„Wieviel Islam verträgt das Land?“ Warum die Islamfeindschaft ein gesellschaftliches Problem ist – und nicht der Islam

Die Sarrazin-Debatte bestätigt die Vorbehalte, die in der Bevölkerung gegenüber Muslimen und dem Islam verbreitet sind. An die Stelle “der Ausländer”, die noch in den 90er Jahren im Mittelpunkt von Ressentiments und rassistischen Anfeindungen standen, sind mittlerweile “die Muslime” getreten. In der Arbeit mit jungen Muslimen kommt daher der Anerkennung ihrer Biographien und ihrer Religiosität eine besondere Rolle zu, schreibt Jochen Müller (ufuq.de) in diesem Beitrag.

Sarrazin„Deutschland wird sich nicht gefallen lassen, dass dieses Türkenpack über ihr Vaterland weiter herfällt! Türken sind wie Aasgeier (…) Aber bald setzt das deutsche Volk dieser Schweinerei ein Ende! Deutsche lassen sich nicht mehr lange von diesen asozialen Untermenschen in ihrem eigenen Land ausbeuten und terrorisieren! Türken aus Deutschland prügeln! Heil Hitler!”1

Gerichtet an das Büro des Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, Cem Özdemir, steht die hier zitierte e-mail beispielhaft für einen Rassismus, wie er in dieser extrem menschenverachtenden Form vor allem vom rechtsradikalen Rand der Gesellschaft allgemein  gegen „Türken“ und andere „Ausländer“ formuliert wird. Aber auch wenn gezielt auf „den Islam“ und „die Muslime“ abgehoben wird, sind vergleichbare Beleidigungen, Diffamierungen, Abwertungen, Hetz- und Hasspropaganda sowie Verschwörungstheorien keine Seltenheit: Von Muslimen als „Kinderfickern“, „Muselpack“,  „Islamfaschisten“, Kriminellen oder Brunnenvergiftern, die man „loswerden“ müsse, um Deutschland und Europa „islamfrei“ oder „moslemfrei“ zu machen, ist dann die Rede. So werden etwa auf der populären Website PI („Politically Incorrect“) regelmäßig und mit größter Selbstverständlichkeit Islam und Muslime angegriffen. Kein Wunder – denn Islamfeindschaft ist hier Programm: So behaupten Betreiber und Nutzer von PI ausdrücklich, dass sie nicht etwa Ausländer oder Migranten im Allgemeinen ablehnen würden. Vielmehr kaprizieren sich die Kommentare hier auf den Islam und die Gruppe der deutschen bzw. in Deutschland und Europa lebenden Muslime.2

Dabei wird in den Positionen, wie sie etwa auf Websites und Blogs wie „Politically Incorrect“, „Die grüne Pest“ oder „Akte Islam“ zum Ausdruck kommen, auch deutlich, dass Islamfeindschaft und Vorurteile gegen Muslime nicht nur eine Sache des rechten Randes sind, sondern weit in die Mitte der Gesellschaft hineinreichen. Abzulesen ist dies etwa daran, dass die Schreiber von diffamierenden e-mails und Leserbriefen dies nicht selten unter Angabe ihres vollen Namens, ihrer beruflichen Tätigkeiten und im Bewusstein und Gestus vermeintlicher Tabubrecher tun, die doch lediglich unbestreitbare Wahrheiten verkündeten, die eine schweigende Mehrheit nur nicht zu sagen wage.3 Von einem „verrohenden Bürgertum“ und einer „Vereisung des sozialen Klimas“ sprechen die Bielefelder Sozialforscher um Wilhelm Heitmeyer und diagnostizierten dabei nicht zuletzt eine zunehmende Islamfeindlichkeit, die sich – im Unterschied zur mit Höhe des Bildungsgrades abnehmenden allgemeinen Fremdenfeindlickeit – quer durch alle Schichten ziehe.4 „In der Mitte wächst der Hass“ titelte dazu die taz.5

In den vergangenen Jahren haben allerdings Ereignisse wie der Mord an der in Dresden lebenden Ägypterin Marwa El-Sherbini, die Debatten um die Thesen von Thilo Sarrazin, wiederholte Angriffe auf Moscheen oder die Diskussion um die Schweizer Volksabstimmung über ein Minarettverbot (2009) für eine größere Sensibilität gegenüber antimuslimischen Stimmungen in Deutschland gesorgt.  So haben auch Politik und Sicherheitsbehörden begonnen, sich mit den Aktivitäten einzelner Akteure wie PI zu befassen. Vorwürfe der Volksverhetzung und die Forderung nach dem Verbot der Website wurden lauter: Unter anderen erklärte der SPD-Innenpolitiker Sebastian Edathy, dass es sich bei PI  um ein „verfassungsfeindliches Forum“ handele, das „antidemokratische Stimmung“ verbreite.6

