Kategorie: Diversität und Diskriminierung

Kleine Kulturgeschichte des deutsch-türkischen Gangsta- und Battle-Rap: Alpa Gun und seine vielen Identitäten

Alpa Gun zeigt sich auf Fotos gerne mit Lederjacke, Spiegelbrille und Waffen: Ein harter, gnadenloser Typ aus dem Berliner Ghetto-Milieu. Doch er kann auch anders: So stellt er sich zuweilen auch als respektvoller Sohn seines Vaters dar oder als gläubiger Muslim. Alpa Gun hat den Gangsta- und Battle-Rap, der in Berlin ab den 1990er Jahren entstand, mitgeprägt. Die Ethnologin Verda Kaya analysiert die Geschichte der deutsch-türkischen Hiphop-Kultur, die zwischen Berlin und Istanbul, zwischen der Türkei und Deutschland gewachsen ist und bis heute immer neue Formen findet.

Risiken des Widerstands: Rassismuserfahrungen in der Schule

„Wie ist es denn bei Euch?“ Solche Fragen von Lehrer_innen sind meist nicht ausgrenzend gemeint. Dennoch konstruieren solche Fragen ein „Wir“, zu dem die „Anderen“ nicht dazu gehören. Die Erziehungswissenschaftlerin Wiebke Scharathow von der PH Freiburg zeigt in diesem Beitrag die Mechanismen des alltäglichen Rassismus und seine Konsequenzen für Schüler_innen auf, die selbst Rassismuserfahrungen machen. Sie plädiert für die Etablierung einer rassismuskritischen pädagogischen Praxis.

Empowerment als Erziehungsaufgabe – Wie Eltern ihre Kinder auf Erfahrungen mit Rassismus vorbereiten können

„Rassismuserfahrungen sind keine hinnehmbaren ‚Kleinigkeiten‘, sondern eine signifikante Form emotionaler Gewalt.“ Umso wichtiger ist es für Eltern, ihre Kinder in der Auseinandersetzung mit Diskriminierungen zu stärken. Die Moderatorin und Soziologin Dr. Nkechi Madubuko hat ein Buch darüber geschrieben, wie Eltern Kinder mit Migrationsgeschichte auf Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung vorbereiten können. In einem Essay stellt sie die wichtigsten Konzepte von „Empowerment als Erziehungsaufgabe“ vor.

Importiertes Verdrängen? Zum Umgang mit der Geschichte des Nationalsozialismus in der Migrationsgesellschaft

Am 27. Januar 2016 jährt sich der Tag der Befreiung von Auschwitz zum 71. Mal. Der Tag ist in vielen Schulen Anlass, sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Elke Gryglewski schildert in diesem Beitrag ihre Erfahrungen in der Bildungsarbeit im Haus der Wannsee-Konferenz und geht dabei auch auf die Diskussionen um einen vermeintlichen Import von antisemitischen und geschichtsverleugnenden Einstellungen durch Menschen mit Migrationsgeschichte ein: Welche Zugänge haben Jugendliche zur nationalsozialistischen Geschichte – und welche Rolle spielen dabei Migrationserfahrungen? Wovon hängt die Intensität der Beschäftigung mit der Vergangenheit ab?

Türkischer Nationalismus in Deutschland: Gemeinschaft und Identität im Migrationskontext

Die politischen Konflikte in der Türkei spiegeln sich auch in Spannungen zwischen türkeistämmigen Migranten in Deutschland. Nationalistische und rechtsextreme Organisationen wie die „Grauen Wölfe“ bieten gerade für Jugendliche Identitäts- und Gemeinschaftsangebote, die sich auf eine mythisch überhöhte Geschichte des „Türkentums“ berufen. In seinem Artikel gibt Ismail Küpeli einen Überblick über türkisch-nationalistische Organisationen und fasst deren ideologischen Besonderheiten zusammen.

Neue Haltungen gegen Unmut: Forderungen an eine gesamtgesellschaftliche Präventionsarbeit

„Nur wenn Jugendliche sich in ihrem Unwohlsein, ihrer Angst oder eben Wut anerkannt fühlen, kann von ihnen erwartet werden, in einem zweiten Schritt eigenes Schwarz-Weiß-Denken und eigene Feindbilder zu hinterfragen“, schreibt Sindyan Qasem in seinem Beitrag zu einem gesamtgesellschaftlichen Verständnis von Präventionsarbeit. Die Prävention von demokratie- und freiheitsfeindlichen Einstellungen beinhaltet auch die Bereitschaft, die Erfahrungen von jungen Muslim_innen ernst zu nehmen und in der Bildungsarbeit aufzugreifen.

„Mein Kopf gehört mir“ – Kommentar zur Diskussion um das Tragen des Kopftuchs im öffentlichen Dienst

Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über die Einstellung von Lehrerinnen mit Kopftuch ist weiterhin Gegenstand öffentlicher Debatten. Einige Bundesländer haben sich mittlerweile entschieden, Lehrerinnen mit Kopftuch in den Schuldienst aufzunehmen. Dagegen entschied der Berliner Senat, das Neutralitätsgesetz beizubehalten, mit dem das Tragen des Kopftuchs für Lehrerinnen untersagt ist. Dr. Yasemin Shooman plädiert in ihrem Kommentar für die Öffnung der Schulen für kopftuchtragende Lehrerinnen und begründet dies unter anderem mit der stigmatisierenden Wirkung eines Kopftuchverbotes im öffentlichen Dienst.

Uneindeutigkeit und der Umgang mit Ambiguität: Orientierungen junger Heranwachsender mit und ohne Zuwanderungsgeschichte

Die Suche nach Identität und Orientierung spielt gerade im Jugendalter eine wichtige Rolle. Am Übergang zum Erwachsensein gilt es, sich gegenüber den Eltern und der Gesellschaft zu positionieren. Dr. Haci-Halil Uslucan beschreibt die Herausforderungen, denen sich gerade Jugendliche mit Migrationsgeschichte zwischen den Erwartungen der Eltern und der Gesellschaft gegenüber sehen. Er beschreibt die oft entstehenden bikulturellen Selbstverständnisse auch als Chance, in einer zunehmend komplexeren und pluralistischen Gesellschaft zurecht zu kommen.

„Darf ich als Muslim wählen?“ Dossier zum Umgang mit Fragen zu Islam und Demokratie

Für viele muslimische Jugendliche spielt die Frage nach der Vereinbarkeit von Demokratie und Islam eine große Rolle. Zum Beispiel in Diskussionen, die in sozialen Netzwerken geführt werden. Dabei finden sich häufig Beiträge, in denen eine grundsätzliche – wenngleich oft diffuse – Verunsicherung zum Ausdruck kommt: Viele Jugendliche erleben einen Widerspruch zwischen ihrer Selbstwahrnehmung als Teil der Gesellschaft und den Vorstellungen, die im öffentlichen Diskurs („Gehört der Islam zu Deutschland?“, „Wie gefährlich ist der Islam?“), aber auch in Beiträgen aus islamistischen Kreisen („Demokratie – nein danke!“), formuliert werden.