Jugendkultur und Identität

Importiertes Verdrängen? Zum Umgang mit der Geschichte des Nationalsozialismus in der Migrationsgesellschaft

Am 27. Januar 2016 jährt sich der Tag der Befreiung von Auschwitz zum 71. Mal. Der Tag ist in vielen Schulen Anlass, sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Elke Gryglewski schildert in diesem Beitrag ihre Erfahrungen in der Bildungsarbeit im Haus der Wannsee-Konferenz und geht dabei auch auf die Diskussionen um einen vermeintlichen Import von antisemitischen und geschichtsverleugnenden Einstellungen durch Menschen mit Migrationsgeschichte ein: Welche Zugänge haben Jugendliche zur nationalsozialistischen Geschichte – und welche Rolle spielen dabei Migrationserfahrungen? Wovon hängt die Intensität der Beschäftigung mit der Vergangenheit ab?

Lebenswelten anerkennen! Religion im Unterricht und die Prävention salafistischer Einstellungen

Religiöse Themen spielen in der Prävention salafistischer Einstellungen und Orientierung eine wichtige Rolle. Dabei geht es nicht allein um religiöse Bildung und Erziehung, sondern auch um die Auseinandersetzung mit lebensweltlichen Fragen und Interessen, die viele Jugendliche bewegen. Götz Nordbruch (ufuq.de) stellt einige Ansätze vor, wie sich religiöse Fragen auch jenseits des Religionsunterrichts aufgreifen lassen.

Türkischer Nationalismus in Deutschland: Gemeinschaft und Identität im Migrationskontext

Die politischen Konflikte in der Türkei spiegeln sich auch in Spannungen zwischen türkeistämmigen Migranten in Deutschland. Nationalistische und rechtsextreme Organisationen wie die „Grauen Wölfe“ bieten gerade für Jugendliche Identitäts- und Gemeinschaftsangebote, die sich auf eine mythisch überhöhte Geschichte des „Türkentums“ berufen. In seinem Artikel gibt Ismail Küpeli einen Überblick über türkisch-nationalistische Organisationen und fasst deren ideologischen Besonderheiten zusammen.

“Mein Kopf gehört mir” – Kommentar zur Diskussion um das Tragen des Kopftuchs im öffentlichen Dienst

Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über die Einstellung von Lehrerinnen mit Kopftuch ist weiterhin Gegenstand öffentlicher Debatten. Einige Bundesländer haben sich mittlerweile entschieden, Lehrerinnen mit Kopftuch in den Schuldienst aufzunehmen. Dagegen entschied der Berliner Senat, das Neutralitätsgesetz beizubehalten, mit dem das Tragen des Kopftuchs für Lehrerinnen untersagt ist. Dr. Yasemin Shooman plädiert in ihrem Kommentar für die Öffnung der Schulen für kopftuchtragende Lehrerinnen und begründet dies unter anderem mit der stigmatisierenden Wirkung eines Kopftuchverbotes im öffentlichen Dienst.

Jugend und Kultur in der Migrationsgesellschaft: Protest, Innovation und Aneignung der Verhältnisse

Jugendkulturen halten der Gesellschaft einen Spiegel vor. Im Selbstverständnis von Jugendlichen spiegeln sich die Bedingungen, in denen sie aufwachsen und erwachsen werden. Tobias Studer beschreibt in seinem Artikel das “kulturelle Experimentieren” von Jugendlichen und deren “kreativen Umgang mit den vorgefundenen, nicht selbst gewählten Umständen” im Kontext der Migrationsgesellschaft. Dabei betont er die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen, die das Selbstverständnis von Jugendlichen prägen.

Uneindeutigkeit und der Umgang mit Ambiguität: Orientierungen junger Heranwachsender mit und ohne Zuwanderungsgeschichte

Die Suche nach Identität und Orientierung spielt gerade im Jugendalter eine wichtige Rolle. Am Übergang zum Erwachsensein gilt es, sich gegenüber den Eltern und der Gesellschaft zu positionieren. Dr. Haci-Halil Uslucan beschreibt die Herausforderungen, denen sich gerade Jugendliche mit Migrationsgeschichte zwischen den Erwartungen der Eltern und der Gesellschaft gegenüber sehen. Er beschreibt die oft entstehenden bikulturellen Selbstverständnisse auch als Chance, in einer zunehmend komplexeren und pluralistischen Gesellschaft zurecht zu kommen.

“Kiezdeutsch ist eine Ressource”

Kiezdeutsch hat einen schlechten Ruf – zu Unrecht, meint Maria Pohle. Die Linguistin erforscht die Verwendung von Kiezdeutsch unter Jugendlichen und betont die Normalität dieses Sprachgebrauchs. Kiezdeutsch hat weniger mit fehlenden sprachlichen Kompetenzen als mit jugendlichen Solidaritätsgefühl, situativer Sprachanpassung und der allgemeinen Sprachentwicklung im mittlerweile mehrsprachigen Europa zu tun. Als modernes sprachliches Phänomen sollte es auch im Unterricht eine Rolle spielen. Sindyan Qasem hat mit ihr gesprochen.

Islamische Jugendarbeit in Deutschland – Junge Muslime als Partner

In Deutschland leben etwa 1.8 Mio. junge Muslime unter 25 Jahren. In der Jugendarbeit spielen sie eine wichtige Rolle – nicht nur als Zielgruppe, sondern auch als Akteure. Dennoch werden sie in der Öffentlichkeit oft übersehen, wenn es um Kooperationen in der Kinder- und Jugendarbeit geht. Dr. Hussein Hamdan hat die islamische Jugendarbeit untersucht und fordert eine stärke Öffnung für islamische Träger. Aber auch die Strukturen der islamischen Verbände müssen sich verändern.

Partizipation im Internet: “Die politische Bildung muss aus der Komfortzone herauskommen”

Online-Medien spielen im Alltag von Jugendlichen eine immer wichtigere Rolle. Dabei geht es nicht nur um Unterhaltung und Freizeitgestaltung, sondern auch um Partizipation in Gesellschaft und Politik. Dr. Viktoria Spaiser forscht zur Nutzung des Internets durch Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund und interessiert sich insbesondere für das Potential von Online-Medien für politische Teilhabe und Mitgestaltung. Im Gespräch mit Götz Nordbruch betont sie die Chancen, die mit einer zunehmenden Verschmelzung von On- und Offline-Welten für die Bildungsarbeit verbunden sind.

Prävention in der Schule: The Kids Are All Right

Junge Muslim_innen in Deutschland spüren ganz genau, ob sie von ihrer mehrheitsgesellschaftlichen Umwelt als Dazugehörige wahrgenommen und anerkannt werden. Erst Misstrauen und Ausgrenzung schaffen das Klima, in dem Radikalisierung möglich wird. (Jochen Müller)