Die Forderung nach „Integration“

Nun mögen Verbote aus verfassungsrechtlicher Perspektive schwierig und umstritten sein. Eine erhöhte Achtsamkeit und die deutlichere öffentliche Ablehnung islamfeindlicher Ressentiments sind indes aus mehreren Gründen überfällig: Zum einen, weil radikale Positionen, wie die eingangs zitierte, sowie tätliche Übergriffe und nicht zuletzt auch die NSU-Morde nur zu verstehen sind und ihnen wirksam zu begegnen ist, wenn dabei gesamtgesellschaftliche Diskurse einbezogen werden, durch die sich Einzelne in ihrem Denken und Handeln legitimiert sehen. Und zum anderen weil islamfeindliche und anti-muslimische Positionen nicht erst dann ein Problem und eine Gefährdung des gesellschaftlichen Friedens darstellen, wenn sie offen beleidigend oder körperlich verletzend in Erscheinung treten.

Schließlich gefährdet es die gesamtgesellschaftliche Integration wenn einzelne Bevölkerungsgruppen von anderen aufgrund vermeintlicher gemeinsamer Merkmale ausgeschlossen, herabgesetzt und für der Gesellschaft insgesamt wesensfremd erklärt werden. So jedenfalls lautet – in verschiedenen Variationen – der Hauptvorwurf an „den Islam“ und „die Muslime“. In der folgenden Position kommt er in charakteristischer Weise zum Ausdruck:

„Islam ist nicht ´kompatibel´. Und das wird sich auch niemals ändern, da der Koran Allahs direktes Wort ist. (…)   Es gibt nur die Alternative: Islam oder nicht Islam. Ich bin für Letzteres. Und deshalb: Wer in Europa leben will und unbedingt einen Gott haben will, der soll dem Islam/Koran abschwören und Christ werden. Alle anderen sollen aus Europa verschwinden. Thilo Sarrazin hat Recht. Gute Reise und viel Erfolg.“ (Armin P., Dipl.-Betriebswirt) 7

Mit dieser Haltung steht der Autor dieser Zeilen nicht allein. Laut Untersuchungen des Institus für Demoskopie in Allensbach (2006) nimmt die Ansicht zu, dass ein friedliches Zusammenleben mit Muslimen auf Dauer unmöglich sei. 83% der Befragten verbinden den Islam mit Fanatismus und rund 60% sind der Meinung, Islam und Demokratie vertrügen sich nicht. Eine Untersuchung der Universität Münster zufolge (2010) haben ca. 60% der Befragten eine negative Haltung gegenüber dem Islam. Und nach den Studien von Heitmeyer (s. Anm. 4) erklärten 26% der Befragten, man solle die Zuwanderung von Muslimen untersagen; 76% meinten, „dass die muslimischen Ansichten über Frauen unseren Werten widersprechen“ und 30% äußerten Überfremdungsängste: „Durch die vielen Muslime fühle ich mich manchmal wie ein Fremder im eigenen Land“ (2011; 2010 waren es noch 39%). 67% halten die Werte des Islam für unvereinbar mit den eigenen (bzw. denen der „westlichen Welt“).   41,5% erklärten den Islam für rückständig (2003) und 14,8% befürworteten, dass Muslimen in Deutschland die Religionsausübung untersagt werden solle (2005).8 Oft fallen solche Zahlen umso höher aus, je weniger Muslime in einer Region leben bzw. je weniger die Befragten mit Muslimen zu tun haben.9

Exkurs: Die Geschichte der „Islamfeindschaft“

Bereits seit dem Mittelalter stehen Islam und Christentum in einem besonderen Verhältnis zueinander.10 Dabei wurden schon im „christlichen Mittelalter“ und der Zeit der Kreuzzüge in der Regel Unterschiede betont und nur selten die vielen Gemeinsamkeiten der beiden Religionen hervorgehoben. Dies gilt auch heute noch: Zunehmend werden Menschen muslimischen Glaubens vor allem als Muslime markiert, also als Angehörige einer „anderen“ Religion wahrgenommen. Wobei der Islam aber oft nur eine Projektionsfläche darstellt: So suchen Nichtmuslime häufig den letzten Grund auch für eine Reihe „nicht-religiöser“ Phänomene wie etwa soziale Konflikte und Krisenerscheinungen in der Religion. Die Bilder sind dabei seit der frühen Neuzeit und den „Türken vor Wien“ weitgehend die gleichen: eine Mischung aus Furcht und Fantasie. So ging der mal christlich mal zivilisatorisch begründete kolonialistische Anspruch auf Herrschaft und Überlegenheit immer einher mit exotistischen Projektionen, wie sie etwa in Haremsbildern oder Opern des 19. Jahrhunderts zum Ausdruck kommen. Edward Said hat für dieses Verhältnis, in dem „der Westen“ erst „den Orient“ und „den Islam“ konstruiert, um sich auf diese Weise selbst zu erfinden, den Begriff des Orientalismus geprägt.

