ufuq.de-Online-Fachtag: Kinder und Jugendliche stärken – Resilienzförderung im Schulalltag im Kontext rassismuskritischer Bildungsarbeit

Die ufuq.de-Fachstelle für Pädagogik zwischen Islam, antimuslimischem Rassismus und Islamismus in Berlin richtet am 08.10.2020 einen digitalen Fachtag zum Thema Resilienzförderung im Schulalltag im Kontext rassismuskritischer Bildungsarbeit aus. Der Fachtag richtet sich an Multiplikator*innen aus der schulischen und außerschulischen Praxis sowie an Akteur*innen aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft. Im Fokus stehen die Lebensrealitäten rassismuserfahrener und sozialbenachteiligter Kinder und Jugendlicher.

Persönliche und gesellschaftliche Krisen beeinträchtigen die individuelle Entwicklung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie beeinflussen das Selbstverständnis und begünstigen polarisierende Einstellungen und Orientierungen.

Kinder erleben ebenso wie erwachsene Menschen Krisen. Aktuell sind es zum Beispiel die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, die tief in die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen eingreifen. Abrupte Veränderungen führen zu erhöhten gesellschaftlichen Anforderungen und gehen oftmals mit diversen Belastungen einher. Gerade Kinder und Jugendliche in benachteiligten Lebenslagen sind davon betroffen.

Resilienz ist eine notwendige Ressource zur Krisenbewältigung. Für eine gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ist das Erlernen und Ausprobieren von Krisenbewältigungsstrategien ein wichtiger Schritt. Der Fachtag stellt die Lebensrealitäten rassismuserfahrener und sozialbenachteiligter Kinder und Jugendlicher in den Fokus und fragt nach den besonderen Herausforderungen, die sich in der rassismuskritischen Bildungsarbeit stellen. Er konzentriert sich auf Resilienzförderung im Schulkontext und bietet Raum für den Erfahrungsaustausch von Fachkräften.

Wie kann Resilienzförderung in der Schule gestaltet werden und welchen Einfluss hat das Lehrer*innen-Schüler*innen-Verhältnis auf die Entwicklung von Resilienz?

Welche Rolle spielt Resilienzförderung in der Präventionsarbeit und beim Umgang mit Polarisierung?

Wie kann mit Krisen im Schulkontext umgegangen werden und wie können Betroffene begleitet werden?

Diesen Fragen geht der Online-Fachtag auf den Grund. Er wendet sich an Multiplikator*innen aus der schulischen und außerschulischen Praxis sowie Akteur*innen aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft und wird von der Fachstelle für Pädagogik zwischen Islam, antimuslimischem Rassismus und Islamismus durchgeführt.

Die Veranstaltung wird online ausgerichtet und ist kostenlos. Bitte melden Sie sich bis zum 06. Oktober 2020 per E-Mail an: fachstelle-in-berlin@ufuq.de


Programm des Online-Fachtages

Der Fachtag unterteilt sich in zwei Blöcke: Der erste Block ist eine Live-Stream-Veranstaltung mit Beiträgen und Perspektiven auf das Thema Resilienzförderung im Schulalltag im Kontext rassismuskritischer Bildungsarbeit. Der zweite Teil umfasst Online-Materialien, die asynchron gelesen, gehört oder angeschaut werden können.

Teil 1

10.00 Uhr              Virtueller Warteraum offen

10.15 Uhr               Begrüßung und Vorstellung des Programms durch den Moderator

10.20 Uhr              Begrüßung und Vorstellung der ufuq.de Fachstelle in Berlin

10.30 Uhr              Impulsvortrag: Resilienz und Empowerment – Begriffserklärung und der Umgang in der Praxis (Esther Kleefeldt, Xenion e.V.)

“Der Begriff Resilienz ist in den letzten Jahren in verschiedenen Disziplinen populär geworden. Ist er eine Modeerscheinung, die bald durch eine andere ersetzt werden wird? Oder birgt das dahinterstehende Konzept einen Mehrwehrt für die pädagogische Arbeit und angrenzende Bereiche? Kann es zur Verbesserung von (Unterstützungs-) Angeboten beitragen, ist es nur eine leere Worthülse oder kann damit sogar Schaden angerichtet werden? Der kurze Input geht theoretisch und praktisch auf diese und weitere Fragen ein.”

10.55 Uhr             Raum für Fragen und Austausch aus dem Chat

11.10 Uhr             Interviewformat mit Aya und Bissan (Initiative related e.V. / ehem. Schülerinnen der Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli, Berlin)

abgesagt: Nils Katz (ehem. Lehrkraft der Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli, Berlin)

11.40 Uhr             Raum für Fragen und Austausch aus dem Chat

11.45 Uhr             Pause

12.05 Uhr             kurze Begrüßung nach der Mittagspause

12.10 Uhr             Impulsvortrag: Resilienz aus einer empowermentorientierten Perspektive (Kiana Ghaffarizad)

In ihrem Vortrag geht Kiana Ghaffarizad der Frage nach, ob Resilienzförderung von Schwarzen Jugendlichen und Jugendlichen of Color in der Schule überhaupt umsetzbar ist. Dabei blickt sie auf Rassismus als ein gesellschaftliches Machtverhältnis, der für Schwarze Menschen und People of Color in Form von psychischem Stress und potentiell traumatische Erfahrung täglich erlebbar ist. Sie skizziert, in welcher Weise Rassismus auch Schule und Schulsystem durchzieht. Im Anschluss stellt sie den Empowerment-Ansatz aus einer Schwarzen und People of Color-Position vor. Daran entlang entwirft sie eine politisierte Perspektive auf Resilienzförderung, welche sich verbindet mit einem Abbau von schulisch-institutionellem Rassismus.

