Zwischen Berlin und Beirut – Antisemitismus bei Jugendlichen arabischer, türkischer und/oder muslimischer Herkunft
8. November 2023 | Geschichte, Biografien und Erinnerung, Radikalisierung und Prävention, Religion und Religiosität

Symbolbild; Israelische Flagge auf Mauer: Tomas Ragina/iStock

Die aktuellen Debatten um Antisemitismus im Kontext des Nahostkonfliktes sind nicht neu. Das zeigt der folgende Beitrag von Jochen Müller, Co-Geschäftsführer von ufuq.de, aus dem Jahr 2013. Wir veröffentlichen ihn erneut, weil er uns auch für die aktuelle Diskussion relevant erscheint: Er gibt Antworten auf die Frage, weshalb antisemitische Aussagen und Ressentiments unter deutschen (bzw. in Deutschland lebende) Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit (muslimischem) Migrationshintergrund attraktiv sein können, und entwickelt daraus Anregungen für die pädagogische Praxis, um Antisemitismus entgegenzuwirken.

In den gegenwärtigen öffentlichen Debatten werden antisemitische Positionen von Menschen mit arabischem, türkischem oder muslimischem Migrationshintergrund meist unter dem Begriff „muslimischer Antisemitismus“ subsumiert. [1] Dies suggeriert eine kausale Beziehung zwischen dem Islam als Religion und antisemitischen Positionen oder gar einer antisemitischen Weltanschauung.[2] Ein primär religiös geprägter Antisemitismus ist meines Erachtens jedoch weder in den so genannten muslimischen Ländern noch in Deutschland besonders verbreitet. Deshalb sind die häufig verwendeten Bezeichnungen „muslimischer“ oder „islamischer“ Antisemitismus irreführend.

Wir haben es hier mit einem letztlich erkenntnistheoretischen Dilemma zu tun. Wenn wir etwa über Formen des Antisemitismus bei Migranten und Jugendlichen arabischer, türkischer und/oder muslimischer Herkunft sprechen wollen, dann müssen wir dem Kind einen Namen geben. Daher wird häufig von „muslimischem“ oder „islamischem“ Antisemitismus gesprochen. Auf diese Weise wird aber Antisemitismus unter Migranten aus arabischen, türkischen und muslimischen Gesellschaften primär mit der Religion in Verbindung gebracht, der die Mehrzahl dieser Menschen angehört – und auf diese Weise eine Wirklichkeit konstituiert, die in dieser Form nicht existiert: Denn ohne Zweifel gibt es (modernen und traditionellen) Antisemitismus unter Muslimen – ein explizit „muslimischer“ Antisemitismus, d. h. ein primär religiös begründeter Antisemitismus, ist jedoch höchst selten.[3] So begründen zwar Muslime mitunter antisemitische Positionen mit spezifischen Passagen in den religiösen Quellen Koran und Sunna.[4]  Aus dem Islam leiten jedoch gerade explizit religiöse Muslime (deren Einstellungen hier von islamistischen und traditionalistischen Positionen unterschieden werden sollen) eine tolerante Haltung insbesondere gegenüber den anderen monotheistischen Religionen ab. Vor diesem Hintergrund besteht also die Gefahr, dass wir uns den Blick eher verstellen, wenn wir über „muslimischen“ Antisemitismus sprechen und die Religion dabei als Motiv in den Vordergrund rücken, obwohl Wurzeln und Ursachen antisemitischer Positionen von Menschen arabischer, türkischer und muslimischer Herkunft selten im Islam liegen.[5]

