Neue Haltungen gegen Unmut: Forderungen an eine gesamtgesellschaftliche Präventionsarbeit

„Nur wenn Jugendliche sich in ihrem Unwohlsein, ihrer Angst oder eben Wut anerkannt fühlen, kann von ihnen erwartet werden, in einem zweiten Schritt eigenes Schwarz-Weiß-Denken und eigene Feindbilder zu hinterfragen“, schreibt Sindyan Qasem in seinem Beitrag zu einem gesamtgesellschaftlichen Verständnis von Präventionsarbeit. Die Prävention von demokratie- und freiheitsfeindlichen Einstellungen beinhaltet auch die Bereitschaft, die Erfahrungen von jungen Muslim_innen ernst zu nehmen und in der Bildungsarbeit aufzugreifen.  

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Jugendliche, die sich als muslimisch identifizieren, erleben ihre Religion nicht selten als Gegenstand von Debatten um Sicherheit, Integration und Feindlichkeiten. Die alltägliche Selbstverständlichkeit, mit der gerade viele junge Menschen, „Muslimisch- und Deutschsein“ mit Bedeutung füllen wollen, wird dabei sowohl von muslimischer als auch nichtmuslimischer Seite in Frage gestellt und abgelehnt. Der dadurch entstehende Unmut schafft für viele Jugendlichen erst das Klima, in dem radikale Antworten interessant werden. Eine Präventionsarbeit, die konstruktiv Ideologisierungen junger, sich als muslimisch verstehender Menschen vorbeugen will, sollte deshalb auch die gesamtgesellschaftliche Anerkennung deutsch-muslimischer Identitäten fördern und Jugendliche in die Lage versetzen, die Deutungshoheit über „ihren“ Islam zurückzugewinnen.

Als sich ihre Tochter auf den Platz neben mich setzen wollte, hat sie ihr Kind weggezogen und woanders hingesetzt. Ich war sprachlos darüber, mit welchem Verständnis die nächste Generation aufwachsen muss“ – diese in der Online-Ausgabe einer Lokalzeitung erschienene Dokumentation von Rassismus gegenüber einer kopftuchtragenden Frau wird auf der Facebook-Seite MuslimStern[i] ergänzt mit den Worten: „Leider kein Einzelfall in der heutigen Zeit. Die Spaltung der Gesellschaft wird von zionistischen und rechtsextremistischen Gruppen erfolgreich vorangetrieben.

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Sindyan Qasem ist Sprach- und Kulturwissenschaftler und wissenschaftlicher Mitarbeiter von ufuq.de. Zu seinen Schwerpunkten zählen Erfahrungen gruppenbezogener Menschenfeindlich-keit unter Jugendlichen, Empowerment und Immunisierung gegen Propaganda sowie post-koloniale Identitätskonstruktionen. Er koordiniert das Projekt „Was postest Du? Politische Bildung mit jungen Muslim_innen online.“

Der von knapp 10.000 Nutzer_innen abonnierte MuslimStern hat es sich laut Betreiber der Seite zum Auftrag gemacht, über Diskriminierung „gegen die muslimische Minderheit“ aufzuklären.[ii] MuslimStern vermischt dabei neutrale Berichterstattungen, politikmüde Gesellschaftskritik oder aufrichtige Betroffenheit mit Feindbildern, Opferideologie und Verschwörungstheorien. Mittels Verlinkungen auf rassismuskritische Berichte auf deutschen Nachrichtenportalen und kurzen, tendenziösen Kommentaren zur Flüchtlingspolitik, zu Islamfeindlichkeit, antimuslimischem Rassismus oder zum „Islamischen Staat“ zeichnet der Facebook-Auftritt das Bild einer muslimischen Community, die sich gegen hetzerische Medien, korrupte Politiker_innen und eine durch und durch rassistische deutsche Gesellschaft zur Wehr setzen und behaupten müsse. Derartige Selbstviktimisierungen, die in Verschwörungstheorien und strikt bipolaren Weltsichten eingebettet werden, sind charakteristisch für eine Vielzahl von demokratie- und freiheitsfeindlichen Bewegungen. Und unter anderem ebnen solche Narrative den Weg in – oft unter dem Sammelbegriff „islamistisch“ gefasste – problematische Gruppierungen und Milieus.