Vom „Feindbild Islam“ ist insbesondere seit 1989 die Rede: Demnach sei dem Westen mit dem Ende des Kalten Krieges sein Gegenüber abhanden gekommen, weshalb erneut der Islam als vermeintlich monolithischer Block und kulturelles Gegenbild zur Begründung „westlicher“ Identität herhalten musste. Zunehmend werden nun in Deutschland (auch in Folge ökonomischer und sozialer Krisen) aus „Ausländern“ Muslime und wieder dient das Fremdbild als Spiegel zur Bestätigung eigener Überlegenheit und Fortschrittlichkeit: So können sich in der Auseinandersetzung mit Islam und Muslimen auch konservative Stimmen als Verfechter von Emanzipation und Frauenrechten stilisieren. Dieser Diskurs nahm nach dem 11.9.2001 an Schärfe zu, wobei nun insbesondere das Bild vom Islam als gewalttätiger und kriegerischer Religion in den Vordergrund trat.

Zur Beschreibung dieser Diskursverschiebungen fanden neue Begrifflichkeiten Eingang in den Sprachgebrauch – wie etwa der Begriff der „Islamophobie“, der sich seit Ende der 1990er Jahre insbesondere bei vielen muslimischen Organisationen durchgesetzt hat. Dabei trägt der Terminus neben der quantitativen Zunahme anti-muslimischer Haltungen auch deren inhaltlicher Verschiebung Rechung: „Islamophobie“ beschreibt weniger die Verletzung individueller Menschenrechte von Muslimen aufgrund typischer rassistischer Zuschreibungen, sondern bezeichnet Angst (Phobie) und daraus resultierende Feindschaft gegenüber dem Islam als Religion und den Muslimen als deren Repräsentanten. Vor diesem Hintergrund kann „Islamophobie“ als eine Spielart von insgesamt neuartigen, weil kulturalistisch begründeten Rassismen gelten, die in den 80er und 90er Jahren den biologistischen Rassismus abgelöst haben.

Allerdings geriet der Begriff Islamophobie schnell in die Kritik: Zum einen, weil damit die meist sozial gründende Einstellung von Gruppen auf den Faktor Angst (vor  „Muslimen“ und ihrer Kultur) reduziert wird; zum anderen fungierte der Begriff nicht zuletzt als Schlagwort, um auch legitime Kritik am Islam und an Verhaltensmustern von Menschen mit muslimischem Hintergrund als Rassismus zu diskreditieren und gewissermaßen zu pathologisieren. In der Folge hat sich in den vergangenen Jahren im deutschen Sprachraum der Terminus Islamfeindschaft (oder Islamfeindlichkeit) etabliert. Er umfasst negative Einstellungen, Haltungen und Handlungen gegenüber Menschen, die als Muslime markiert werden – gleich, ob die jeweils gemeinten Individuen sich selbst als Muslime betrachten oder überhaupt religiös sind: „In der Islamfeindlichkeit mischen sich negative religiöse, ethnische, rassistische und politische Reflexe. Sie unterstellt Islamismus, Terrorismus, Nicht-Integration, Sexismus usw. Das alles gibt es, aber die Islamfeindlichkeit relativiert nicht, prüft nicht die Realität nach Ursachen von Unterschieden, und  sie unterstellt die Stereotype der ganzen Kategorie: also dem Islam und den Muslimen. Die Feindlichkeit strebt nach Ungleichwertigkeit (…).“ (Zick, a.a.O.)

Betrachtet man diese und weitere Untersuchungen zur Haltung gegenüber Islam und Muslimen in Deutschland, lassen sich die folgenden Positionen herauskristallisieren: Der Islam gilt vielen Nichtmuslimen als rückständig, frauenfeindlich, aggressiv, statisch, fatalistisch, gewalttätig und für unvereinbar mit Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechten oder gleich der „Zivilisation“. Dabei haben die meisten dieser Bilder vom Islam eine jahrhundertelange Geschichte  – und sie werden pauschal auf „die Muslime“ übertragen, die damit hinsichtlich der genannten Attribute unter einen Generalverdacht gestellt werden. Die Botschaft, die muslimischen Deutschen und Muslimen in Deutschland mit diesen Bildern und Stereotypen suggeriert und vermittelt wird, lautet: „Wenn ihr anerkannt werden und dazugehören wollt, müsst ihr so werden wie wir. Und dazu müsst ihr erstmal eure Religion ablegen.“

Wer ist Wir?

