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Wie wollen wir leben?
Workshops für Jugendliche

Bitte beachten Sie, dass die Schwerpunktsetzung der Workshop-Inhalte je nach Region variieren kann. Im Zweifelsfall stehen Ihnen unsere Ansprechpartner*innen zur Verfügung.

Die ufuq.de-Teamer*innen-Workshops mit Jugendlichen in Schule und Jugendarbeit sind Teil der Angebote unserer Fachstelle für Pädagogik zwischen Islam, Antimuslimischem Rassismus und Islamismus in Berlin sowie der Fachstelle zur Prävention religiös begründeter Radikalisierung in Bayern.

Deutschland ist eine postmigrantische Gesellschaft: Es gibt einen gesellschaftlichen Transformationsprozess, in dem Migration als Phänomen und gesellschaftliche Realität anerkannt wird. Islam und Muslim*innen sind inzwischen ein selbstverständlicher Teil dieser Gesellschaft. Ebenso selbstverständlich ist, dass der Transformationsprozess auch Fragen, Herausforderungen und Konflikte mit sich bringt. In Schule und Jugendarbeit wird er bergleitet durch unterschiedliche Formen von Abwertung, Stigmatisierung und Diskriminierung oder Kontroversen und Fragen um Zugehörigkeit und Geschlechterrollen.

Unsere von jungen Teamer*innen geleiteten Workshops bieten Jugendlichen Raum und Zeit für Gespräche und Auseinandersetzungen über Fragen zu Diskriminierungserfahrungen, Religion, Identität und Zugehörigkeit und fördern die Teilhabe und Engagement von Jugendlichen (insbesondere aus ‚muslimischen‘ Familien) und sensibilisieren für demokratie- und freiheitsfeindliche Einstellungen.

 

Teamer*innen und Niedrigschwelligkeit 

Die Workshops werden von Teamenden in Schulklassen und Jugendeinrichtungen an einem Projekttag oder über drei Tage in je 90 Minuten durchgeführt. Die Teamer*innen sind zwischen 20 und 30 Jahren alt und mehrheitlich muslimischer Herkunft (mehr oder weniger religiös). Mit ihren Persönlichkeiten und unterschiedlichen Biografien erleichtern sie das Gespräch mit Schüler*innen und ermöglichen einen niedrigschwelligen Einstieg in Fragen rund um die Themen Islam, (antimuslimischen) Rassismus und Islamismus, ohne dabei als ‚Islamexpert*innen‘ oder Theolog*innen zu agieren. Vielmehr regen sie das Gespräch in der Gruppe an und machen unterschiedliche Perspektiven deutlich. 

Zwar sind religiöse Fragen, die viele Jugendliche beschäftigen, häufig ein Aufhänger für unsere Workshops. Die Workshops sind aber kein ‚Religionsunterricht‘. Vielmehr sollen sie ein reflektiertes Selbstverständnis und einen konstruktiven und pluralistischen Umgang mit religiös und nichtreligiös begründeten Werten und Normen fördern. So stehen hinter religiös formulierten Positionen von Jugendlichen oft legitime Wünsche nach Anerkennung und Zugehörigkeit. Gemeinsam mit den Jugendlichen „übersetzen“ wir diese Positionen in allgemeine ethische und gesellschaftliche Fragen, in denen dann religiöse Perspektiven ebenso eine Rolle spielen wie nichtreligiöse.           

Die Abläufe der Workshops werden ausgewertet und ihre Inhalte und Methoden kontinuierlich angepasst und weiterentwickelt. Sie können von Schulen und Jugendeinrichtungen kurzfristig und nach Bedarf bzw. zu jeweils aktuellen Themen unter den Jugendlichen angefragt werden. So können die Teamer*innen ohne längeren Vorlauf direkt auf die jeweilige Situation in den Klassen und Jugendeinrichtungen reagieren. 

