Hintergrund

Uneindeutigkeit und der Umgang mit Ambiguität: Orientierungen junger Heranwachsender mit und ohne Zuwanderungsgeschichte

Die Suche nach Identität und Orientierung spielt gerade im Jugendalter eine wichtige Rolle. Am Übergang zum Erwachsensein gilt es, sich gegenüber den Eltern und der Gesellschaft zu positionieren. Dr. Haci-Halil Uslucan beschreibt die Herausforderungen, denen sich gerade Jugendliche mit Migrationsgeschichte zwischen den Erwartungen der Eltern und der Gesellschaft gegenüber sehen. Er beschreibt die oft entstehenden bikulturellen Selbstverständnisse auch als Chance, in einer zunehmend komplexeren und pluralistischen Gesellschaft zurecht zu kommen.

“Kiezdeutsch ist eine Ressource”

Kiezdeutsch hat einen schlechten Ruf – zu Unrecht, meint Maria Pohle. Die Linguistin erforscht die Verwendung von Kiezdeutsch unter Jugendlichen und betont die Normalität dieses Sprachgebrauchs. Kiezdeutsch hat weniger mit fehlenden sprachlichen Kompetenzen als mit jugendlichen Solidaritätsgefühl, situativer Sprachanpassung und der allgemeinen Sprachentwicklung im mittlerweile mehrsprachigen Europa zu tun. Als modernes sprachliches Phänomen sollte es auch im Unterricht eine Rolle spielen. Sindyan Qasem hat mit ihr gesprochen.

Salafismus in Deutschland – ein Thema für Unterricht und Schule

Die Ausreise von Jugendlichen nach Syrien und in den Irak ist auch an vielen Schulen ein Thema. Salafistische Orientierungen und Verhaltensweisen werden allerdings nicht erst dann zum Problem, wenn Jugendliche zu Gewalt aufrufen. Auch sozialer Druck und rigide Welt- und Feindbilder beeinflussen das Klassenklima und fordern Lehrkräfte heraus. Ein wichtiger Ansatz der Präventionsarbeit besteht darin, die muslimische Religiosität vieler Schülerinnen und Schüler anzuerkennen und sie in ihrer deutsch-muslimischen Identität gegen die Opferideologie und Abwertungen der salafistischen Propaganda zu stärken, schreibt Götz Nordbruch in diesem Artikel.

Islamische Jugendarbeit in Deutschland – Junge Muslime als Partner

In Deutschland leben etwa 1.8 Mio. junge Muslime unter 25 Jahren. In der Jugendarbeit spielen sie eine wichtige Rolle – nicht nur als Zielgruppe, sondern auch als Akteure. Dennoch werden sie in der Öffentlichkeit oft übersehen, wenn es um Kooperationen in der Kinder- und Jugendarbeit geht. Dr. Hussein Hamdan hat die islamische Jugendarbeit untersucht und fordert eine stärke Öffnung für islamische Träger. Aber auch die Strukturen der islamischen Verbände müssen sich verändern.

Partizipation im Internet: “Die politische Bildung muss aus der Komfortzone herauskommen”

Online-Medien spielen im Alltag von Jugendlichen eine immer wichtigere Rolle. Dabei geht es nicht nur um Unterhaltung und Freizeitgestaltung, sondern auch um Partizipation in Gesellschaft und Politik. Dr. Viktoria Spaiser forscht zur Nutzung des Internets durch Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund und interessiert sich insbesondere für das Potential von Online-Medien für politische Teilhabe und Mitgestaltung. Im Gespräch mit Götz Nordbruch betont sie die Chancen, die mit einer zunehmenden Verschmelzung von On- und Offline-Welten für die Bildungsarbeit verbunden sind.

Prävention in der Schule: The Kids Are All Right

Junge Muslim_innen in Deutschland spüren ganz genau, ob sie von ihrer mehrheitsgesellschaftlichen Umwelt als Dazugehörige wahrgenommen und anerkannt werden. Erst Misstrauen und Ausgrenzung schaffen das Klima, in dem Radikalisierung möglich wird. (Jochen Müller)

“Darf ich als Muslim wählen?” Dossier zum Umgang mit Fragen zu Islam und Demokratie

Für viele muslimische Jugendliche spielt die Frage nach der Vereinbarkeit von Demokratie und Islam eine große Rolle. Zum Beispiel in Diskussionen, die in sozialen Netzwerken geführt werden. Dabei finden sich häufig Beiträge, in denen eine grundsätzliche – wenngleich oft diffuse – Verunsicherung zum Ausdruck kommt: Viele Jugendliche erleben einen Widerspruch zwischen ihrer Selbstwahrnehmung als Teil der Gesellschaft und den Vorstellungen, die im öffentlichen Diskurs („Gehört der Islam zu Deutschland?“, „Wie gefährlich ist der Islam?“), aber auch in Beiträgen aus islamistischen Kreisen („Demokratie – nein danke!“), formuliert werden.

Muslimische Jugendliche als besondere Zielgruppe der politischen Bildung?

Der Islam spielt für viele Jugendliche eine wichtige Rolle. Dennoch tun sich viele Pädagog_innen schwer damit, religiöse Themen aufzugreifen. Schließlich verbindet sich mit Bildungsarbeit auch der Anspruch, “religiös neutrales” Wissen zu fördern und Jugendliche unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit anzusprechen. In diesem Artikel geht Dr. Sabine Achour der Frage nach, ob und inwiefern junge Muslim_innen eine “besondere” Zielgruppe der politischen Bildung darstellen – und weshalb es sinnvoll sein kann, auch solche Themen aufzugreifen, die im Lehrplan nicht berücksichtigt

Gewaltdarstellungen im Internet: “Ein allgemeines Verbot ist unrealistisch”

Über das Internet kommen schon Kinder und Jugendliche in Kontakt mit Bildern und Videos, in denen reale Gewalttaten zu sehen sind. In den sozialen Netzen finden diese Bilder weite Verbreitung. Dennoch gibt es bisher wenig Tipps für den Umgang mit Gewaltdarstellungen. Dr. Nadia Osman ist Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Verhaltenstherapeutin und Elternberaterin in Berlin und forscht zu den Wirkungen von Gewaltvideos. Im Interview informiert sie, worauf es in der pädagogischen Arbeit ankommt.