Extremistische und rassistische Töne sind dabei wie schon bemerkt nur die Spitze des Eisbergs – der abwertende Diskurs über Islam und Muslime, aus dem sie erstehen, ist weitverbreitet. Als etwa der damalige Bundespräsident Wulff den Satz formulierte, dass der Islam zu Deutschland gehöre, konterte die BILD-Zeitung am nächsten Tag in großen Lettern auf ihrer ersten Seite mit der Schlagzeile: „Wieviel Islam verträgt Deutschland?“11 Und der Focus machte auf mit einem stereotypen Bild von Wulff als älterem muslimischem Mann mit Häkelmütze und Schnurrbart….12 Das sind deutliche Botschafen (Furcht vor einer „Islamisierung“) und Signale (Muslime seien „anders“ und müssen sich anpassen).  Und ausgerechnet anlässlich der Deutschen Islamkonferenz legte Unionsfraktionschef Volker Kauder noch einmal nach: Wohl gehörten Muslime zu Deutschland, nicht aber der Islam. Wörtlich erklärte er: „Der Islam ist nicht Teil unserer Tradition und Identität in Deutschland.“13 Zwar wurde Kauder für seine Äußerung vielfach kritisiert – wie verbreitet das dahinter stehende Selbstverständnis noch ist, hatte jedoch kurz zuvor die Sarrazin-Debatte gezeigt:

„Deutschland schafft sich ab“ lautete der Titel des Bestellers von Thilo Sarrazin – und tatsächich war die Debatte um das Buch nicht zuletzt Ausdruck des deutschen Problems, sich als Einwanderungsgesellschaft zu verstehen. Denn diese Entwicklung wurde lange Zeit ignoriert und es dauerte noch einmal sehr lange, bis sich die Politik durchringen konnte, sie auch offiziell anzuerkennen. Verständlicherweise kommen viele Menschen da nicht mit – tatsächlich verändert sich ja buchstäblich das Gesicht des Landes: Man werfe nur einen Blick in die Schulklassen der Groß- und Mittelstädte. Das sind – zumal diese Prozesse nicht ohne Probleme und Konflikte vonstatten gehen – bisweilen irritierende und verunsichernde Erfahrungen für viele Menschen, nicht nur aber vor allem der älteren Generationen. Denn gleichzeitig wurde ihnen nicht genug vermittelt, dass Migranten selbstverständlich „dazugehören“, und dass es deren Kinder und Enkel sein werden, die in nächster Zukunft die Rente der Generation von Thilo Sarrazin verdienen werden.14 Vor diesem Hintergrund war die Sarrazin-Debatte eine verspätete Auseinandersetzung über das nationale Selbstverständnis und die notwendige Gestaltung einer multikulturellen Gesellschaft, die unter schwierigen, wechsel- und krisenhaften ökonomischen Bedingungen erfolgt.

Wenn also Politiker oder Medien ein deutsches WIR ohne Islam beschwören, dann ist das ein Bild von gestern.  Die deutsche Gesellschaft lässt sich gar nicht mehr ohne Islam, Muslime und andere Migranten mit ihren Herkünften und Religionen denken.15 Wer es dennoch versucht , der schließt Teile der Bevölkerung aus. Und darf sich dann nicht wundern, wenn diese sich in der Folge nicht zugehörig und diskriminiert fühlen. Wie etwa in einer Begegnung muslimischer Jugendlicher einer Neuköllner Oberstufe mit Thilo Sarrazin: Ihr größtes Anliegen war es, dem bekannten Politiker und Autor zu zeigen, dass sie in Deutschland leben, ihre Sprache deutsch ist, sie hier – wo denn auch sonst – Karriere machen und ihre Kinder großziehen wollen. „Was soll ich denn noch machen, um deutsch zu sein?“ fragte eine von ihnen. Worauf Sarrazin antwortete: „Solange Sie ein Kopftuch tragen, werden Sie in Deutschland nie das Gefühl haben, integriert zu sein.“16

Es sind nicht zuletzt Erwartungen wie diese, die Unterschiede – das vermeintliche „Anderssein“ von Muslimen – betonen und einseitige Veränderungen als Voraussetzung für Anerkennung betrachten, die Integrationsprozessen im Wege stehen. Solche Stimmen tragen in Politik, Medien oder in der Schule selbst entscheidend zu dem bei, was sie (oft lauthals) beklagen: Segregationserscheinungen. Dabei spielt es zunächst eine untergeordnete Rolle, ob Aussagen wie die gerade zitierte, im Einzelnen nun rassistisch und islamfeindlich zu nennen sind, ob es sich um gezielte „Islamkritik“ (im Sinne von Religionskritik) handelt, wie es viele Vertreter der oben skizzierten Bilder vom Islam für sich in Anspruch nehmen, oder ob sie „nur“ Ausdruck von Vorurteilen und Unkenntnis über Islam und Muslime sind…. Entscheidend ist vielmehr, dass solche Aussagen und Erwartungshaltungen von Muslimen in Deutschland subjektiv als diskriminierend erfahren werden, sie sich zurückgestoßen, nicht zugehörig fühlen und viele in der Folge in einer Art Gegenbewegung ihre Religion und Herkunft stärker betonen als zuvor.