Die Ideologie des Islamismus und seine Vertreter zählen hingegen ohne Zweifel weltweit und im Nahen Osten zu den Hauptträgern von militantem Antisemitismus. So finden sich in den Ideologien der meisten islamistischen Gruppierungen weltweit antisemitische Elemente wie Verschwörungstheorien bis hin zu Aufrufen zum Kampf gegen „die Juden“, die etwa unter Bezug auf Koranverse diffamiert werden.[6] Trotz ihrer häufigen propagandistischen Verwendung stehen dabei jedoch die religiösen Motive meist nicht wirklich im Vordergrund. Vielmehr stehen hinter dem Hass auf Juden auch hier universelle Motive des Antisemitismus wie die Bekämpfung von Phänomenen der Moderne, die „den Juden“ zugeschrieben werden, sowie der Versuch, die Gesamtheit der Muslime mittels gemeinsamer Feindbilder als (starke) Gemeinschaft zu konstituieren und gegen die Juden (bzw. Israel) in Stellung zu bringen. Für viele islamistische Gruppen mit deutlich antisemitischer Ausrichtung wie etwa die palästinensische Hamas oder die libanesische Hisbollah spielt dabei der Nahostkonflikt eine entscheidende Rolle. Ohne diesen ist ihre Popularität insbesondere in der Region nicht zu denken. Attraktivität erlangen diese Gruppen und Bewegungen nämlich nicht wegen ihrer antisemitischen Ideologie und deren teils religiöser Begründung (die ist meist sekundär). Attraktiv erscheinen sie für viele Menschen vor allem deshalb, weil sie im Kontext des Nahostkonflikts und dessen ideologisierter Wahrnehmung die radikalste (nationalistische!) Opposition im Nahen Osten gegen Israel darstellen (und auf diese Weise auch Bedürfnisse nach Kollektividentitäten bedienen).[7]

Und das gilt auch in Deutschland: So gehen die Menschen nicht zu Demonstrationen zum Nahostkonflikt wie dem alljährlichen Al-Quds-Tag, weil es religiös legitimierende islamistische und/ oder antisemitische Organisationen sind, die dazu aufrufen, sondern weil es gemeinsam gegen Israel geht. Im Zuge solcher Demonstrationen (wie auch zuletzt etwa anlässlich des Gaza-Kriegs), aber ebenso in Internetforen, auf Facebook oder auf Musikvideos, die sich um den Nahostkonflikt drehen, kommt es dann auch zu Hasspropaganda und Antisemitismus, weil neben Akteuren, die lediglich ihre Kritik oder ihre Empörung zum Ausdruck bringen wollen, auch jene deutlich in Erscheinung treten, denen der Nahostkonflikt als Motiv antisemitischer Einstellungen dient. Und unter ihnen finden sich (auch in Deutschland) viele, die islamistischen Ideologien und Organisationen anhängen bzw. nahe stehen.[8]

Israel und der Nahostkonflikt: Aufhänger für einen „Neuen Antisemitismus“?

In den vergangenen Jahren wurde vor dem Hintergrund zunehmender Artikulationen von antisemitischen Positionen, die mit den Ereignissen im Nahen Osten „legitimiert“ wurden, häufig darüber diskutiert, ob es denn einen „Neuen Antisemitismus“ gebe: einen Antisemitismus, der sich (kurz gesagt) nicht auf das vermeintliche Verhalten von Juden bezieht, sondern sich vor allem auf den Staat Israel und dessen Politik bezieht.[9] Verstanden als Ideologie im Sinne einer Weltanschauung gibt es allerdings meines Erachtens keinen „neuen“ Antisemitismus. Vielmehr handelt es sich bei dessen wesentlichen Elementen (wie u. a. der Antimodernismus, Verschwörungstheorien und seine Funktion als Gemeinschaftsideologie) um Projektionen, die universell sind und mit dem konkreten und tatsächlichen Verhalten von Juden höchstens indirekt zu tun haben.

Elemente antisemitischer Weltanschauung, die im Kontext des Nahostkonflikts geäußert werden, so ließe sich verkürzt zusammenfassen, sind daher nicht an sich neu, sondern bedienen sich lediglich eines neuen „Aufhängers“. Als ein Sonderfall könnten allerdings solche antisemitischen Positionen betrachtet werden, die von Menschen (hier insbesondere Jugendlichen) geäußert werden, die direkt von Gegenwart und Geschichte des Nahostkonflikts betroffen sind[10]: Spielen hier doch zumindest teilweise spezifische Erfahrungen (bzw. deren Tradierung etwa durch Familienangehörige) eine besondere Rolle für das Bild von „den Juden“. Hatten also der deutsche und europäische Antisemitismus mit dem realen Verhalten von Juden nichts zu tun (es handelte sich um reine Fiktionen seitens seiner Träger), gibt es zumindest im engeren (territorialen) Umfeld des Nahostkonflikts Menschen (und deren Nachkommen), die aktuell und historisch gesehen tatsächlich unter dem Verhalten von Menschen zu leiden haben, die als Israelis (und Juden) in Erscheinung traten und identifiziert wurden. In die Interpretation solcher konkreter (historischer und aktueller) Erfahrungen bzw. in die Erzählungen darüber (etwa von Familienangehörigen) gehen dann nicht selten antisemitische Stereotypen und Behauptungen ein. Sie können der „Erklärung“ (und Dramatisierung) von Erfahrungen sowie der Legitimation von Wut und auch Hass dienen, die viele Menschen palästinensischer und libanesischer Herkunft (und ihre Nachkommen) angesichts ihrer Erlebnisse empfinden. Häufig ist dann von außen schwer oder gar nicht zu unterscheiden, ob diese Stereotypen und Behauptungen nun Bestandteil allgemeiner antisemitischer Ressentiments bzw. einer latenten oder offenen antisemitischen Weltanschauung sind. Oder ob sie im Zuge der Interpretation von realen und oft leidvollen Erfahrungen und Ereignissen im Zuge des Nahostkonflikts „lediglich“ aufgegriffen und entsprechenden Wahrnehmungen und Erzählungen gewissermaßen „sekundär“ hinzugefügt werden.[11]