Allerdings vertritt nur ein Teil der Nutzer_innen derartiger Facebook-Seiten und Web-Angebote im Alltag ideologische Positionen, und die wenigsten dürften tatsächlich in „islamistische“ oder „salafistische“ Netzwerke eingebunden sein. Auch eine Faszination für Gewalt ist hier nur in Einzelfällen zu beobachten. Gleichwohl illustriert das oben beschriebene Beispiel vom MuslimStern die Attraktivität und die Lebensweltnähe derartiger Aussagen: Angesprochen werden Ungerechtigkeiten, die für viele Jugendliche – oft unabhängig von Religion und Herkunft – relevant sind. Und hinter harschen Aussagen und ideologischen Positionen verstecken sich oft Motive, die als Arbeitsaufträge für Ansätze der politischen Bildung und Präventionsarbeit zu verstehen sind.

So sind Benachteiligungen bei der Wohnungs- und Arbeitsplatzsuche, Anschläge auf Moscheegebäude, einseitige Repräsentation und sogar physische Gewalt real existierende Phänomene, die sich nicht nur in radikal nationalistischen und/oder rechten Kreisen finden lassen. Die verzerrte Wahrnehmung von Menschen mit muslimischem Glauben als „Problemgruppe“ zieht sich quer durch alle Schichten und existiert unabhängig von politischen Grundansichten.[iii] Im Internet finden sich beispielsweise islamfeindliche und rassistische Äußerungen nicht nur auf den Seiten einschlägiger Islamhasser_innen. Sie tauchen beinahe überall dort auf, wo über Muslim_innen gesprochen und geschrieben wird, etwa in den Kommentarspalten unter Online-Artikeln großer Zeitungen.

Auch Schulen sind als Spiegel der Gesellschaft nicht frei von diskriminierenden Ansichten und Verhaltensformen. Natürlich lässt das junge Muslim_innen nicht kalt. In vielen Beiträgen sowohl in sozialen Netzwerken als auch in Workshops[iv] zeigt sich das Bedürfnis, persönliche Diskriminierungserfahrungen oder Erlebnisse der Eltern zu verarbeiten und über Sorgen um berufliche Perspektiven und ihre Angst zu sprechen. Teilweise schlägt diese Angst in Wut um. Einige Jugendliche machen dann pauschal „den Staat“, „die Politiker“, „die Medien“ oder einfach „die Deutschen“ für erfahrene Diskriminierung verantwortlich.

Diese Enttäuschung und Wut junger Muslim_innen kann von islamistischer Propaganda instrumentalisiert werden. Dann verdichten sich reale Erfahrungen und ideologische Deutungsmuster zu geschlossenen Feindbildern: Muslim_innen sind demnach eine von allen Seiten bedrohte Gruppe, die sich gegen Feindlichkeit und Rassismus wehren müssen – wenn nötig sogar mit Gewalt. Diese sich ausschließlich als Opfer eines gesamtgesellschaftlichen Ressentiments verstehende Sichtweise verhindert gleichzeitig ein aktives und konstruktives Engagement gegen Diskriminierung.

