Radikalisierung und Prävention

Zur Bedeutung von Diskriminierungserfahrungen und gesellschaftlicher Marginalisierung in religiösen Radikalisierungsprozessen

Diskriminierung und Marginalisierung aufgrund von Religionszugehörigkeit und Herkunft allein können eine Abwendung von der Gesellschaft und eine Hinwendung zu religiös-extremistischen Orientierungen nicht erklären. Gleichwohl verweisen die vorliegenden Studien auf mögliche desintegrative und selbstethnisierende Wirkungen entsprechender Erfahrungen. In diesem Beitrag fasst Götz Nordbruch die Ergebnisse aktueller Forschungen zusammen.

„AK-47, Perso und dann Munition und Granaten …“ – Wie sollen Pädagog_innen reagieren, wenn Jugendliche verdächtige Äußerungen machen?

Die Angst vor Terror wächst und viel ist von der Radikalisierung einiger Jugendlicher die Rede, der etwa in Schule und Jugendarbeit begegnet werden soll. Doch wann ist eine Äußerung oder ein bestimmtes Verhalten bedenklich? Bei aller Vorsicht warnt der Erziehungswissenschaftler Julian Ernst vor vorschnellen Schlüssen. Er hat Gruppendiskussionen von Jugendlichen zu Salafismus und Terroranschlägen untersucht und rät, den Kontext radikal wirkender Äußerungen zu berücksichtigen. Zudem sollten Pädagog_innen sich ihrer eigenen Vorannahmen bewusst sein.

Auf den Kontext kommt es an: Fanatismus als Symptom eines gestörten sozialen Systems

Wie werden Menschen zu Radikalen? Welche Rolle spielt Ideologie? Wieviel Einfluss hat die Familie? Wieviel die Schule? Was bewirkt die gesellschaftliche Diskussion und wie ist der Einfluss der Politik? Michael Gerland ist Sozialpädagoge und arbeitet seit vielen Jahren in der systemischen Therapie. Diese systemische Herangehensweise verfolgt er auch bei der Analyse von Radikalisierungsprozessen. Dabei zieht er Parallelen zwischen dem Phänomen der Sekten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und Radikalisierungsprozessen von Konvertiten zum Islam.

Islamwissenschaften als Kampfsport: Eine französische Debatte über die Ursachen dschihadistischer Gewalt

Woher kommen Radikalisierung und Terror in Europa? Ist dies ein Herüberschwappen radikaler Ideen aus der islamischen Welt oder liegen die Ursachen in unseren Gesellschaften? Überhaupt: Ist der Islamismus ein religiöses Phänomen oder eher eine Folge politischer Entwicklungen? Nicht nur bei uns wird darüber heftig gestritten. Unter französischen Wissenschaftler_innen ist darüber sogar ein heftiger Streit ausgebrochen, berichtet Leyla Dakhli.

Salafismus – Ideologie, Bewegung, Hintergründe

Die salafistische Szene bildet eine kleine Minderheit unter den etwa vier Millionen Muslim_innen in Deutschland. Dennoch gewinnt diese Szene gerade auch unter Jugendlichen an Bedeutung. Der Beitrag von Götz Nordbruch informiert über die Hintergründe des Salafismus und dessen Attraktivität für Jugendliche und junge Erwachsene.

Lebenswelten anerkennen! Religion im Unterricht und die Prävention salafistischer Einstellungen

Religiöse Themen spielen in der Prävention salafistischer Einstellungen und Orientierung eine wichtige Rolle. Dabei geht es nicht allein um religiöse Bildung und Erziehung, sondern auch um die Auseinandersetzung mit lebensweltlichen Fragen und Interessen, die viele Jugendliche bewegen. Götz Nordbruch (ufuq.de) stellt einige Ansätze vor, wie sich religiöse Fragen auch jenseits des Religionsunterrichts aufgreifen lassen.

Umgang mit Radikalisierungstendenzen in Schulen – Rechtliche und pädagogische Hinweise für die Praxis

Der Umgang mit Radikalisierungstendenzen ist für viele Lehrerinnen und Lehrer eine Herausforderung. Diese beschränkt sich nicht auf Inhalte und Methoden, sondern betrifft insbesondere auch rechtliche Fragen. Wo enden Meinungs- und Religionsfreiheit? Welche Meinungen und Verhaltensweisen sind zu akzeptieren, wann beeinträchtigen sie den Schulfrieden – und wann sind eventuell auch strafrechtliche Grenzen überschritten? In seinem Beitrag gibt Kurt Edler einen Überblick über den rechtlichen und pädagogischen Rahmen von Interventionen in Schule und Unterricht.

“Ihre Bomben haben mit unseren nichts zu tun” – Dschihadistische Gewalt als Jugendrevolte?

Es gehe nicht um eine Radikalisierung des Islam, sondern um eine Islamisierung des Radikalismus. Für den französischen Islamwissenschaftler Olivier Roy lässt sich die Hinwendung von einigen Tausend jungen Franzosen zum Islamischen Staat nicht als religiöses Phänomen beschreiben. Er erklärt dies vor allem als Revolte der Jugend gegen die Eltern. Seine Thesen wurden in Deutschland viel zitiert, in Frankreich stoßen sie auch auf Kritik. Sie würden, so ein Einwand, das Phänomen „entpolitisieren“ und den weiteren gesellschaftlichen Kontext ignorieren.