 

Denkanstöße und neue Perspektiven 

Die Workshops bringen die Jugendlichen untereinander ins Gespräch. Dabei können neue Gedanken angestoßen und Perspektiven eröffnet werden – in religiösen wie in politischen, gesellschaftlichen, schulischen oder alltagsweltlichen Fragen. 

Unsere Erfahrungen zeigen: Eigene Gedanken entwickeln und formulieren zu können, schützt Jugendliche vor einfachen Welt- und Feindbildern. Jugendliche erleben Vielfalt sowie unterschiedliche Formen von Religiosität und Werteorientierung als Bereicherung. Die Workshops fördern ihr Verständnis für Pluralismus und Demokratie. Endpunkt der Workshops ist eine Auseinandersetzung mit der Frage „Wie wollen wir leben?“ – in der Klasse, der Schule, im Kiez und in der Gesellschaft. Hier können sich die Jugendlichen unabhängig von Herkunft, Religion und Religiosität mit den ihnen schon vertrauten oder mit neu entdeckten Perspektiven einbringen. 

Die Wirksamkeit des Angebots spiegelt sich im Feedback, das wir sowohl von Jugendlichen („Hier konnte man endlich mal über alles reden!“) als auch von Lehrkräften erhalten („Das Klima in der Klasse hat sich total verändert“). 
 

Materialien

Das Heft „Methoden für die pädagogische Arbeit zu Islam, Antimuslimischem Rassismus und Islamismus“, in dem einige Methoden der Workshops vorgestellt werden,  finden Sie hier.

Das Filmpaket „Wie wollen wir leben?-Filme und Methoden für die pädagogische Praxis zu Islam, Islamfeindlichkeit, Islamismus und Demokratie“ können Sie hier herunterladen und bestellen. 

Hier finden Sie Kurzvideos (u.a. zu Aussteiger*innen aus dem Salafismus sowie zu Islam und LGBTQI*) aus der Reihe Alternativen aufzeigen!“, die ufuq.de zusammen mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaft (HAW) in Hamburg im Auftrag des BMFSFJ für die pädagogische Arbeit produziert hat.  

„Wie wollen wir leben?“   Übersicht der Workshop-Module

Aus diesen Modulen können Sie sich das Passende heraussuchen.

I.

Modul „Glauben, Islam und Ich“

Über die Vielfalt von Islam und muslimischem Leben in Deutschland. Woran glaubst du, was ist dir wichtig? (ab Klasse 5) 

Was ist muslimisches Leben in Deutschland? In diesem Workshop beschäftigen sich die Jugendlichen vor allem mit ihrem Verständnis von Islam und Religionen und mit ihrer eigenen Lebensphilosophie. Im Zentrum stehen drei Animationsfilme der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), in denen es um die Bedeutung von Religion sowie um Islam und den Alltag von Muslim*innen in Deutschland geht. Die Frage „Wie wollen wir leben?“ bildet die inhaltliche Klammer – sie geht alle etwas an, gleich ob muslimisch oder nichtmuslimisch, religiös oder nichtreligiös. 

II.

Modul „Männerbilder, Frauenbilder und Islam“

Über Geschlechterrollen, Normkonstruktionen und was das mit dem Islam zu tun hat (ab Klasse 8) 

Typisch Mädchen, typisch Junge. Und im Islam haben die einen weniger Rechte als die anderen…. Aber ist das wirklich so? Im Rahmen des Workshops beschäftigen sich die Jugendlichen mit ihren eigenen Vorstellungen von Geschlechterrollen, setzen sich mit Normkonstruktionen auseinander, diskutieren, was das eigentlich mit dem Islam zu tun hat und wie sie selbst zusammenleben wollen. 

III.