So fühlen sich viele Menschen mit Migrationshintergrund angesprochen, wenn es um „die Muslime“ geht. „Ich habe das Gefühl, ich kenne mein Land nicht mehr“ schrieb etwa die Berliner Wissenschaftlerin Naika Foroutan im Zuge der Sarrazin-Debatten. Als Expertin hatte sie in diversen TV-Talkrunden über Migration und Integration eine Reihe der darin aufgestellten Behauptungen über Muslime und Migranten mit ihrem Zahlenmaterial widerlegt. Nach den Sendungen erhielt sie Morddrohungen und hunderte e-mails mit wüsten Beschimpfungen, die sie unter anderem aufforderten, „zurück“ in ihre „Heimat“ zu gehen. Wie Foroutan sahen sich viele „Migranten“ – und zwar nicht zuletzt solche, die bestens „integriert“ und etabliert sind – plötzlich darauf zurückgeworfen, vor allem als Muslime gesehen zu werden. Das machte sie zu Verbündeten: „Nie haben wir uns so sehr als Muslime gefühlt wie jetzt“, sagten viele. Und so wandten sich dann eine Reihe Prominente muslimischer Herkunft in einem offenen Brief an Bundespräsident Wulff, die eigentlich nicht viel zu verbinden scheint: Zählten zu den Unterzeichnern doch Repräsentanten eher konservativer deutscher Islamverbände ebenso wie Künstler und Autoren wie Fatih Akin, Feridun Zaimoglu oder Hilal Sezgin.17

Jugendliche sind besonders sensibel für solche Stimmungen – sind sie doch ohnehin auf der Suche nach Identität, Anerkennung und Zugehörigkeit. Das gilt umsomehr für jene Jugendliche, die aufgrund ihrer Herkunft „zwischen den Welten“ unterwegs und auf der Suche nach Orientierungen sind, die sowohl die Geschichte und Kultur ihrer Familien berücksichtigen als ihnen auch alle Optionen für das Leben in dem Land eröffnen, das ihr Geburts- und Heimatland ist. Tatsächlich geben aber viele Jugendliche an, sich ausgegrenzt, fremd, benachteiligt und diskriminiert zu fühlen:  durch „komische Blicke“ in der Öffentlichkeit, im Unterricht oder durch Darstellungen in den Medien. Sie beklagen Vorurteile gegenüber dem Islam, mangelnde Anerkennung und fehlenden Respekt.18 „Die Deutschen“, erklären Jugendliche immer wieder, „werden mich in 100 Jahren noch fragen, wo ich herkomme, nur weil ich schwarze Haare habe.“  Weitere Felder, die von Migranten in der Regel genannt werden, sind Diskriminierungen bei der Arbeits- oder Wohnungssuche – wobei hier oft undefiniert bleiben muss, ob die Diskrimnierung als „Muslim“ oder als „Ausländer“ wahrgenommen wird.19

Nun mögen – gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen – Übersensibilitäten und Verschwörungstheorien bei solchen Wahrnehmungen durchaus eine Rolle spielen. Nicht selten projizieren Jugendliche etwa schlechte schulische Leistungen oder die Absage eines Ausbildungsplatzes allein darauf, wegen ihrer Religion und Herkunft diskriminiert zu werden. Dennoch: Vorurteile und Unwissenheit über Islam und Muslime sowie eine weitverbreitete Islamfeindschaft, die sich in verschiedensten Formen bishin zu offenem Rassismus Ausdruck verschafft, tragen wesentlich dazu bei, dass gerade bei jungen Muslimen und Migranten die Selbstverständlichkeit abnimmt, mit der sie sich als Deutsche und in Deutschland zuhause fühlen. Und nach dem Motto „Jetzt erst recht“ wenden sich in der Folge nicht wenige von ihnen nun ihrem vermeintlichen „Anderssein“ mit besonderer Aufmerksamkeit zu: Bei ihnen avancieren Religion und/oder Herkunft zum zentralen   Bestandteil von Identität. Das kann durchaus emanzipatorisch wirken – etwa wenn junge religiöse Muslime sich dafür einsetzen, als deutsche Muslime selbstverständliche Anerkennung zu finden. Das kann aber auch radikale Formen annehmen – zum Beispiel wenn sich Jugendliche und junge Erwachsene ultranationalistischen Organisationen wie den „Grauen Wölfen“ anschließen.20 Oder wenn sie sich an den Sakafisten orientieren: Diese islamistische Strömung wendet sich insbesondere an junge Muslime (migrantischer oder deutscher Herkunft), verspricht ihnen den „wahren Islam“ und spielt dabei ganz bewusst auf der Klaviatur von Ausgrenzungs- und Diskriminierungserfahrungen. Der nächste Holocaust drohe den Muslimen, erklären sie und instrumentalisieren die Islamfeindschaft zur Propaganda in eigener Sache, indem sie junge Muslime, die auf der Suche nach Identität und Zugehörigkeit sind, auffordern, sich zusammenzuschließen und von Nichtmuslimen fernzuhalten. Und weil Teile dieser Strömung zudem eine offen antidemokratische und gewaltbereite Ideologie vertreten, werden sie und ihre meist jungen Anhänger auch ein Problem für Sicherheitsbehörden und den Verfassungsschutz.21

