Protest, Provokation und Propaganda – Fortbildungen, Begleitungen und Beratungen für pädagogische Fachkräfte in der Islamismusprävention in Berlin

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Eine Lehrerin schildert folgende Situation: Nach den großen Ferien trägt eine Schülerin plötzlich Kopftuch. Die Lehrerin ist unsicher: Soll sie das junge Mädchen darauf ansprechen? Wenn ja, wie könnte eine gelungene Ansprache aussehen? Und soll sie das Thema in der Klasse ansprechen?

Ufuq.de startete im Herbst 2015 das Projekt „Protest, Provokation und Propaganda“. In dem Projekt werden Multiplikator_innen zu den Themen Islam, Islamismus und Islamfeindlichkeit fortgebildet und Institutionen langfristig beraten.

Die Zielgruppen der Fortbildungen kommen aus der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit, aber auch Theater, Kommunalverwaltung oder Jugendhilfe. Im Mittelpunkt stehen die Themen, die derzeit in der Öffentlichkeit heftig diskutiert werden: Islam in Deutschland, der Umgang mit Geflüchteten und die Prävention religiös-extremistischer Gewalt.

Ein Ansatz unserer Fortbildungen ist es, für eine Offenheit gegenüber den religiösen Interessen muslimischer Jugendlicher zu werben und gleichzeitig davor zu warnen, alle Konflikte durch eine religiös-kulturalistische Brille zu betrachten.

Neben religiösen Fragen greifen wir Themen wie Identität und Diskriminierungserfahrungen von Jugendlichen in der Gesellschaft auf und setzen uns mit deren Bedeutung in Radikalisierungsprozessen auseinander. Anhand von Filmmaterialien und gezielten Übungen zeigen wir, welche Haltungen den Frust von Jugendlichen begünstigen oder schnell ein Gefühl von Inakzeptanz und Ausgrenzung hervorrufen können. Dabei geht es also auch um eine Sensibilisierung über mögliche eigene Vorurteile bei Lehrer_innen und Pädagog_innen. Hinzu kommt die Beschäftigung mit salafistischer Propaganda und Hintergründen von Radikalisierungen. Was macht den Salafismus bei Jugendlichen so attraktiv und was können Pädagog_innen dem entgegensetzen?

Teilnehmer_innen unserer Fortbildungen treten oft an uns heran und erwarten eine Checkliste: Woran lassen sich radikalisierte Jugendliche erkennen und wie kann dem Einfluss der Radikalen entgegengewirkt werden. Aus der Arbeit mit Jugendlichen wissen wir jedoch, dass es bei radikal klingenden Aussagen von Jugendlichen genau zu unterscheiden gilt: Was ist Protest oder Provokation? Wann ist es Propaganda? Wir richten das Augenmerk auf die Angebote religiös-extremistischer Strömungen und fragen, wie Schule und Zivilgesellschaft Angebote schaffen können, die auf den Bedarf von Jugendlichen eingehen. Wir thematisieren in den Fortbildungen die zunehmende Polarisierung der Gesellschaft und setzen dieser einen konstruktiven Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt entgegen. Vor diesem Hintergrund arbeiten wir zu Themen wie antimuslimischen Rassismus und islamistischer Radikalisierung.

2016 konnten fast 800 Lehrer_innen, Sozialarbeiter und Schulpädagoginnen von unserer Expertise profitieren.

Das Projekt wird von der Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung in Berlin gefördert (Förderzeitraum 1. Okt. 2015 – 31. Dez. 2019).

Ansprechpartnerin:

Mirjam Gläser (ufuq.de)
Telefon: 030-98341051

Gefördert durch:

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