Local Voices – ein Augsburger Projekt zur Stärkung Jugendlicher

Im Rahmen des EU-Projekts „Local Voices“ nahmen Schüler_innen der 9. Jahrgangsstufe einer Augsburger Mittelschule im Stadtteil Herrenbach an einem zweitägigen Workshop teil, in dem lokale Online-Kampagnen zur Prävention religiös begründeter Ideologisierung entwickelt werden sollten. Die Jugendlichen setzten sich mit Fragen von Zugehörigkeit, Identität und Erfahrungen von Diskriminierung auseinander und drehten ein eigenes Video zum Thema „Identität“. ufuq.de-Mitarbeiterin Serpil Dursun war dabei.

„Erstmal sind wir doch alle Herrenbacher“, erklärten die Schüler_innen der 9. Jahrgangsstufe einer Augsburger Mittelschule im Stadtteil Herrenbach. Im Rahmen des EU-Projekts „Local Voices“ nahmen sie an einem zweitägigen Workshop teil, in dem lokale Online-Kampagnen zur Prävention religiös begründeter Ideologisierung entwickelt werden sollten. Gefördert wird das Format von EFUS, dem European Forum for Urban Security, das sich an Kommunen und lokale zivilgesellschaftliche Akteure wendet. In diesem Fall waren das der Kommunale Präventionsrat Augsburg in Zusammenarbeit mit der ufuq.de-Fachstelle zur Prävention religiös begründeter Radikalisierung in Bayern. Ziel des Workshops war es, Jugendliche in ihrem Selbstverständnis zu stärken und ihnen Angebote im Umgang mit Diskriminierung, Mobbing, Hate Speech und ideologischer Ansprache näher zu bringen. In den Gesprächsrunden zeigte sich dann, dass sich die Jugendlichen weniger für salafistische Ansprachen und Ideologien interessierten – die salafistischen Communities in Augsburg waren ihnen nicht bekannt und sie zeigten sich davon weder angezogen noch bedroht. Vielmehr bewegten sie Themen und Konflikte, die ihnen im Alltag begegnen: Fragen von Zugehörigkeit, Identität, Anerkennung und Erfahrungen von Diskriminierung spielen für sie eine große Rolle.

Serpil Dursun ist ausgebildete Gymnasiallehrerin und in der ufuq.de Fachstelle Bayern als Koordinatorin und pädagogische Mitarbeiterin für die Planung und Konzeption von Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte zuständig.

Vor diesem Hintergrund setzten sich die Schüler_innen im selbst produzierten Video unter dem Titel „Identität“ mit ihrem Stadtteil Herrenbach („HB 61“) auseinander. Denn hier gehen sie zur Schule, hier wohnen und leben sie. Mit dem Stadtteil können sie sich identifizieren und sie erleben diese Identifikation als stärkend. Im Video wollten sie daher vor allem darstellen, dass sie trotz unterschiedlicher sozioökonomischer und ethnischer Hintergründe und Herkünfte, die sie mitbringen, eine wichtige Gemeinsamkeit haben, nämlich dass sie alle „Herrenbacher_innen“ sind und zusammenhalten. Die gemeinsame emotionale Bindung an den Lebensort bietet den Jugendlichen offenbar einen Rückhalt. So können Räume entstehen, die ihnen den gemeinsamen Umgang mit Alltagsdiskriminierung und Rassismus ermöglichen und sie auch vor extremistischen Ansprachen schützen. Das zeigte sich jedenfalls bei der Erstellung „ihres“ Videos:

„Die Klasse war sehr motiviert. Zusammen mit den Workshopleiter_innen erarbeiteten sie das Konzept des Videos und zeigten sich sowohl hinter als auch vor der Kamera sehr engagiert. Nachdem jede_r Schüler_in einen kurzen persönlichen Text verfasst hatte, wurden sie in die technische Umsetzung des Videos involviert. Mit viel Freude suchten und zeigten sie sich anschließend ihre Lieblingsorte in Herrenbach, die sie mit persönlichen Erfahrungen verbinden. Bekannte öffentliche Orte im Stadtteil und ihre regelmäßigen Treffpunkte wurden so zu einer realistischen und authentischen Kulisse des Videos. Durch die intensive Arbeit an einem gemeinsamen Projekt entwickelte sich in der Klasse eine sehr angenehme Gruppendynamik und neue Verbindungen entstanden unter den Schüler_innen, die sich so auf neue Art mit sich selbst, ihren Fragen und Problemen und ihrer Rolle in der Gesellschaft auseinandersetzen konnten. Am Ende fragten sich zum Beispiel einige, warum der freundliche und kooperative Umgang, den sie untereinander erfahren hatten, „draußen“ oft nicht so leicht gelingt.“

(Waseem Achim Seger, Workshopleiter)

Wir danken allen Mitwirkenden herzlich für die gute Zusammenarbeit, unter anderem dem Kommunalen Präventionsrat Augsburg, dem Workshopleiter Achim Waseem Seger, Uschi Stritzker aus dem bildmachen-Team in Augsburg, den Klassenlehrer_innen und besonders den Schüler_innen der Projektklasse.

Das Video der Schüler_innen aus Herrenbach können Sie hier sehen:

Video bei Youtube.

Weitere Informationen über das Projekt „Local Voices“ finden Sie hier.