Israelkritik und Antizionismus

Zwar lassen sich antisemitische Einstellungen keineswegs durch den Nahostkonflikt „erklären“. Eine solche Analyse würde das Wesen des Antisemitismus verkennen – schließlich würde er auch mit einer wie auch immer gearteten Lösung des Konflikts nicht einfach verschwinden. Die Beobachtung der Konjunkturen antisemitischer Vorfälle und israelfeindlicher sowie antisemitischer Propaganda zeigt aber, dass der Konflikt einer der Hauptkatalysatoren für das Aufgreifen und die Artikulation antisemitischer Ressentiments ist. Das betrifft sowohl Menschen aus der Region selbst, als auch solche, die vom Konflikt nur indirekt oder gar nicht berührt sind. Auf diese Weise spielt der Nahostkonflikt eine entscheidende Rolle für die Neukonstituierung und Reaktualisierung solcher Positionen. (Der türkische Kinofilm „Tal der Wölfe – Palästina“ ist ein Beispiel für diese Dynamik.[12])

Insbesondere sind es dabei Krisenzeiten, in denen die Emotionen hochschlagen. Teilweise sind diese Emotionen – vor allem bei Menschen mit palästinensischem und libanesischem Hintergrund – Ausdruck authentischer Empörung. Schließlich verbinden viele von ihnen (bzw. ihre Familien) teils traumatische Erfahrungen mit dem Konflikt. Die Politik Israels empfinden sie meist als äußerst ungerecht.[13] Solche Kritik an Israel und auch Empörung über israelische Politik sind ohne Frage legitim und nachvollziehbar. Nicht selten findet jedoch eine Vermischung statt: Reale Erlebnis- und Erfahrungsberichte von Betroffenen vermischen sich mit ideologischen und von Hasspropaganda geprägten Wahrnehmungen. Von solchen Interpretationen des Konflikts lassen sich insbesondere Jugendliche sehr beeinflussen. (s. unten) Vor allem unter dem Deckmantel des Antizionismus findet eine solche Vermischung häufig statt. Das beste Beispiel dafür ist die iranische Staatspropaganda der vergangenen Jahre: Hier werden zwar Juden und das Judentum als Religion offiziell akzeptiert, Israel und der Zionismus hingegen werden als Repräsentanten von Moderne, Säkularismus und Unterdrückung der Menschheit diffamiert und angegriffen. In seiner vom Iran selbst als „antizionistisch“ bezeichneten Propaganda geht es eben nicht, wie behauptet, nur um Gerechtigkeit für die Palästinenser, sondern es tauchen eine Vielzahl „klassischer“ antisemitischer Stereotypen und Verschwörungstheorien auf (vom Ritualmordvorwurf bis zu den „jüdischen Machenschaften“ in Hollywood).[14] Die Legitimität von Kritik und Verurteilungen israelischer Politiken endet also dort, wo sie mit Hasspropaganda und Elementen antisemitischer Ideologie verbunden oder das Existenzrecht von Israel in Frage gestellt wird. In „antizionistischen“ Positionen ist dies nicht immer und notwendigerweise, aber häufig der Fall.

