierung“ einzelner, bereits erkennbar ideologisierter Jugendlicher. Ziel des primär-präventiven Ansatzes ist es vielmehr, Jugendlichen Signale von Anerkennung und Zugehörigkeit zu vermitteln sowie demokratische Werte, Partizipation und Selbstwirksamkeitserfahrungen zu stärken. Dabei zielt die Frage „Wie wollen wir leben?“ nicht zuletzt auf eine kritische Auseinandersetzung mit freiheitsfeindlichen Ideologien und Verhaltensweisen.

Im Mittelpunkt steht nicht die Wissensvermittlung – etwa in Fragen der Religion. Vielmehr geht es darum, Räume für den Dialog und die Auseinandersetzung unter den Jugendlichen zu schaffen und zu gestalten. Denn unsere Erfahrung aus mittlerweile bundesweit hunderten von Workshops mit tausenden Jugendlichen zeigt: Sich eigene Gedanken über die Frage zu machen, wie man eigentlich miteinander leben möchte – in der Klasse, in der Schule, im Stadtviertel,  in der Gesellschaft – stärkt Jugendliche und schützt sie vor einfachen Welt- und Feindbildern, wie sie ihnen zum Beispiel vom Salafismus angeboten werden.

Die Teamenden können anders mit Jugendlichen diskutieren

Die Workshops werden von jungen Teamer_innen geleitet, von denen einige selbst einen muslimischen Hintergrund haben. Dabei sind sie mehr oder weniger oder gar nicht religiös. Für viele Jugendliche in Schulen und Jugendeinrichtungen sind sie damit „niedrigschwelligere“ Ansprechpartner_innen als Lehrer_innen und Pädagog_innen. Das wird in den Workshops spürbar. Hier können sie mit Hilfe der von ufuq.de (in Kooperation mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg) produzierten Filme Gespräche und Diskussionen anstoßen, in denen es u.a. um Religion, Identität, Zugehörigkeit, Geschlechterrollen oder radikale Prediger im Internet geht. Außerdem haben einige Teamende selbst Diskriminierungserfahrungen gemacht und können mit Jugendlichen darüber sprechen, wie sie damit umgehen können, ohne sich macht- und hilflos zu fühlen.

Typisch bayerisch: Hier diskutiert es sich (ein bisschen) anders als in Berlin, Hamburg oder NRW

Die Wirksamkeit des Ansatzes spiegelt sich im Feedback, das wir von Jugendlichen („Hier konnte man endlich mal über alles reden!“) und von Lehrkräften erhalten („Das Klima in der Klasse hat sich total verändert.“). Lehrer_innen beschreiben die Gespräche vielfach als „befreiend“, da sie das Gefühl der Anerkennung unter den Jugendlichen stärken und die Offenheit für unterschiedliche Perspektiven (religiöse wie nichtreligiöse) und Lebensentwürfe und Orientierungen fördern.

Im Frühjahr und Sommer 2017 wurden die ersten Teamer_innen für Workshops an Schulen in Bayern (zunächst Augsburg und Schwaben) ausgebildet. Sie sind „homegrown“ Teamende, d.h. sie kennen sich mit den Themen vor Ort aus und können die Konzepte von ufuq.de an spezielle Bedürfnisse von Jugendlichen anpassen. So fällt im Vergleich zu Diskussionen in den Workshops etwa in Berlin auf, dass sich bayerische Jugendliche häufiger und selbstverständlicher auf das Christentum beziehen. Religion und Religiosität spielen in Bayern eine größere Rolle als in Berlin oder Hamburg.

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Wow-Effekt auch unter erfahrenen Teamer_innen: „Man kann den Jugendlichen Einiges zutrauen!“

Im Rahmen ihrer Schulungen erwarben die Teamenden unter anderem Kenntnisse über den Islam als Religion und über die Vielfalt muslimischer Lebenswelten, über die Ideologie des Islamismus und was einige Jugendliche daran attraktiv finden können. Aber auch über die Rolle von Rassismus und Islamfeindlichkeit im Alltag vieler muslimischer Jugendlicher. Außerdem lernten sie die pädagogischen Konzepte und Module kennen, die in den Workshops mit Jugendlichen umgesetzt werden. Aus den bisher zehn Teamer_innen ist inzwischen ein Team geworden: Sie tauschen sich regelmäßig über ihre Erfahrungen in den Workshops aus, diskutieren die pädagogischen Ansätze und aktuelle politische Themen, die auch Jugendliche beschäftigen und damit für die Workshops von Bedeutung sind.

Im Gespräch formulieren die Teamenden ihre Motive und ihre Erfahrungen aus den ersten Workshops, die vor den Sommerferien stattfanden: „Mir ist der Aspekt von Empowerment besonders wichtig“, sagte einer und fügt hinzu, dass er selbst erlebt habe, wie wichtig Erfahrungen von Selbstwirksamkeit für Jugendliche sind. Eine Teamerin weist auf den hohen Redebedarf hin, den es unter Jugendlichen gerade zu den sensiblen Themen gebe und dem man nicht aus dem Weg gehen dürfe, wenn man zu Lösungen kommen wolle. „Dazu will ich beitragen“, sagt sie und weiß auch aus eigener Erfahrung, dass man den Schülerinnen und Schülern dabei viel mehr zutrauen kann, als es in der pädagogischen Arbeit oft geschehe. Die Salafisten-Szene habe ihn schon immer genervt, meint ein anderer, der sich als „praktizierenden Muslim“ beschreibt – wobei er die mangelnde Bildung vieler Jugendlicher als eine der Hauptursachen für die Hinwendung zu salafistischen Angeboten betrachtet. Hier sieht er eine Möglichkeit der Prävention. Und noch etwas erleben die Teamenden als hilfreich für die Arbeit in den Workshops: „Die Vielfältigkeit unseres Teams spiegelt die Vielfalt im Klassenzimmer und in der Gesellschaft wider.“

Interesse? So kontaktieren Sie unser Workshop-Team

Ansprechpartnerin für Workshops in Bayern: Corina Flaig, corina.flaig@ufuq.de

Ansprechpartnerin für Workshops in anderen Bundesländern: Jenny Omar, jenny.omar@ufuq.de

Die Workshops bietet die Fachstelle gerne auch in Verbindung mit Fortbildungen für Lehrkräfte bzw. Pädagog_innen an den jeweiligen Schulen und Jugendeinrichtungen an.

Weitere Informationen zur Fachstelle in Bayern und den Workshops finden Sie hier:

Fachstelle zur Prävention religiös begründeter Radikalisierung in Bayern

Teamer_innen-Workshops „Wie wollen wir leben?“