Umso wichtiger ist es in der pädagogischen Arbeit und politischen Bildung, die Sorgen, Ängste und Befinden der Jugendlichen anzuerkennen und ins Gespräch zu bringen. Der Umgang mit Diskriminierungserfahrungen, Unmut, Unbehagen aber auch Wut sollte dabei behutsam erfolgen. Gerade weil Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus keine Fantasien sind, gilt es zu Beginn vor allem eines zu tun: Zuzuhören und aufrichtiges Interesse zu zeigen. Auch wenn einige Aussagen den unmittelbaren Reflex hervorrufen, „Das stimmt so nicht!“ zu sagen: Nur wenn Jugendliche sich in ihrem Unwohlsein, ihrer Angst oder eben Wut anerkannt fühlen, kann von ihnen erwartet werden, in einem zweiten Schritt eigenes Schwarz-Weiß-Denken und eigene Feindbilder zu hinterfragen. Es kann in diesem Zusammenhang durchaus sinnvoll zu vermitteln sein, dass Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus eine Spielart gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit darstellen.[v] Sobald Jugendliche nachvollziehen, dass unterschiedliche Arten von Diskriminierung, so zum Beispiel auch Sexismus, Behindertenfeindlichkeit, Homophobie oder Antisemitismus, mittels ähnlicher Mechanismen funktionieren, sind sie auch in der Lage, sich selbstkritisch mit eigenen Kategorisierungen auseinanderzusetzen und zu erkennen, dass keineswegs nur Muslim_innen von Diskriminierung betroffen sein können. So sind Jugendliche, die bereits Erfahrungen mit einem sogenannten Zugehörigkeitsregime[vi] gemacht haben, schnell in der Lage, Mechanismen verschiedener Diskriminierungsformen zu erkennen. Auf dieser Grundlage können sie sich auch selbstreflektiert der Frage nähern, inwiefern Religionszugehörigkeiten und -praktiken in einem selbstverständlichen gesellschaftlichen Miteinander arrangiert werden können. Die Leitfrage „Wie wollen wir leben?“ erlaubt es Jugendlichen, sich eigene Gedanken zu und Vorschläge für die Basis dieses gesellschaftlichen Miteinanders zu machen – die zum Beispiel in der Schule auch umgesetzt werden können.

Denn nicht nur die Selbstreflexion auf kognitiver Ebene, sondern auch die Erfahrung von Selbstwirksamkeit ist wichtig. Daher sollten diese Argumentation immer vom Ausprobieren verschiedener Handlungsmöglichkeiten und aktiven Engagements gegen Diskriminierung und für gesellschaftliche Teilhabe begleitet werden. Schließlich ist es eine erlebte Ohnmacht und Hilflosigkeit angesichts als unveränderbar empfundener Missstände, die Jugendliche für simplifizierte und ideologische Deutungsangebote empfänglich macht. Ausgangspunkt dafür können Suchbewegungen sein: „Wer bin ich?“, „Wie will ich sein?“, „Wo will ich hin?“, „Warum ist die Welt so ungerecht?“.

Diese Orientierungsprozesse vieler junger, mehr oder weniger religiöser Muslim_innen können als emanzipatorisch und integrativ gelesen werden, weil sie letztlich darauf abzielen, als gleichberechtigte Teile der deutschen Gesellschaft anerkannt zu werden. Problematisch wird es erst, wenn Jugendlichen diese Anerkennung verwehrt bleibt und sie auf ihre Fragen keine oder nur ideologisch eingefärbte Antworten bekommen. So greifen Vorträge und Videos, die zum Beispiel von Plattformen wie Generation Islam oder Die Wahre Religion[vii] verbreitet werden, diese Fragen nach Identität, Orientierung und Sinn auf, um ihre jeweils eigenen ideologischen Weltsichten zu verbreiten. Nicht selten verweisen sie auf Phänomene, die die Unmoral, den Hedonismus und den Individualismus einer Gesellschaft belegen sollen, die die muslimischen Jugendlichen kategorisch zurückweise. Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen werden dort ebenso thematisiert wie Glücksspiel, YouPorn oder die Macht der Banken – die Auswahl ist nicht zufällig, sondern umfasst Themen, die gesellschaftlich umstritten sind und mit Unbehagen von vielen Menschen unabhängig von Herkunft oder Religionszugehörigkeit verfolgt werden.

Eine erfolgreiche Präventionsarbeit steht also immer vor der Herausforderung, sensibel auf Betroffenheit und Unsicherheit zu reagieren, Ideologisierungen zuvorzukommen und gleichzeitig Stigmatisierungen in der Ansprache der Jugendlichen zu vermeiden, um möglicherweise vorhandenen Unmut nicht zu verstärken. Das Ziel präventiver Arbeit kann daher nicht lediglich das „aufklärerische“ Verhindern von Ideologisierungen sein, sondern umfasst das Schaffen alternativer Angebote, die der Faszination für ideologische Deutungsmuster entgegenwirken und reale Perspektiven in der Gesellschaft aufzeigen. Und dieses Alternativangebot muss ebenfalls attraktiv für Jugendliche sein und in einer jugendgerechten Sprache formuliert werden. Um das zu erreichen hilft durchaus die Frage: „Was schaffen Hizb-at-Tahrir, der szenebekannte Salafist Sven Lau oder MuslimStern, was wir nicht schaffen?“ Teilhabe an der Gesellschaft muss attraktiver sein als der Rückzug in Ideologie.