12.30 Uhr              Diskussionsrunde mit Kiana Ghaffarizad und Janina Meyeringh (Xenion e.V.)

abgesagt: Yvonne Dabrowski (Fachstelle Liberi – Aufwachsen in salafistisch geprägten Familien, Türkische Gemeinde Schleswig-Holstein)

Möglichkeiten für Fragen und Austausch aus dem Chat

13.15 Uhr               Wrap-Up und Schlussworte

13.45 Uhr              Ende der Live-Veranstaltung

Teil 2

Im Anschluss an die Live-Veranstaltung werden Materialien und Beiträge zu den jeweiligen Themenschwerpunkten verlinkt, die langfristig abrufbar sind.

Programm als pdf-Datei zum Download.

Stand 06.10.2020: Wir behalten uns vor, inhaltliche oder zeitliche Änderungen im Programm vorzunehmen.


Zu den Referent*innen und Beteiligten

Esther Kleefeldt, Dipl. Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin, Systemische Therapeutin und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, ist seit 2007 als Psychotherapeutin bei XENION e.V., einem Psychosozialen Zentrum für Geflüchtete, tätig. Sie hat mehrere Publikationen zur therapeutischen Arbeit mit Geflüchteten verfasst. Daneben unterstützt sie freiberuflich als Supervisorin, Referentin und Coach Menschen, die in belastenden Kontexten tätig sind.


Initiative related e.V.

related e.V. ist eine Initiative aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die teilweise oder ganz in Berlin-Kreuzberg und Neukölln aufgewachsen und zur Schule gegangen sind. Sie verbindet, dass sie politisch und gesellschaftlich aktiv sind und dass sie ihre Geschichten über ihre Alltagserfahrungen, in ihren Kiezen, Schule und Alltag unter related #jetztredenwir selbst teilen und erzählen möchten.

Bissan ist 19 Jahre alt und in Berlin geboren und aufgewachsen. Ihr Abitur mit dem Schwerpunkt Psychologie bestand sie an einer Fernschule. Aya ist ebenso 19 Jahre alt, in Ägypten geboren und lebt seit 2013 in Deutschland. Von 2014-2019 besuchte sie die Gemeinschaftsschule Campus-Rütli in Berlin-Neukölln. 2019 legte sie erfolgreich ihr Abitur ab und fängt im Wintersemester 2020/ 21 ein Studium der Zahnmedizin an.

 

Janina Meyeringh, Dipl. Psychologin, approbierte Kinder und Jugendlichenpsychotherapeutin (Verhaltenstherapie, Spezielle Psychotraumatherapie des Kindes- und Jugendalters (DeGPT)), ist seit Januar 2015 als Psychotherapeutin bei XENION e.V., einem Psychosozialen Zentrum für Flüchtlinge und Folteropfer, tätig und behandelt dort psychotherapeutisch v.a. unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Darüber hinaus engagiert sie sich in verschiedenen Gremien zur Verbesserung der psychosozialen Versorgung begleiteter sowie unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter.  Zuvor arbeitete sie 10 Jahre in einer Berliner Kinder- und Jugendpsychiatrie (Klinik für seelische Gesundheit im Kindes- und Jugendalter des St. Joseph Krankenhauses) im stationären / teilstationären Bereich als Psychologin / Kinder- und Jugendlichen Psychotherapeutin und übernahm dort u.a. die psychologische Leitung der Tagesklinik II. Neben der Diagnostik und Behandlung verschiedenster psychischer Erkrankungen im Kindesalter befasste sie sich im Rahmen ihrer teilstationären Tätigkeit v.a. auch mit der Behandlung und Beratung von Trauma- Folgestörungen sowie  Kindern und deren Eltern mit Migrationsbiografie.  Bereits im Studium der Psychologie befasste sie sich schwerpunktmäßig mit interkultureller Forschung sowie dem Einfluss sozialer Normen auf psychische Störungen und arbeitete in einem Sozialpädiatrischen Zentrum.

 

   Kiana Ghaffarizad positioniert sich je nachdem, wo und mit wem sie sich be_findet, als Frau of Color, Kanak, Migrantin oder feministische Aktivistin. Sie ist Kulturwissenschaftlerin, politische Bildungsreferentin, Empowermenttrainerin und Lehrerin für kreativ-therapeutischen Tanz. Bis Ende 2019 war sie Bildungsreferentin bei der ju:an Praxisstelle antisemitismus- und rassismuskritische Jugendarbeit der Amadeu Antonio Stiftung. Seit 2016 ist sie in der politischen Bildungsarbeit tätig zu den Schwerpunkten: Antisemitismuskritik, Rassismuskritik, und Empowerment. Neben ihrer Bildungsarbeit promoviert sie zu Rassismus(erfahrungen) in psychotherapeutischen Settings aus einer People of Color-Perspektive.

 

Yvonne Dabrowski studierte an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Politikwissenschaft, Islamwissenschaft und Volkswirtschaftslehre. Zu ihren Studien- und Forschungsschwerpunkten gehörten Fundamentalismus- und Säkularisierungsbewegungen in muslimisch geprägten Ländern, friedensethische Diskurse im Islam sowie jihadistische Narrative. Nach ihrem Studium war sie ehrenamtlich in einem Mädchentreff in Berlin Neukölln aktiv. Von 2015 bis 2019 war sie Fachreferentin im primärpräventiven Projekt “Plan P. – Jugend stark machen gegen salafistische Radikalisierung” der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW. Seit April 2019 ist YD Mitglied des Teams von PROvention sowie der bundesweiten Fachstelle Liberi – Aufwachsen in salafistisch geprägten Familien.

 


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