Zur Verbreitung von antisemitischen Positionen

Eine immer wieder gestellte und umstrittene Frage in der Diskussion um Antisemitismus unter Menschen arabischer, türkischer und/oder muslimischer Herkunft lautet, wie verbreitet antisemitische Einstellungen in dieser Gruppe der deutschen Bevölkerung denn nun eigentlich sind? Und wie sie – offenbar auch unter Migranten der dritten Generation – verbreitet werden? Der Blick in die Herkunftsregionen zeigt zunächst, dass keinerlei Zahlen vorliegen, die auch nur eine ungefähre Vorstellung vermitteln könnten. Aus der Beschäftigung mit arabischen Medien kann man aber ableiten, dass in der arabischen Öffentlichkeit antisemitische Positionen verbreitet sind. So tauchen beispielsweise krasse diffamierende und aufhetzende Behauptungen über Juden immer wieder (und dabei meist – aber nicht nur – im Kontext des Nahostkonflikts) auch in renommierten Medien auf, ohne dass daran öffentlich Anstoß genommen würde. Im Gegenteil, wer daran Anstoß nähme, muss damit rechnen, selbst diffamiert zu werden.[15]

Ähnlich gilt dies auch in der Türkei: Moderner Antisemitismus ist dort seit der Gründung des modernen türkischen Nationalstaats präsent. Und auch hier, ohne dass es ein irgendwie verbreitetes Problembewusstsein gäbe. Dabei geht es bis heute sowohl in nationalistischen wie islamistischen Ideologien (und deren Medien) immer wieder um die Bedrohung der Gemeinschaft der Türken durch Feinde von außen und von innen. Unter anderen sind diese Feinde die Juden, die diese Gemeinschaft scheinbar bedrohen. Charakteristisch dafür ist das immer wieder reproduzierte und sehr verbreitete Dönme-Motiv.[16] Und solche tradierten Denkmuster und Überzeugungen wirken auch in der dritten Generation, d. h. bei den in Deutschland geborenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen arabischer und türkischer Herkunft.[17]

Dabei dürften die Ansichten und Erzählungen von Erwachsenen eine große Rolle spielen: Diese sind – das gilt etwa für türkischnationalistische Positionen – häufig geprägt von überlieferten Gemeinschaftsideologien (inklusive Juden als Feindbild); und sie sind – im Fall der arabischen Erwachsenen – geprägt von oft einseitigen Berichten über Geschichte und Gegenwart des Nahostkonflikts. So greifen z. B. Jugendliche mit palästinensischem Hintergrund Berichte, Erzählungen und Behauptungen von Eltern und Großeltern auf, in denen Flucht und Vertreibung eine zentrale Rolle spielen. Zwar liegt eine einseitige Sicht auf den Konflikt bei diesen Geschichten nahe – schließlich haben viele dieser Menschen im Zuge des Konflikts Verwandte und Bekannte ebenso verloren wie Haus und Hof. Teils mussten sie gleich mehrfach fliehen. Bei aller authentischen Erfahrung und dem erlittenen Leid und Unrecht sind aber diese Berichte nicht selten ideologisch so verzerrt, dass sie Anknüpfungspunkte für antisemitische Stereotype bieten bzw. antisemitisch verarbeitet werden.

Dabei dürften auch einzelne Medien eine wichtige Rolle spielen. Insbesondere in Krisenzeiten wird arabischen (und einzelnen türkischen) Medien – darunter vor allem einzelne islamistische und nationalistische TV-Kanäle – mehr getraut, als deutschen Medien, denen gerade in Bezug auf den Nahostkonflikt vorgeworfen wird, einseitig proisraelisch zu berichten.[18] Das Feindbild von „den Juden“ und Israel gehört vor diesem Hintergrund für viele Jugendliche arabischer und türkischer und/oder muslimischer Herkunft auch in Deutschland zum Alltagswissen. Gesicherte Zahlen zur Verbreitung antisemitischer Einstellungen unter Jugendlichen gibt es auch hier nicht.[19]