Zugehörigkeit anerkennen

Ganz anders stellen sich indes jene Probleme dar, die in einer multikulturellen Gesellschaft aus Unwissenheit, Vorurteilen, Feindschaft und Rassismus gegenüber Islam und Muslimen entstehen. Auch hier sind in einigen rechtsextremen Einzelfällen Verfassungsschutz und Sicherheitsbehörden gefragt. Insbesondere aber sollten sie Pädagogik (hier z.B. in einem entsprechenden Religionsunterricht), politische Bildung, Medien und Politik beschäftigen. Es gilt nämlich, deutlich und offen zu zeigen, dass Islam und Muslime in Deutschland selbstverständlich dazugehören. Insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene – gleich ob sie religiös sind oder nicht – sollten nicht durch Vorhaltungen und Erwartungen in eine Verteidigungshaltung und zur Selbstbehauptung gezwungen werden. In vielen Fällen führt das erst in die Isolierung und macht einige junge Menschen anfällig für Radikalisierungen. Und zu dieser Offenheit gehört es auch, die   Kompatibilität von Islam, Demokratie und moderner Gesellschaft aufzuzeigen, statt diese etwa in Medien und Politik ein ums andere mal infrage zu stellen.

Und hier beginnt auch eine Verantwortung der Muslime und ihrer Repräsentanten selbst: Zu sehr überlassen sie bisher noch solchen Strömungen unwidersprochen das Feld, die fundamentalistische, anti-demokratische und traditionalistische Positionen behaupten und sie zum „wahren Islam“ erklären. Diese liefern die Munition für jene herkunftsdeutschen „Experten“, die dann mit dem Koran in der Hand zu beweisen suchen, dass der Islam doch eine wahlweise gewalttätige, frauenfeindliche, anti-demokratische oder anderweitig rückständige Religion sei – womit sie ein Islamverständnis an den Tag legen, das meist demjenigen besagter islamischer Fundamentalisten sehr nahe kommt. Zu sehr noch sind die Muslime in Deutschland – und dabei auch die junge Generation – von einem normativen Religionsverständnis geprägt, das sich auf Rituale sowie Gebote und Verbote und die Betonung von Besonderheiten konzentriert. Stärker als bisher sollte aber eine Werte- und Lebensweltorientierung im Mittelpunkt von Religionsvermittlung stehen: Wie kann ich Werte wie Toleranz, Friede, Gleichheit, soziale Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, die selbstverständlich im Islam zuhause sind, in der Gesellschaft denken und leben?

Der Etablierung eines solchen Islamverständnisses wurde u.a. an den dazu eingerichteten Lehrstühlen und hier insbesondere bei der Ausbildung von Imamen und Religionspädagogen zuletzt besondere Aufmerksamkeit geschenkt –  es zu vermitteln, ist eine Aufgabe sowohl islamischer Einrichtungen als auch der Gesellschaft insgesamt. Auf diese Weise können alle Beteiligten Islamfeindschaft entgegenwirken und eine als wechselseitiger Prozess verstandene Integration befördern. Das zeigt auch die pädagogische Arbeit mit Jugendlichen muslimischer Herkunft 22: Viele von ihnen stecken in einem Loyalitätskonflikt, da ihnen sowohl in ihrer Community als auch seitens der Öffentlichkeit allzu häufig suggeriert wird, nur eines sein zu können – islamisch und herkunftsbewusst oder demokratisch und deutsch. Wird ihnen jedoch Anerkennung signalisiert und deutlich gemacht, dass sie sehr wohl beides sein können, sieht man manchmal förmlich, wie eine Last von ihren Schultern fällt.

