Teamer_innen-Workshops „Wie wollen wir leben?“

Der Islam gehört zu Deutschland, doch für viele ist dies nicht selbstverständlich. Das erschwert den Umgang mit Fragen und Konflikten im Umgang mit entsprechenden Fragen, die sich in Schulen und Jugendeinrichtungen ergeben können. Konflikte werden durch Unwissenheit, Ressentiments genährt. Dies kann zur Abwertung, Abgrenzung oder Diskriminierung Anderslebender und Andersdenkender führen.

Poster Wie wollen wir leben?

Die von jungen Teamer_innen geleiteten Workshops bieten Raum für Gespräche und Auseinandersetzungen mit Fragen zu Religion, Identität und Zugehörigkeit und fördern die Teilhabe von Jugendlichen und insbesondere jungen Muslim_innen in der Gesellschaft. Sie sensibilisieren für demokratie- und freiheitsfeindliche Einstellungen und bieten Alternativen zu salafistischen Angeboten. Die Workshops wurden von ufuq.de in Kooperation mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg entwickelt.

Ziel der Workshops ist es, ein reflektiertes Selbstverständnis und einen konstruktiven Umgang mit religiösen und nichtreligiösen Normen und Werten zu fördern und alternative Orientierungen und Handlungsoptionen zu islamfeindlichen und islamistischen Weltbildern aufzuzeigen. Religiöse Fragen, die viele Jugendliche beschäftigen, sind der Aufhänger für unsere Workshops, es geht aber nicht um „Religionsunterricht“. In den Workshops werden diese Fragen in allgemeine ethische und gesellschaftliche Fragen „übersetzt“, bei denen religiöse und nichtreligiöse Perspektiven eine Rolle spielen.

Im Mittelpunkt der Workshops stehen die in Kooperation mit der HAW Hamburg produzierten Filmreihen „Wie wollen wir leben?“  und „Alternativen aufzeigen“, die für die Islamismusprävention und Demokratieförderung konzipiert wurden.

Teamer_innen und Niedrigschwelligkeit

Die Workshops werden von jungen Teamer_innen in Schulklassen und Jugendeinrichtungen durchgeführt. Die Teamer_innen sind zwischen 20 und 30 Jahren alt und mehrheitlich muslimischer Herkunft (mehr oder weniger religiös). Mit ihrer Persönlichkeit und Biographie erleichtern sie das Gespräch mit muslimisch sozialisierten Schüler_innen und ermöglichen einen niedrigschwelligen Einstieg in Fragen rund um die Themen Islam, Islamfeindlichkeit und Islamismus, ohne dabei als „Islamexpert_in“ oder Theolog_innen zu agieren. Vielmehr regen sie das Gespräch in der Gruppe an und machen unterschiedliche Perspektiven deutlich.

Die Abläufe und Ergebnisse der Workshops werden kontinuierlich ausgewertet und bei der Weiterentwicklung der Inhalte und Methoden berücksichtigt.

Die Workshops können von Schulen und Jugendeinrichtungen kurzfristig und nach akutem Bedarf bzw. zu den jeweils aktuellen Themen unter den Jugendlichen angefragt werden. So können die Teamer_innen ohne längeren Vorlauf direkt auf die jeweilige Situation in den Klassen und Jugendeinrichtungen reagieren.

Denkanstöße und neue Perspektiven

Die Workshops bringen die Jugendlichen untereinander ins Gespräch. Dabei können neue Gedanken angestoßen und neue Perspektiven eröffnet werden – in religiösen wie in politischen, gesellschaftlichen oder alltagsweltlichen Fragen.

Und die Erfahrungen zeigen: Eigene Gedanken entwickeln und formulieren zu können, schützt Jugendliche vor einfachen Welt- und Feindbildern. Jugendliche erleben Vielfalt sowie unterschiedliche Formen von Religiosität und Werteorientierung als Bereicherung ihres Alltags. Die Workshops fördern ihr Verständnis für Pluralismus und Demokratie. Dabei münden die Gespräche in Diskussionen über allgemeine gesellschaftliche, religiöse und politische Fragestellungen, die nicht mehr auf „den“ Islam selbst beschränkt waren. Endpunkt der Workshops ist eine Auseinandersetzung mit der Frage „Wie wollen wir leben?“, in der sich die Jugendlichen unabhängig von Herkunft und Religiosität mit bekannten oder neu entdeckten Perspektiven einbringen konnten.

