Neue ufuq.de-Handreichung: „Herausforderungen bei der Qualifizierung von Teamer*innen in der universellen Prävention“

Welche Herausforderungen ergeben sich bei der Umsetzung von Peer Education Ansätzen? Welche Qualifikationen müssen Peer educators mitbringen? Welche Begleitung ist notwendig? Bei einem Fachtag, den ufuq.de im November 2021 im Rahmen von KN:IX – Kompetenznetzwerk Islamistischer Extremismus mit Fachkräften in der universellen Islamismusprävention durchführte, standen diese Fragen im Mittelpunkt. Der Austausch mit Akteur*innen aus der Praxis brachte interessante Erkenntnisse, die in der neuen Handreichung festgehalten wurden: Es gibt vielfältige Ansätze, aber auch Hürden, die bei der Umsetzung zu beachten sind. Die Ergebnisse des Fachtages werden nun in einer Handreichung veröffentlicht.

Peer Education ist ein bewährter Ansatz der politischen Bildung zur Entwicklung einer demokratischen Haltung und Prävention menschenverachtenden Denkens. Auch in der universellen Präventionsarbeit wird dieser Ansatz von vielen Projekten umgesetzt. Dabei sollen die Bildungsprozesse durch Teamer*innen partizipativ und mit der nötigen Fach-, Methoden- und Medienkompetenz gestaltet werden. Doch welche Kompetenzen und (strukturellen) Rahmenbedingungen sind erforderlich, um Teamer*innen für ihre Rolle zu qualifizieren? Worauf sollte bei der inhaltlichen und methodischen Begleitung geachtet und welche Prioritäten sollten dabei gesetzt werden? Welche Rolle kommt der Reflexion der eigenen Haltung und der jeweils eigenen Privilegien und Wertvorstellungen zu? Über diese und weitere Fragen haben wir auf dem Fachtag „Peer Education in der universellen Islamismusprävention“ am 26. November 2020 mit Referent*innen, Teamer*innen und interessierten Teilnehmer*innen diskutiert. Dabei war es uns wichtig, sowohl die Perspektive der Projektverantwortlichen als auch die der Teamer*innen zu hören.

Die Publikation im A4-Format umfasst 20 Seiten.

Darin finden Sie folgende Kapitel:

1. Standards und Herausforderungen in der Peer Education beim NDC
2. Qualifizierung und Begleitung aus der Perspektive von Teamer*innen
3. Leitgedanken zur Qualifizierung: Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen
4. Ausgewählte Peer Education Projekte stellen sich vor: Ziele – Qualifizierung – Herausforderungen
5. Weiterführende Literatur und Materialien

Download und Bestellung

Sie können die Broschüre hier herunterladen (pdf). Berliner*innen können das Druckexemplar gegen Erstattung der Versandkosten (2,50 Euro für 1 bis 2 Exemplare, 3,50 Euro für 3 bis 4 Exemplare, Versandkosten für mehrere Exemplare auf Anfrage) unter bestellung@ufuq.de bestellen.


Drei Fragen an Canan Korucu, Co-Geschäftsführerin von ufuq.de und eine der Autor*innen der Broschüre

Worum geht es in der Handreichung und welche Leerstellen soll sie benennen?

Es gibt vielfältige Peer Education Ansätze, ob in der Bildungsarbeit in Museen, an Hochschulen oder in der Präventionsarbeit. Ihnen allen ist gemeinsam, dass junge Erwachsene mit (nahezu) Gleichaltrigen auf Augenhöhe zu gesellschaftspolitischen Themen arbeiten. Mit der Handreichung wollen wir diese Vielfalt mit ihren spezifischen Herausforderungen sichtbar machen und gleichzeitig zum Erfahrungsaustausch und zur Vernetzung von Trägern beitragen.

Wir hoffen, dass die Perspektiven der Teamer*innen, deren Sichtbarmachung uns wichtig war, Impulse und Anregungen zur Weiterentwicklung der bestehenden und zukünftigen Peer Education Projekte geben.

Was waren für dich die überraschendsten Erkenntnisse aus der Veranstaltung?

Die Qualifizierung zielt insbesondere darauf, dass die Teamer*innen mit sehr herausfordernden Situationen umgehen können. Dazu gehört z. B. der Umgang mit rassistischen, antisemitischen, islamistischen oder sexistischen Äußerungen durch Schüler*innen. Aber auch pädagogische Fachkräfte können die Workshoparbeit der Teamer*innen durch wenig vorurteils- und diversitätsbewusste Äußerungen und Haltungen erschweren. Wobei sich die Teamer*innen auf Äußerungen von Schüler*innen durch die Qualifizierung eher vorbereitet fühlen als auf die von pädagogischen Fachkräften. Eine weitere Herausforderung bestünde darin, so die Teamer*innen, wenn pädagogische Fachkräfte ihnen die Moderation und inhaltliche Gestaltung des Workshops – trotz vorheriger Absprache – nicht überlassen wollen.

Der Fachtag hat deutlich gemacht, dass es (1) den Bedarf am Erlernen von Umgangsstrategien mit dominanten und wenig diskriminierungssensiblen pädagogischen Fachkräften gibt, (2) die Themen menschenverachtende Einstellungen, Rassismus und Polarisierung auch weiterhin in der Bildungsarbeit (und auch nicht nur dort) eine wichtige Rolle spielen werden und (3) der Ansatz der Intersektionalität in der Qualifizierung von Teamer*innen sowie in der Ausbildung von pädagogischen Fachkräften nicht außer Acht gelassen werden darf.

Inwiefern ließen sich die Erkenntnisse auf andere Projekte übertragen?

Der Fachtag hat den Weiterbildungsbedarf sowohl der Teamer*innen als auch der pädagogischen Fachkräfte unterstrichen und dabei die thematischen Schwerpunkte aufgezeigt. Dieses Wissen werden wir in der Konzeption und Weiterentwicklung unserer Angebote berücksichtigen. Wir würden uns freuen, wenn die Handreichung auch anderen Trägern Anregungen dazu geben kann.

 

Herausgeber der Handreichung ist ufuq.de im Rahmen von Kompetenznetzwerk Islamistischer Extremismus / KN:IX. Das Projekt wurde gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für die Förderung des Modellprojektes im Rahmen des Bundesprogrammes „Demokratie leben!“ sowie der Bundeszentrale für politische Bildung. Der vorausgegangene Fachtag wurde im selbigen Rahmen organisiert.

 

Die Beiträge im Portal dieser Webseite erscheinen als Angebot von ufuq.de im Rahmen des Kompetenznetzwerkes Islamistischer Extremismus / KN:IX.