Anmerkungen

1 Das Zitat wurde entnommen der Einladung zu einer Podiumsdiskussion der Jungen Islam Konferenz (JIK), die unter dem Titel „Hassfluten im anonymen Raum. E-mails, Leserbriefe und Kommentare an Menschen, die das Thema Islam in Deutschland streifen“ am 2.3.2012 in Berlin stattfand. Dokumentiert wurden im Veranstaltungsflyer e-mails und Schreiben, die in der Vergangenheit an die einzelnen Podiumsteilnehmer gerichtet worden waren.
2 Die Website PI und die dort zum Ausdruck kommenden Muster von islamfeindlichen und rassistischen Argumenten, Stereotypen, Ressentiments und Hasspropaganda hat erstmals Yasemin Shooman ausführlich analysiert: Shooman, Yasemin: Islamfeindschaft im Wold Wide Web, in: Wolfgang Benz, Jahrbuch für Antisemitismusforschung 17, Berlin 2008, S. 69-96. (Zu Begriff und Geschichte der Islamfeindschaft s. den Exkurs weiter unten in diesem Beitrag.)
3 Von einem „planmäßigen Eroberungsfeldzug“ durch den Islam sprach der bayerische Landesvorsitzende der Partei „Die Freiheit“ auf deren Bundesparteitag 2011: „Wir sind hier in einem Kampf, in dem es keine zweite Chance gibt. Was der Islam einmal in den Händen hat, das wird er nicht wieder loslassen.“, zit. nach: Shooman, Yasemin: Das Zusammenspiel von Kultur, Religion, Ethnizität und Geschlecht im antimuslimischen Rassismus, in: ApuZ 16-17/2012, S. 57.
4 So Wilhelm Heitmeyer in diversen Interviews. In den von seiner Forschungsgruppe  herausgegebenen Bänden untersuchte er in repräsentativen Studien von 2002 – 2011 unter dem Titel „Deutsche Zustände“ verschiedene Formen von „Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“; zuletzt: Heitmeyer, Wilhelm (Hrsg.) Deutsche Zustände, Folge 10, Frankfurt/M. 2011. (Zum GMF-Projekt und den Bänden 1-10 s. hier: http://www.uni-bielefeld.de/ikg/Handout_Fassung_Montag_1212.pdf)
5 taz vom 4.12.2010
6 So Edathy im Portal abgeordnetenwatch.de. Er stellte – auch wegen persönlicher Hetze gegen ihn selbst – Strafanzeige gegen PI.  In einer Pressemitteilung der Bundesregierung hieß es jedoch, dass eine rechtsextremistische Ausrichtung von PI derzeit nicht festgestellt werden könne. Inwiefern Handlungsbedarf bestehe, sei „eine Frage des Einzelfalls und allein von den jeweils zuständigen Strafverfolgungsbehörden zu beurteilen.“  (PM der Bundesregierung vom 1.12.2011: http://www.bundestag.de/presse/hib/2011_12/2011_499/08.html)
7 Zitat aus der Einladung zur oben genannten Podiumsdiskussion der JIK (s. Anm 1). Die Zitate wurden anonymisiert.
8 Zusammenstellung der Zahlen aus: Zick, Andreas: Das Potenzial in Deutschland. Islamfeindliche Einstellungen in der Bevölkerung, in: Benz, Wolfgang/Pfeiffer,Thomas (Hrsg.), „WIR oder Scharia?“ Islamfeindliche Kampagnen im Rechtsextremismus, 2011, S. 31-49. Zu ähnlichen Ergebnissen kommen andere Untersuchungen wie etwa: Bielefeldt, Heiner: Das Islambild in Deutschland. Zum öffentlichen Umgang mit der Angst um den Islam, in: Schneider, Thorsten Gerald (Hrsg.): Islamfeindlichkeit. Wenn die Grenzen der Kritik verschwimmen, 2009, S. 167-200.
9 Zahlen, die diesen Bildern widersprechende Schlüsse nahelegen, werden häufig ignoriert: Dass etwa das Vertrauen von deutschen Muslimen in Institutionen des Rechtsstaats und der freiheitlichen Ordnung (Polizei, Justiz, Parlamente, Medien) in der Regel ebenso und oft stärker ausgeprägt ist als unter Nichtmuslimen, wird wenig reflektiert (s. dazu: von Wilamowitz-Moellendorf: Muslime in der deutschen Gesellschaft – eine Zielgruppe der politischen Bildung?, in: Zukunftsforum Politik Nr. 106, 2011). Zahlen zu Migranten und Muslimen in Deutschland, die den Vorurtreilen widersprechen, hat auch Naika Foroutan im Forschungsprojekt HEYMAT im Zuge der Sarrazin-Debatte zusammengestellt und kommentiert (http://www.heymat.hu-berlin.de/dossier-sarrazin-2010). Sie betont u.a. den in einer ganzen Reihe von Studien