Modul „Diskriminierung und Empowerment“

Über Erfahrungen…. (für mehrheitlich muslimisch sozialisierte Jugendliche ab Klasse 8)

„Muslime sind.“ – darüber wie „Muslim*innen“ sind, haben wir alle Vorstellungen und Bilder im Kopf. Häufig sind sie verbunden mit Vorurteilen oder sogar Feindbildern. Auch deshalb machen Menschen, die als Muslim*innen gesehen werden, immer wieder schwierige Erfahrungen. Im Workshop sprechen die Jugendlichen über ihre eigenen Diskriminierungserfahrungen, erarbeiten gemeinsam ein übergreifendes Verständnis davon, was Diskriminierung eigentlich ist, und sie diskutieren über Möglichkeiten, sich gegen Diskriminierungen einzusetzen. 

IV.

Modul „Alle Muslime sind…“

Über Stereotypen…. (für mehrheitlich nichtmuslimische Jugendliche ab Klasse 9) 

Die Jugendlichen in der Gruppe setzen sich im Rahmen des Workshops mit Stereotypen, Vorurteile und Ressentiments auseinander – nicht nur aber insbesondere zu Islam und Muslim*innen. Sie beschäftigen sich mit ihren Erfahrungen mit Diskriminierung, mit der Rolle von Medienberichterstattungen (und sozialen Medien) und reflektieren, wie ihre eigenen Bilder und Vorstellungen entstehen.

V.

Modul „Identität(en)“

Über Zugehörigkeit und Ausgrenzung in der Migrationsgesellschaft (ab Klasse 9) 

Identität, Zugehörigkeit und Anerkennung sind Themen, die für Jugendliche besonders wichtig sind. Dabei steht die Frage, wer man ist und sein möchte, immer im Zusammenhang mit der Erfahrung, wie man von außen wahrgenommen wird. Davon sind Jugendliche of Colour in besonderer Weise betroffen – auch weil ihre Zugehörigkeit in der Öffentlichkeit beständig diskutiert und angezweifelt wird. Die Jugendlichen reflektieren im Workshop über Fremd- und Selbstwahrnehmungen. Sie werden bestärkt, kollektive Zugehörigkeiten und Zuschreibungen zu hinterfragen und die Vielschichtigkeit von Identität(en) zu erkennen.    

VI.

Modul „Salafismus“

Über Attraktivität und Problematik salafistischer Ansprachen und Angebote (ab Klasse 10) 

„Salafismus“, „Islamismus“, „Dschihadismus“ – diese Begriffe kennen viele Jugendliche vor allem aus Medienberichten. Aber was bedeuten sie und was steckt hinter den Phänomenen? Am Beispiel des Salafismus beschäftigt die Schüler*innen im Workshop die Frage, warum ideologische Angebote für einige Jugendliche in bestimmten Lebensphasen attraktiv sein können. Dabei wird auch die Problematik salafistischer und anderer extremistischer Angebote deutlich.  

VII.

Modul „Verschwörungsmythen erkennen und enttarnen“

Über Verschwörungstheorien und kritische Medienkompetenz (ab Klasse 8), buchbar an einem Projekttag (ca. fünf Stunden)

Spätestens seit der Covid-19-Pandemie haben Verschwörungstheorien Hochkonjunktur. Viele dieser teilweise absurden Ideen verbreiten sich rasch über das Internet und finden so auch Eingang in die Klassenzimmer. In diesem Modul setzen sich die Schüler*innen mit der Wirkung und Funktionsweise von Verschwörungstheorien auseinander. Sie reflektieren dafür zunächst ihr eigenes Wissen über das Thema und konstruieren unter Anleitung eine eigene Verschwörungstheorie. Schließlich üben sie, wie Verschwörungstheorien entkräftet werden können.

GEFÖRDERT VON IM RAHMEN DES BUNDESPROGRAMMS
Ansprechpartner*innen
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Dalal Mahra dalal.mahra@ufuq.de
Julia Schwieder julia.schwieder@ufuq.de
Büşra Köse b.koese@ufuq.de
Vera Şimşek v.simsek@ufuq.de
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