Filmpremiere in Berlin: „Prävention. Wie die Demokratie gerettet werden soll“ mit Beteiligung von ufuq.de

Das Bundesfamilien-ministerium hat am 19. Februar 2019 den Dokumentar- und Erklärfilm „Prävention. Wie die Demokratie gerettet werden soll“ uraufgeführt. Der 35 Minuten lange Film und die zugehörige Projekt-Webseite entstanden im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“. Für sie ist das Filmteam quer durch Deutschland gereist und hat viele Hintergrund-informationen zusammen-getragen. Jenny Omar und Jochen Müller von ufuq.de berichten im Film über ihre Erfahrungen in Workshops mit Jugendlichen in Schulen.

Das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesfamilienministeriums hat am 19. Februar 2019 den Film „Prävention. Wie die Demokratie gerettet werden soll“ uraufgeführt und die dazu gehörige Projekt-Webseite projekt-praevention.de gestartet. Die Webseite stellt neben dem Hauptfilm und kurzen Animationsfilmen weitere Fakten und ein Quiz zum Thema bereit.

Der Film verfolgt drei Ziele: Er erklärt, was Extremismusprävention ist, dokumentiert mit Beispielen die aktuelle Lage in Deutschland und stellt die Bedeutung von Präventionsarbeit von Staat und gesellschaftlichen Gruppen dar.

Regisseurin Elise Landschek fasste das Hauptanliegen des Films bei der Filmpremiere im Berliner Babylon-Kino in zwei Sätzen zusammen: „Der Film zeigt, wie Extremismusprävention funktioniert. Und was man selbst dazu beitragen kann.“

Im Film kommen unter anderem der Konfliktforscher Andreas Zick, Judy Korn vom Violence Prevention Network und ein Aussteiger aus einer rechtsradikalen Kameradschaft zu Wort. Für ufuq.de sprechen Jenny Omar, Projektleiterin „Wie wollen wir leben?“ , und Co-Geschäftsführer Jochen Müller über ihre Erfahrungen mit Jugendlichen in Workshops in Schulen. Im Zusatzmaterial auf der Webseite benennen sie unter anderem, wie schwierig es für Lehrer_innen ist, mit konfliktreichen Themen umzugehen. Außerdem greift der Film das Video „… und Allah ist immer dabei“ mit der Berliner Rapperin Sahira Awad auf, das ufuq.de als Unterrichtsmaterial für das Modul „Salafismus“ im Projekt „Alternativen Aufzeigen!“ produziert hat. Die Künstlerin war während einer Lebenskrise in Kontakt mit der salafistischen Szene gekommen und hat sich später wieder von dieserentfernt.

„Der Film kann Zweifel säen“

Der Film richte sich insbesondere an Jugendliche und junge Erwachsene und sei auch für den Schulunterricht geeignet, heißt es vom Bundesprogramm „Demokratie leben!“. Er soll über die Webseite hinaus auch etwa auf Messen verbreitet werden.

Zu der Premiere waren Berliner Schüler_innen und Fachpublikum geladen. In der anschließenden Podiumsdiskussion stellten sich die Regisseurin, der Parlamentarische Staatssekretär Stefan Zierke vom Bundesfamilienministerium und im Film beteiligte Protagonist_innen den Fragen des Publikums.

„Radikalisierung ist ein sehr individueller Prozess“, sagte Judy Korn vom Violence Prevention Network. Dabei kann die an sich positive Energie, etwas verändern zu wollen, in eine menschenverachtende Richtung gehen. Man könne nicht erwarten, dass jemand sein Leben nur deshalb ändert, weil er einmal einen Film wie den jetzt vorgestellten gesehen hat. „Aber der Film kann Zweifel säen und Menschen ins Hinterfragen bringen“, sagte sie.

Die Politikwissenschaftlerin Irina Bohn vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V. bewertet fachlich verschiedene Projekte für das Bundesprogramm. Nach der Premiere sagte die Expertin für Radikalisierungsprävention: „Die Angebote von Populisten sind attraktiv für viele Menschen, wenn die vorgeschlagenen Lösungen einfach sind.“ Ihrer Einschätzung nach wendet sich der Film an Menschen in der Mitte der Gesellschaft, nicht an bereits radikalisierte Personen.

Eine Schülerin im Publikum kritisierte, dass der Schluss des Films mit dem Aufruf an junge Leute, sich zu engagieren, nach einer zu einfachen, schönen Lösung klinge. Regisseurin Landschek hielt dagegen: Auch die Politik sei in der Verantwortung. Aber „Radikalisierung geht alle an – auch wenn es keine einfachen Antworten gibt“.

Zum Weiterlesen

Projektwebseite: Teamer_innen-Workshops: Wie wollen wir leben?

Projektwebseite: Alternativen Aufzeigen! Videos zu Islam, Islamfeindlichkeit, Demokratie und Islamismus

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Berlin 2018): Projekte zur Prävention islamistischer Radikalisierung im Bundesprogramm „Demokratie leben!“.

ufuq.de-Video mit Sahira Awad: „… und Allah ist immer dabei“: