Alternativen zum Schwarz-Weiß-Denken: Die HAW und ufuq.de präsentieren neue Kurzfilme für den Unterricht

„Alternativen aufzeigen“ heißt die Serie von Kurzfilmen, die von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg und ufuq.de produziert wurde. Das erste Modul mit vier Videos steht ab sofort auf unserer Seite bereit und wird ergänzt durch passende Unterrichtsmaterialien. Im ersten Filmpaket steht die Debatte um Flucht und die Geflüchteten im Mittelpunkt und wie sich Deutschland durch sie verändern wird. Geflüchtete und ehrenamtliche Helfer_innen kommen zu Wort, Jugendliche kommentieren die Aussagen von Politiker_innen zu diesem Thema und natürlich wird auch die Berichterstattung in den Medien thematisiert.

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„Wir greifen aktuelle Themen auf, mit denen Jugendliche ständig im Internet konfrontiert werden“, so Nalan Yağci von ufuq.de: „Allerdings werden die Themen normalerweise im Internet immer sehr einseitig nach einem schwarz-weiß Muster behandelt. Unser Ansatz ist hingegen, dass wir verschiedene Positionen darstellen und dann können sich die Jugendlichen selbst eine Meinung bilden“, sagt sie. „Unsere Filme knüpfen an jugendliche Diskurse an, sie geben Denkanstöße und zeigen die Vielfalt muslimischer Lebenswelten. Die Filme und Protagonisten sind authentische Gegennarrative gegen demokratiefeindliche Narrative“, ergänzt die Filmemacherin und Sozialwissenschaftlerin Deniz Ünlü von der HAW, die bei den Filmen Regie führte.

Flucht und die Diskussion darüber: Wie verändert sich Deutschland?

In den nun fertiggestellten Filmen steht das Thema Flucht im Mittelpunkt. Im ersten Film geht es um die Geflüchteten selbst. Sie sprechen über die Gründe, weshalb sie ihre Länder verlassen haben. Es geht um ihre Hoffnungen für ihr neues Leben in Deutschland und um die Nöte und Sorgen des Alltags. Der zweite Film porträtiert vier ehrenamtliche Helfer_innen. Wieso engagieren sie sich für die Geflüchteten? Während für den einen – er ist Imam in einer Moschee – die Hilfe eine religiöse Pflicht sein mag, hat eine andere, die selbst vor dem Krieg im Libanon fliehen musste, das Gefühl, dass sie der Gesellschaft etwas zurückgeben möchte. Ein anderes Thema, das derzeit online viel diskutiert wird, ist die Berichterstattung in den Medien zum Thema Flucht. Oft ist von „Lügenpresse“ die Rede. „Wir haben sehr bewusst darauf verzichtet, dieses Schlagwort zu benutzen, weil die Jugendlichen damit nicht so viel anfangen können. Wir lassen uns vielmehr von der Medienexpertin Rana Göroğlu vom Mediendienst Integration erklären, wie Medien arbeiten“, so Yağci.

Im letzten Film geht es um die Aussagen von Politiker_innen zum Thema Flucht. Da kommen der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer und der frühere Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln Heinz Buschkowsky zu Wort, die daran zweifeln, dass Deutschland der Aufgabe der Integration der vielen Neuankömmlinge gewachsen ist. Dem gegenüber steht das „Wir schaffen das!“ von Bundeskanzlerin Angela Merkel. All das kann natürlich nicht unkommentiert bleiben und so baten die Filmemacherinnen fünf 13-jährige um ihre Meinung zu den Aussagen der Politiker_innen.

Die Filme werden durch Unterrichtsmaterialien ergänzt

In allen Filmen geht es uns darum, Fragen aufzuwerfen und Diskussionen anzuregen. „Antworten geben wir nicht, die sollen die Jugendlichen selbst entwickeln“, so Yağci. Die Filme sind jeweils rund sechs Minuten lang und richten sich an Jugendliche zwischen 10 und 14 Jahren. Sie sollen auch in Workshops genutzt werden, die von ufuq.de-Teamer_innen angeboten werden, stehen aber auch gratis zum Download bereit. Sie werden ergänzt durch Übungen für den Schulunterricht.

Die Filme zum Thema Flucht sind der Anfang eines Projektes, in dem insgesamt 20-25 Kurzfilme und Materialien zu den Themen Islam, Islamfeindlichkeit und Islamismus produziert werden. Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“.

Modul 1: Filme und Unterrichtsmaterialen