Salafitische Initiativen: Stolz darauf, fremd zu sein

Unter dem Motto „Stoppt die Hetze gegen den Islam“ fand heute in Frankfurt eine Demonstration statt, mit der vor einer zunehmend feindseligen Stimmung gegenüber Muslimen gewarnt werden sollte. Hintergrund der Veranstaltung war der Mord an der Ägypterin Marwa El-Sherbini, die im Juli in Dresden erstochen worden war. Der Täter begründete seine Tat ausdrücklich mit seiner Ablehnung des Islam und der Muslime.

muslimprideOrganisiert wurde die Demonstration in Frankfurt von der Initiative Einladung zum Paradies, die maßgeblich von dem Kölner Prediger Pierre Vogel getragen wird. Bereits in der Vergangenheit hatte EZP, die dem salafitischen Spektrum des Islam zuzurechnen ist, in verschiedenen Städten zu Protestveranstaltungen aufgerufen, mit denen gegen antiislamische Kampagnen mobilisiert werden sollte.

Ein wesentlicher Aspekt dieser Aktionen salafitischer Akteure ist der Versuch, Bedrohungsszenarien zu schüren, die eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben der Muslime in Deutschland unterstellen. Dabei geht es darum, Muslime auf die Gemeinschaft einzuschwören und an die Pflicht zu appellieren, sich für eine Verteidigung der „wahren Religion“  einzusetzen. (Diese Aktionen stoßen auch unter Muslimen auf deutliche Kritik, siehe hier.)

Dies beinhaltet das Bemühen, das eigene Anderssein und die Abgrenzung gegenüber der nicht-islamischen Gesellschaft positiv zu deuten. Ein Beispiel dafür ist der Appell, Festlichkeiten von Nicht-Muslimen nicht zu übernehmen. So warnte EZP kürzlich davor, sich an Neujahrsfeierlichkeiten zu beteiligen. „Das Teilnehmen an den Festen der Kuffar (der Ungläubigen) kann ein deutliches Zeichen dafür sein, dass wir Muslime den Stolz und die Liebe an unserer Religion verloren haben“, hieß in einer Email der Initiative, die vor Sylvester verschickt wurde. Selbst der Neujahrsgruß erscheint noch dieser Darstellung als verwerflich: „Welche größere Sünde gibt es als diese?“

Bestärkt wird die Betonung der Nichtzugehörigkeit zur Gesellschaft auch durch den Hinweis auf das Leben Muhammads, der mit seiner Botschaft zunächst auch als Fremder behandelt wurde: Er kannte die Wahrheit, doch seine Umwelt weigerte sich, diese anzuerkennen und lehnte ihn ab.

Ein Beispiel für diese Sichtweise ist ein Vortrag des amerikanischen Predigers Khaled Yasin, der als Video mit deutschsprachigen Untertiteln auf Youtube erhältlich ist.

Yasin bezieht sich dabei auf einen Hadith, eine Erzählung aus dem Leben des Propheten, in dem es heißt:

„Der Islam begann fremd und er wird fremd wiederkehren wie er begann, gesegnet seien die Fremden.“

Für Yasin zeigt sich hier eine Parallele zur Situation der Muslime in der heutigen Welt. Die zahlreichen Kommentare, die unter dem vielgesehenen Video hinterlassen wurden, machen die Attraktivität dieser Sichtweise deutlich. „Was das für eine Ehre ist, ein Fremder zu sein, zu den zu gehören, die ALLAH liebt in dieser heutigen Zeit“, schreibt einer. „Wenn wir nur wüssten, wie wertlos diese Dunja (diese Welt) ist, wenn wir das nur wüssten! Ich bitte ALLAH, dass er uns alle standhaft im Glauben macht, egal was passiert. Dass wir zu den Geduldigen und den Wahrhaften gehören, wie der Prophet – Friede sei mit ihm – und seine Gefährten werden. Amin.“

Diese Wahrnehmung der eigenen Fremdheit spiegelt sich auch in den Protesten salafitischer Initiativen gegen rassistische und antimuslimische Übergriffe. Die Übergriffe sind Anlass, gerade die Unterschiede zu Nicht-Muslimen herauszustellen und die gemeinsame Identität als Angehörige einer „verfolgten Gemeinschaft“ zu bekräftigen.