Mit Witzen die Welt verändern? Videos und Übungen für Unterricht und Jugendarbeit

Comedy ist bei vielen Jugendlichen populär und Lachen hilft gegen fast alles. Aber gilt das auch für ernste Themen? Kann man Diskriminierungserfahrungen und Vorurteilen mit Witzen begegnen, sich über den „IS“ lustig machen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das neue Videomodul unseres Projektes „Alternativen aufzeigen!“. Mit kurzen Videos über Comedy und Comedians, die nun zum Download bereitstehen, können sich Jugendliche mit den Möglichkeiten und Grenzen von Humor auseinandersetzen und über eigene Handlungsoptionen nachdenken.

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Zwei bärtige Männer mit langen Gewändern sitzen auf dem Sofa, plaudern und spielen dabei mit Dynamitstangen… Eigentlich sind Gewalt und Terror im Namen des Islams nicht besonders lustig, doch die Comedy-Gruppe „Datteltäter“ nimmt das Thema satirisch. Die kurzen Videos, die von der Gruppe ins Internet gestellt werden, sind komisch und sie haben eine Botschaft. Die wird in der nächsten Szene deutlich: Eine ganz in Schwarz gekleidete Frau kommt herein und serviert mit unterwürfiger Haltung ein Tablett. Darauf befindet sich jedoch kein Tee, sondern noch mehr Sprengstoff. Um dafür Platz auf dem Tischchen zu haben, lässt sie den dort liegenden Koran in einer Schublade verschwinden…

Die Datteltäter sind eine der Comedy-Truppen, die im neuen Filmmodul von ufuq.de und der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) vorgestellt werden.

Porträtiert wird auch Idil Baydar, deren Kunstfigur Jilet Ayşe („Integrationsalbtraum Nr. 1“) für ihre “Berliner Schnauze“ und die oft vulgäre Ausdrucksweise bekannt ist, mit der sie sich zu Konflikten in der postmigrantischen Gesellschaft äußert. Auf dem Sofa sitzend analysiert sie auf ihre ganz eigene Art die Gesellschaft: „Man sollte die Kanacken herausschmeißen, dann wäre Deutschland wieder schön!“.

Ususmango von Rebell Comedy macht sich auf der Bühne hingegen vor allem über seine Rassismuserfahrungen lustig: „Als ich neulich am Flughafen war und als einziger ständig kontrolliert wurde, dachte ich noch, ich mach das gerne. Für die Sicherheit.“ Bereits da kichert das Publikum erwartungsvoll. Als er dann seine Auseinandersetzung mit den Sicherheitsleuten beschreibt, die bei der nächsten Kontrolle wieder ihn aus der Schlange winken, gibt es kein Halten mehr. Alltägliche Diskriminierungserfahrungen sind eigentlich ernst: Man kann sich aber auch darüber lustig machen.

Worüber darf gelacht werden? Wo ist die Grenze?

Dieser Frage geht das Modul nach und wählt dazu bewusst Beispiele von Comedians mit Migrationshintergrund aus, die Themen wie Rassismus oder Terrorismus aufgreifen. Schließlich sind das Themen, mit denen Jugendliche tagtäglich konfrontiert sind und die die Comedians nicht der Propaganda radikaler Ideologien überlassen wollen.

Es handelt sich dabei nicht um sogenannte Counter Narratives, auch geht es nicht etwa darum, islamistische Positionen theologisch zu widerlegen. Die Beiträge der Comedians zeigen einen anderen Weg, sich Gedanken zu machen, eigene Standpunkte zu entwickeln und auch auszuhalten, wenn nicht alle einer Meinung sind.

„Alternativen aufzeigen!“ Materialien für die Arbeit mit Jugendlichen

Das Modul zum Thema „Comedy“ ist das zweite in der Serie „Alternativen aufzeigen!“. Es besteht aus sieben kurzen Videos und ergänzenden Übungen für die vertiefende pädagogische Praxis in Schule und Jugendarbeit. Thema des ersten Moduls war die Debatte um Flucht und Geflüchtete in Deutschland.

Beide Module enthalten auch Videos, die Jugendliche bei der Diskussion über die in den Filmen behandelten Themen zeigen. Sie sind als zusätzliche Gesprächsanregung gedacht. „Alternativen aufzeigen!“ ist ein Projekt der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (Deniz Ünlü) mit ufuq.de (Nalan Yağci). Nach einer Phase der Erprobung und Weiterentwicklung sind wir nun gespannt wie sich die Module „Comedy“ und „Flucht“ bewähren und freuen uns über Rückmeldungen „aus der Praxis“.

Hier geht es zu „Alternativen aufzeigen!“ Videos und Materialien für die pädagogische Arbeit.