Präventionsarbeit bezieht sich deshalb auf „ganz normale“ Jugendliche und junge Erwachsene, die bei unterschiedlichen Gelegenheiten mit ideologisierenden Ansprachen in Kontakt kommen können. Damit unterscheidet sie sich ausdrücklich von einer Deradikalisierungsarbeit mit einzelnen Personen, die bereits in einschlägigen Gruppierungen aktiv sind und entsprechende Weltbilder und Verhaltensmuster verinnerlicht haben. Eine so verstandene primäre oder universelle Prävention setzt also nicht erst bei Gewaltorientierung an, sondern soll demokratie- und freiheitsfeindlichen Positionen oder und Verhaltensformen weit im Vorfeld etwaiger Ideologisierungen vorbeugen.

In den fachwissenschaftlichen Diskussionen über Ansätze einer konstruktiven Präventionsarbeit wird die Vielfalt der Handlungsfelder sichtbar, in denen das Schaffen solcher alternativen Angebote denkbar ist.[viii] Diese reichen von der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit, der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, der Erziehungsberatung, sozialpsychologischen Einrichtungen, der Vereins- und Verbandsarbeit bis hin zu Angeboten der Jugend- und Sozialämter und der Polizei. In der praktischen Arbeit wurde gerade die Bedeutung einer Vernetzung unterschiedlicher Akteur_innen sichtbar, um jugendphasentypische Verunsicherungen und Anpassungskrisen aufzufangen und Handlungskompetenzen im Sinne realer Teilhabechancen zu fördern und zu stärken. Prävention ist dann politische Bildung, Demokratiestärkung und Förderung von gesellschaftlicher Kohäsion in einem – und zwar unabhängig von einer bestimmten Zielgruppe. Anstatt durch die Konstruktion einer vermeintlich einheitlichen und als in besonderem Maße zu beobachtenden Gruppierung wie „junge Muslim_innen“ ohnehin vorhandene gesellschaftliche Stigmatisierungen noch zu verstärken, kann Präventionsarbeit auch als Beitrag zu einem gesamtgesellschaftlichen Wandel im Umgang mit Fragen zu Islam, Religiosität und antimuslimischem Rassismus verstanden werden.

Nicht nur Jugendliche sind im Kontext einer so verstandenen Prävention angehalten, Haltungen zu hinterfragen. Auch Pädagog_innen, Mitarbeiter_innen der kommunalen Verwaltungen, Politiker_innen und Medienschaffende reflektieren dann über ihren Umgang mit „dem Islam“. So bedeutet Prävention neben sensiblem Umgang mit Diskriminierungserfahrungen, neben dem vorbeugen von Ideologisierungen und neben dem Angebot von Partizipationsmöglichkeiten auch, dass jungen Menschen überall vermittelt wird, dass Islam und islamisch motivierte Ideen keineswegs fremd oder gar demokratiefern seien, sondern selbstverständlich dazugehören. Es gilt, Islam als eine von vielen Ressourcen des gesellschaftlichen Miteinanders zu verstehen. Noch bestimmen foreign fighters, IS-Rückkehrer_innen und die Angst vor jihadistischen Gruppierungen die Debatten um Präventionskonzepte. Doch diese genannten Personenkreise benötigen deradikalisierende Maßnahmen, von denen es bereits erfolgreiche Ansätze gibt. Jedoch kann nur eine auf lange Sicht angelegte, umfassende, inklusive und sensible Präventionarbeit zu einem gesellschaftlichen Klima beitragen, in dem ideologisierende Rufe weitestgehend ungehört verhallen.

Der Beitrag erschien ursprünglich in dem Sammelband „Handlungsempfehlungen zur Auseinandersetzung mit islamistischem Extremismus und Islamfeindlichkeit : Arbeitsergebnisse eines Expertengremiums der Friedrich-Ebert-Stiftung“, Herausgegeben von Dr. Dietmar Molthagen für die Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Berlin, Berlin : Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Berlin, 2015.

