Für besseren Journalismus: Neues Handbuch zum Thema Islam

Was ist Salafismus? Wie viele islamische Gemeinden gibt es in Deutschland? Was machen die muslimischen Pfadfinder? Heute erscheint das „Journalisten-Handbuch zum Thema Islam“, ein praktisches Nachschlagewerk zu allen Fragen rund um das Thema Islam. Mediendienst Integration gibt es heraus, um die Berichterstattung in den Medien zu verbessern. Es richtet sich an Journalist_innen, ist aber auch für Lehrer_innen und Pädagog_innen sehr praktisch.

handbuchBlitzradikalisierung, Anschlagspläne und Integrationsverweigerer: Das sind Schlagworte, die in den vergangenen Wochen in den Medien auftauchten. Oft ist die Berichterstattung über Muslim_innen von negativen Themen geprägt. Woran liegt das? Vor allem hat es natürlich damit zu tun, dass in Teilen der arabisch-islamischen Welt Krieg herrscht und Gewalt mit dem Islam begründet wird. Es hat auch damit zu tun, dass diese Gewalt mittlerweile Europa erreicht hat.

Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Die Erwartungshaltung der Leser_innen, beziehungsweise das, was Journalisten_innen als Erwartungshaltung vermuten: So erscheint es unpassend oder gar unglaubwürdig, in Zeiten von Krieg und Terror über positive Ereignisse und Vorbilder zu berichten. Diese kommen daher immer seltener vor.

Gutgemeinte Positiv-Kampagnen verstärken oft das Negativ-Bild der Muslim_innen

Immer wieder gibt es den Versuch, diesem negativen Trend in der Berichterstattung durch bewusst ausgewählte Positivbeispiele etwas entgegenzusetzen: So gibt es bei TV-Sendern regelmäßig Islam- oder Integrationswochen. Hier wird dann beispielsweise über ganz normale, erfolgreiche Frauen mit Kopftuch berichtet, die beispielsweise in ihrem Beruf Besonderes leisten. Allerdings stoßen diese auf sehr geteilte Zuschauer_innenreaktionen: So ist oft der pädagogischen Anspruch solcher Kampagnen deutlich zu spüren und die Zuschauer_innen fühlen sich belehrt. Sie zweifeln dann nicht selten am Wahrheitsgehalt der gezeigten Beispiele. In der Logik von Nachrichtensendungen bewirken solche gut gemeinten Aktionen tatsächlich oft das Gegenteil: Wird doch in Nachrichten in der Regel über das Außergewöhnliche berichtet. Wenn nun in diesem Kontext eine erfolgreiche Muslimin vorgestellt wird, ist die logische Folgerung viler Zuschauer_innen, dass es sich hier um eine große Ausnahme handelt. Es wird also eher das negative Bild verstärkt, als ein positiver Gegenakzent gesetzt.

Wie könnte es also gehen?

Das Einzige, was gegen negative Klischees und Vorurteile hilft, sind glaubwürdige und gut belegte Informationen. Nur so können Leser_innen und Zuschauer_innen erreicht und überzeugt werden. Es muss darum gehen, ein genaues, gut recherchiertes Bild des Islams und von Musliminnen in den Medien darzustellen: Die Ereignisse sollen weder ins Negative verzerrt noch positiv geschönt werden. Genau hierzu will das „Journalisten-Handbuch zum Thema Islam“ praktische Hilfe leisten: Das Handbuch präsentiert Zahlen, Fakten und Grundlagenwissen – kurz, übersichtlich und mit Quellenverweisen. Es bietet aber auch Hintergründe, Zusammenhänge und neue Perspektiven für die Berichterstattung. Das Buch ist in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und anderen Experten entstanden. Unsere Kollegin Julia Gerlach hat einen Artikel dazu beigetragen.

Zum Download: Journalisten-Handbuch zum Thema Islam