Kategorie: Jugendkultur und Identität

Naschids – Der mitreißende Sound des Salafismus

Naschids, die Hymnen der radikal-islamistischen Szene. Oft kommen sie in Kombination mit Propaganda-Videos: vermummte Kämpfer mit IS-Fahne bei Kampfhandlungen, bei Gräueltaten oder mit verklärten Blick in Richtung Sonnenaufgang. Es sind Videos, die aufwühlen – und die Musik trägt ihren Teil dazu bei. Im Interview mit ufuq.de beschreibt der Islamwissenschaftler Behnam T. Said Ursprung, Idee und Wirkung der religiösen Songs und gibt Anregungen, wie Lehrer_innen und Pädagog_innen reagieren sollten, wenn ihre Schüler_innen Naschids hören.

„AK-47, Perso und dann Munition und Granaten …“ – Wie sollen Pädagog_innen reagieren, wenn Jugendliche verdächtige Äußerungen machen?

Die Angst vor Terror wächst und viel ist von der Radikalisierung einiger Jugendlicher die Rede, der etwa in Schule und Jugendarbeit begegnet werden soll. Doch wann ist eine Äußerung oder ein bestimmtes Verhalten bedenklich? Bei aller Vorsicht warnt der Erziehungswissenschaftler Julian Ernst vor vorschnellen Schlüssen. Er hat Gruppendiskussionen von Jugendlichen zu Salafismus und Terroranschlägen untersucht und rät, den Kontext radikal wirkender Äußerungen zu berücksichtigen. Zudem sollten Pädagog_innen sich ihrer eigenen Vorannahmen bewusst sein.

Kleine Kulturgeschichte des deutsch-türkischen Gangsta- und Battle-Rap: Alpa Gun und seine vielen Identitäten

Alpa Gun zeigt sich auf Fotos gerne mit Lederjacke, Spiegelbrille und Waffen: Ein harter, gnadenloser Typ aus dem Berliner Ghetto-Milieu. Doch er kann auch anders: So stellt er sich zuweilen auch als respektvoller Sohn seines Vaters dar oder als gläubiger Muslim. Alpa Gun hat den Gangsta- und Battle-Rap, der in Berlin ab den 1990er Jahren entstand, mitgeprägt. Die Ethnologin Verda Kaya analysiert die Geschichte der deutsch-türkischen Hiphop-Kultur, die zwischen Berlin und Istanbul, zwischen der Türkei und Deutschland gewachsen ist und bis heute immer neue Formen findet.

Importiertes Verdrängen? Zum Umgang mit der Geschichte des Nationalsozialismus in der Migrationsgesellschaft

Am 27. Januar 2016 jährt sich der Tag der Befreiung von Auschwitz zum 71. Mal. Der Tag ist in vielen Schulen Anlass, sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Elke Gryglewski schildert in diesem Beitrag ihre Erfahrungen in der Bildungsarbeit im Haus der Wannsee-Konferenz und geht dabei auch auf die Diskussionen um einen vermeintlichen Import von antisemitischen und geschichtsverleugnenden Einstellungen durch Menschen mit Migrationsgeschichte ein: Welche Zugänge haben Jugendliche zur nationalsozialistischen Geschichte – und welche Rolle spielen dabei Migrationserfahrungen? Wovon hängt die Intensität der Beschäftigung mit der Vergangenheit ab?

Lebenswelten anerkennen! Religion im Unterricht und die Prävention salafistischer Einstellungen

Religiöse Themen spielen in der Prävention salafistischer Einstellungen und Orientierung eine wichtige Rolle. Dabei geht es nicht allein um religiöse Bildung und Erziehung, sondern auch um die Auseinandersetzung mit lebensweltlichen Fragen und Interessen, die viele Jugendliche bewegen. Götz Nordbruch (ufuq.de) stellt einige Ansätze vor, wie sich religiöse Fragen auch jenseits des Religionsunterrichts aufgreifen lassen.

Türkischer Nationalismus in Deutschland: Gemeinschaft und Identität im Migrationskontext

Die politischen Konflikte in der Türkei spiegeln sich auch in Spannungen zwischen türkeistämmigen Migranten in Deutschland. Nationalistische und rechtsextreme Organisationen wie die „Grauen Wölfe“ bieten gerade für Jugendliche Identitäts- und Gemeinschaftsangebote, die sich auf eine mythisch überhöhte Geschichte des „Türkentums“ berufen. In seinem Artikel gibt Ismail Küpeli einen Überblick über türkisch-nationalistische Organisationen und fasst deren ideologischen Besonderheiten zusammen.

„Mein Kopf gehört mir“ – Kommentar zur Diskussion um das Tragen des Kopftuchs im öffentlichen Dienst

Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über die Einstellung von Lehrerinnen mit Kopftuch ist weiterhin Gegenstand öffentlicher Debatten. Einige Bundesländer haben sich mittlerweile entschieden, Lehrerinnen mit Kopftuch in den Schuldienst aufzunehmen. Dagegen entschied der Berliner Senat, das Neutralitätsgesetz beizubehalten, mit dem das Tragen des Kopftuchs für Lehrerinnen untersagt ist. Dr. Yasemin Shooman plädiert in ihrem Kommentar für die Öffnung der Schulen für kopftuchtragende Lehrerinnen und begründet dies unter anderem mit der stigmatisierenden Wirkung eines Kopftuchverbotes im öffentlichen Dienst.

Jugend und Kultur in der Migrationsgesellschaft: Protest, Innovation und Aneignung der Verhältnisse

Jugendkulturen halten der Gesellschaft einen Spiegel vor. Im Selbstverständnis von Jugendlichen spiegeln sich die Bedingungen, in denen sie aufwachsen und erwachsen werden. Tobias Studer beschreibt in seinem Artikel das „kulturelle Experimentieren“ von Jugendlichen und deren „kreativen Umgang mit den vorgefundenen, nicht selbst gewählten Umständen“ im Kontext der Migrationsgesellschaft. Dabei betont er die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen, die das Selbstverständnis von Jugendlichen prägen.

Uneindeutigkeit und der Umgang mit Ambiguität: Orientierungen junger Heranwachsender mit und ohne Zuwanderungsgeschichte

Die Suche nach Identität und Orientierung spielt gerade im Jugendalter eine wichtige Rolle. Am Übergang zum Erwachsensein gilt es, sich gegenüber den Eltern und der Gesellschaft zu positionieren. Dr. Haci-Halil Uslucan beschreibt die Herausforderungen, denen sich gerade Jugendliche mit Migrationsgeschichte zwischen den Erwartungen der Eltern und der Gesellschaft gegenüber sehen. Er beschreibt die oft entstehenden bikulturellen Selbstverständnisse auch als Chance, in einer zunehmend komplexeren und pluralistischen Gesellschaft zurecht zu kommen.

„Kiezdeutsch ist eine Ressource“

Kiezdeutsch hat einen schlechten Ruf – zu Unrecht, meint Maria Pohle. Die Linguistin erforscht die Verwendung von Kiezdeutsch unter Jugendlichen und betont die Normalität dieses Sprachgebrauchs. Kiezdeutsch hat weniger mit fehlenden sprachlichen Kompetenzen als mit jugendlichen Solidaritätsgefühl, situativer Sprachanpassung und der allgemeinen Sprachentwicklung im mittlerweile mehrsprachigen Europa zu tun. Als modernes sprachliches Phänomen sollte es auch im Unterricht eine Rolle spielen. Sindyan Qasem hat mit ihr gesprochen.