Illustration: Die Kampagne #schauhin dokumentiert Alltagsrassismus und macht damit die Erfahrungen vieler Jugendlicher und junger Erwachsener mit Migrationsgeschichte sichtbar.

Quellen

[i] MuslimStern ist ein seit Ende 2014 aktiver Blog, der den Anspruch erhebt, Fälle islamfeindlicher und rassistischer Diskriminierung zu dokumentieren. Auf dem gleichnamigen Facebook-Auftritt des Blogs erscheinen regelmäßig neue Beiträge, die teilweise von mehreren Hundert Nutzer_innen geliked und kommentiert werden. Im Rahmen des Projektes „Was Postest Du? – Politische Bildung mit jungen Muslim_innen online“ intervenieren von ufuq.de geschulte Teamer_innen und mischen sich mit alternativen Sichtweisen in die oft einseitigen Diskussionen auf der Seite ein.

[ii] „Pro Mosaik interviewt MuslimStern“, 02.01.2015. http://promosaik.blogspot.de/2015/01/promosaik-ev-interviewt-muslimstern.html, 26.09.2015

[iii] Vgl.Andreas Zick, Anna Klein: Fragile Mitte – Feindselige Zustände. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland. Dietz-Verlag, Bonn 2014.

[iv] Erfahrungen aus den von ufuq.de angebotenen Workshops sind unter anderem zusammengefasst in: Jochen Müller, Götz Nordbruch, Deniz Ünlü: „Wie oft betest du?“ – Erfahrungen aus der Islamismusprävention mit Jugendlichen und Multiplikatoren, in: Wael El-Gayar, Katrin Strunk (Hg.): Integration versus Salafismus. Identitätsfindung muslimischer Jugendlicher in Deutschland, Wochenschau Verlag, Schwalbach 2014.

[v] Nicht nur in Bezug auf antimuslimischen Rassismus ist die Verwendung des Konzeptes gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sinnvoll. Werden sogenannte islamistische oder salafistische Ideologien ebenfalls als Form der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit verstanden, verringert sich die Gefahr einer korrelativen Gleichsetzung von Religiosität und Ideologie. Gleichzeitig können zum Beispiel systematisch Ähnlichkeiten in den Ideologien der Ungleichwertigkeit sowohl von islamistischer als auch islamfeindlicher Seite nachvollzogen werden.

[vi] Birgit Rommelspacher: Was ist eigentlich Rassismus? In: Claus Melter, Paul Mecheril (Hg): Rassismuskritik: Rassismustheorie und -forschung. 2. Aufl. Wochenschau Verlag, Schwalbach 2011, S. 25-38.

[vii] Das Webportal Generation Islam steht der islamistischen Hizb-at-Tahrir nahe. Es bietet Jugendlichen in ansprechend produzierten und an den jugendlichen Intellekt appellierenden Erklär-Videos ideologische Deutungsangebote zu aktuellen Fragen. Die vor allem durch zahlreiche Quran-Verteilungsaktionen bekannt gewordene Gruppierung „Die Wahre Religion“ unterhält ein Webangebot mit dem Anspruch, theologisch klare Antworten auf religiöse Fragen zu geben und ist vor allem für „Einsteiger_innen“ in die islamistische Gedankenwelt interessant.

[viii] Zum Stand der Diskussion siehe Wael El-Gayar, Katrin Strunk (Hg.): Integration versus Salafismus. Identitätsfindung muslimischer Jugendlicher in Deutschland. Wochenschau Verlag, Schwalbach 2014; Rauf Ceylan. Michael Kiefer: Salafismus. Fundamentalistische Strömungen und Radikalisierungsprävention. Springer VS, Wiesbaden 2013; Götz Nordbruch: Überblick zu Präventionsprogrammen im Kontext „islamischer Extremismus“ im europäischen Ausland. DJI, Halle (Saale) 2013. Hilfreich sind auch die Erfahrungen aus der Rechtsextremismusprävention, siehe Reiner Becker, Kerstin Palloks (Hg.): Jugend an der roten Linie. Analysen von und Erfahrungen mit Interventionsansätzen zur Rechtsextremismusprävention. Wochenschau Verlag, Schwalbach 2013.