Die Wirksamkeit dieses Ansatzes spiegelt sich im Feedback, das wir sowohl von Jugendlichen („Hier konnte man endlich mal über alles reden!“, so lautet eine der häufigsten Rückmeldungen) als auch von Lehrkräften erhalten („Das Klima in der Klasse hat sich total verändert.“). Lehrer_innen beschreiben die Gespräche vielfach als „befreiend“, da sie das Gefühl der Anerkennung unter den Jugendlichen stärkten und die Offenheit für nichtreligiöse Perspektiven und unterschiedliche Lebensentwürfe und Orientierungen förderten.

Übersicht der Workshop-Angebote „Wie wollen wir leben?“

Glauben, Islam und Ich. Über die Vielfalt von Islam und muslimischem Leben in Deutschland. Woran glaubst du, was ist dir wichtig? (ab Klasse 5)

Was ist eigentlich muslimisches Leben in Deutschland? In diesem Workshop beschäftigen sich die Jugendlichen vor allem mit ihrem Verständnis von Islam und Religionen und mit ihrer eigenen Lebensphilosophie. Im Zentrum stehen drei Animationsfilme der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), in denen es um die Bedeutung von Religion sowie um Islam und den Alltag von Muslim_innen in Deutschland geht. Die Frage „Wie wollen wir leben?“ bildet die inhaltliche Klammer – sie geht alle etwas an, gleich ob muslimisch oder nichtmuslimisch, religiös oder nichtreligiös.

Männerbilder, Frauenbilder und Islam. Über Geschlechterrollen, Normkonstruktionen und was das mit dem Islam zu tun hat (ab Klasse 8)

Typisch Mädchen, typisch Junge. Und im Islam haben die einen weniger Rechte als die anderen…. Aber ist das wirklich so? Im Rahmen des Workshops beschäftigen sich die Jugendlichen mit ihren eigenen Vorstellungen von Geschlechterrollen, setzen sich mit Normkonstruktionen auseinander, diskutieren, was das eigentlich mit dem Islam zu tun hat und wie sie selbst zusammenleben wollen.

Diskriminierung und Empowerment. Über Erfahrungen, die Jugendliche mit Muslimfeindlichkeit machen – und was man dagegen tun kann (ab Klasse 8)

„Muslim_innen sind …“ – darüber haben wir alle viele Bilder im Kopf. Häufig sind sie verbunden mit Stereotypen oder sogar Feindbildern. Auch deshalb machen Menschen, die als Muslim_innen gelten, immer wieder schwierige Erfahrungen. Im Workshop arbeiten die Jugendlichen zu eigenen Diskriminierungserfahrungen und antimuslimischen Feindbildern, erarbeiten ein gemeinsames Verständnis von Diskriminierung und diskutieren gemeinsam, welche Möglichkeiten es gibt, gegen Diskriminierung vorzugehen.

„Alle Muslim_innen sind…“ Über Stereotypen, Diskriminierung und die Rolle von Medien
(ab Klasse 9)

Die (hier mehrheitlich nicht-muslimischen) Jugendlichen in der Gruppe setzen sich im Rahmen des Workshops mit Stereotypen und Ressentiments auseinander – insbesondere zu Islam und Muslim_innen. Sie beschäftigen sich mit Fragen zur Berichterstattung von Medien sowie mit Diskriminierungserfahrungen und sie reflektieren, wie ihre eigenen Bilder und Vorstellungen entstehen.

 

Workshop-Team in Berlin

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Hier finden Sie Kurzporträts unserer Teamer_innen in Berlin.


Standorte

Berlin: ufuq.de, Geschäftsstelle, Kontakt: Jenny Omar (Projektleitung), jenny.omar@ufuq.de, Aylin Yavaş (Projektkoordination), aylin.yavas@ufuq.de

Augsburg und Schwaben: ufuq.de, Fachstelle in Bayern, Kontakt: Clara Riecke, c.riecke@ufuq.de

Baden-Württemberg (in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg): Kontakt: mail@team-mex.de

Essen (in Kooperation mit GedankenWerk e. V.): Kontakt: info@gedankenwerk.ruhr

Frankfurt/M. (in Zusammenarbeit mit dem Amt für multikulturelle Angelegenheit der Stadt Frankfurt): Kontakt: Pushpa Islam, pushpa.islam@stadt-frankfurt.de

Hamburg (in Zusammenarbeit mit dem Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung): Kontakt: Christoph Berens, Christoph.Berens@li-hamburg.de

Mainz: Internationaler Bund, Kontakt: Robert Stauch, Robert.Strauch@ib.de (ab Frühjahr 2019)

Nürnberg: Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg, Kontakt: Michelle Fowinkel, michelle.fowinkel@yahoo.de

Würzburg: Interkommunales Präventionsnetzwerk Radikalisierung Würzburg (ab Frühjahr 2019)

Es ist geplant, das Projekt in weitere Städte zu übertragen.


 

Kooperationspartner und Förderer

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