dokumentierten Integrationswillen der meisten in Deutschland lebenden Muslime. Demnach nahmen 77% der dazu aufgeforderten Muslime an Integrationskursen teil, 84% der „Türken“ meinen, dass man ohne die deutsche Sprache als Zuwanderer keinen Erfolg haben könne, 80% der „Türken“ (mit und ohne deutsche Staatsbürgerschaft) leben auf der Grundlage eigener Einkommensquellen. Und: 63% der Befragten sind der Meinung, dass jeder sich hocharbeiten kann, der sich anstrenge – in der Gesamtbevölkerung sehen das nur 57% so. (Unter anderem bezieht sich Foroutan auf die BAMF-Studie „Muslimisches Leben in Deutschland“; eine Sinus-Umfrage; die Heitmeyer-Studien „Deutsche Zustände“; Allensbach-Umfragen; die Studie von Heiner Bielefeld „Das Islambild in Deutschland“ sowie Untersuchungen des Instituts für Mittelstandsforschung der Uni Mannheim.)
10 Vergleiche zum Folgenden:  Zick, Andreas: a.a.O.; Shooman, Yasemin: Das Zusammenspiel…, a.a.O.; Müller, Jochen: Die Islamophobie und was sie vom Antisemitismus unerscheidet, in einem bpb-Dossier: http://www.bpb.de/politik/extremismus/antisemitismus/37969/antisemitismus-und-islamophobie; s. auch: Farid Hafez (Hrsg.): Jahrbuch für Islamophobieforschung. Deutschland, Österreich, Schweiz, Innsbruck 2010; Bundschuh/Drücker/Jagusch( Hrsg.), Islamfeindlichkeit. Aspekte, Stimmen, Gegenstrategien, Düsseldorf 2012.
11 BILD vom 5.10.2010
12 Focus vom 18.10.2010
13 Vgl. Widmann, Arno, Wer kann schon Deutsch?, in: Berliner Zeitung, 20.4.2012 S.2
14 Vor diesem Hintergrund dürfte bereits der Kauf des Buches von Thilo Sarrazin für viele ein politisches Statement gewesen und das Werk auf diese Weise zum wohl meistverkauften nichtgelesenen Sachbuch der vergangenen Jahrzehnte geworden sein.
15 Über dieses WIR hat Navid Kermani ein sehr schönes Buch geschrieben: Kermani, Wer ist Wir? Deutschland und seine Muslime, München 2009
16 Müller, Jochen: „Er hat nicht richtig zugehört“. Die Dialoggruppe einer Neuköllner Oberstufe trifft Thilo Sarrazin, in: Jugendkultur Religion Demokratie. Politische Bildung mit Jugendlichen in der Einwanderungsgesellschaft, Broschüre der bpb und Robert-Bosch-Stiftung zum gleichnamigen Modellprojekt, Bonn 2011, S. 24ff.
17 taz vom 13.9.2010: http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=sw&dig=2010%2F09%2F13%2Fa0083&cHash=bf8c68c271
18 Viola Neu, Jugendliche und Islamismus in Deutschland. Auswertung einer qualitativen Studie der Korad Adenauer Stiftung, Berlin 2011, www.kas.de, S. 31ff.
19 Toprak, Ahmet, Integrationsunwillige Muslime?. Ein Milieubericht, Freiburg 2010, S. 153 ff. Zuletzt hat eine Studie von Amnesty International Vorurteile und Diskriminierung von Muslimen in EU-Ländern dargelegt und u.a. gezeigt, wie sich diese in Ablehnung auf dem Arbeitsmarkt niederschlagen: http://www.amnesty.org/en/library/info/EUR01/001/2012/en. Erhebungsdaten über individuelle Diskriminierungserlebnisse und die Wahrnehmung kollektiver Marginalisierung bei muslimischen Jugendlichen in Deutschland finden sich in der BMI-Studie „Muslime in Deutschland“ (S. 236 ff).
20 Götz Nordbruch zeigt verschiedene jugendkulturelle Erscheinungsformen solcher Identitäts- und Zugehörigkeitsfindungsprozesse: Nordbruch, Götz: Ethnozentrische Gemeinschaftsvorstellungen bei Jugendlichen mit Migratoinshintergrund, in: ApuZ 16-17/2012, S. 42ff. 21 Zu den Salafisten s.: Dantschke/Mansour/Müller/Serbest: „Ich lebe nur für Allah“. Argumente und Anziehungskraft des Salafismus, herausgegeben von: ZDK, Berlin 2011; sowie den Beitrag von Claudia Dantschke in diesem Band.
22 Siehe zur Arbeit mit Jugendlichen von ufuq.de: www.ufuq.de/projekte

Der Artikel ist in “Verfassungsschutz 1952–2012. Festschrift zum 60. Jubiläum des Landesamts für Verfassungsschutz Baden-Württemberg”, herausgegeben in Stuttgart im Dezember 2012, erschienen.

Foto: Richard HebstreitCC BY 2.0.