Beobachtungen und Berichte etwa aus der Schule oder von Jugendarbeitern oder aus einzelnen qualitativen Untersuchungen bestätigen indes die Verbreitung antisemitischer Überzeugungen: So ist „Du Jude“ eines der in vielen Schulen und oft mit größter Selbstverständlichkeit verwendete Schimpfwort, das oft im Sinn von „Du Opfer“ zur Abwertung anderer dient. Und dass in Deutschland ein schlechtes Bild vom Islam und ein falsches über den Nahostkonflikt herrsche, führen Jugendliche auch darauf zurück, dass Medien wie Spiegel oder Stern doch in „jüdischer Hand“ seien. Zusammenfassend lässt sich sagen: Antisemitismus und Israelhass gibt es auch in anderen migrantischen Gruppen sowie in der Mehrheitsbevölkerung. Antisemitische Äußerungen und Positionen kommen unter Jugendlichen arabischer, türkischer und muslimischer Herkunft jedoch häufiger, offener und teils in äußerst militant geäußerter Form vor. Sie werden über Medien und über die Erzählungen der älteren Generationen verbreitet, so dass ein schlechtes Bild von Israel und synonym von „den Juden“ zu haben, für viele vor dem Hintergrund von tradiertem Familien- und Medienwissen ganz selbstverständlich erscheint. Dabei spielt der Nahostkonflikt immer wieder eine zentrale Rolle bei der Mobilisierung und der Reaktualisierung von Positionen und Emotionen, die antisemitisch sind oder Anknüpfungspunkte für antisemitische Stereotypen bieten.[20]

Funktionen antisemitischer Überzeugungen: „Die Juden“, Israel und der Nahostkonflikt als Projektionsfläche

Für die pädagogische Auseinandersetzung mit antisemitischen Positionen bei Jugendlichen ist nicht zuletzt die Frage von entscheidender Bedeutung, welche Funktionen diese erfüllen. Oder anders: Warum können (neben legitimem Protest) Feindbilder, Hasspropaganda und antisemitische Einstellungen für einen Teil der Jugendlichen arabischer, türkischer und muslimischer Herkunft attraktiv sein?[21]

Zunächst ist insbesondere im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt ein sehr jugendtypisches Motiv der Mobilisierung zu nennen: Der Einsatz für das, was als gerecht bzw. der Protest gegen das, was als ungerecht wahrgenommen wird. Dies ist in Internetforen und auf Demonstrationen das sicherlich am häufigsten anzutreffende Motiv für das emotionale und politische Engagement von Jugendlichen. Dahinter steht meist die Empörung über Leid und Ungerechtigkeiten, die Palästinenser im Zuge des Konflikts scheinbar oder real erleiden. Während der Kriege (Libanon 2006, Gaza 2008) waren die Internetforen voller Berichte und Initiativen von Jugendlichen, in denen gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit protestiert sowie zur Unterstützung der Libanesen und Palästinenser aufgerufen wurde.[22] Das hier zum Ausdruck kommende Bedürfnis nach Gerechtigkeit und der Protest gegen Unrecht (bzw. was die Jugendlichen dafür halten) sind nachvollziehbar. Allerdings verschwimmen sie häufig mit einer extrem einseitigen und verzerrten Wahrnehmung und Darstellung des Konflikts, die vor allem am wiederkehrenden Motiv getöteter und verletzter unschuldiger Kinder deutlich wird („Kindermörder Israel“): Unschuldige, ohnmächtige Opfer stehen in dieser Wahrnehmung einer machtgierigen, brutalen, aggressiven und expansiven Soldateska gegenüber. Vor dem Hintergrund solcher dichotomen Wahrnehmungen (Gut-Böse, Täter-Opfer, schuldig-unschuldig ….) sind viele Jugendliche bereit, auch den haarsträubenden Gerüchten über die Brutalität der israelischen Armee oder Verschwörungstheorien Glauben zu schenken. Die von palästinensisch-libanesischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen berichteten (und nicht selten von Jugendlichen anderer Herkunft übernommenen) Geschichten changieren auf diese Weise beständig zwischen realen Erfahrungen und extrem verzerrten Wahrnehmungen. Deutlich wird daran, wie aus legitimer Kritik und nachvollziehbarer Empörung Hass auf Israel und antisemitische Positionen entstehen können.

Dabei zeigen Gespräche mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen ebenso wie die Analyse von Musikvideos oder Beiträgen auf Internetforen wie das Feindbild Israel und das Feindbild der Juden für viele zu einer Projektionsfläche wird. Der Protest gegen Israel wird gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen arabischer, türkischer und muslimischer Herkunft zu einem Ventil für Zorn und Empörung über Frustrationserfahrungen, die sie eigentlich in Deutschland machen: Denn viele von ihnen erleben sich hier als perspektivlos, nicht anerkannt, ohnmächtig und ungerecht behandelt.[23] Insbesondere Jugendliche palästinensischer und libanesischer Herkunft verbinden hier individuelle und familiäre reale Erfahrungen von Leid und Diskriminierung im Herkunftsland mit Erlebnissen, die sie in Deutschland haben.

Hinzu tritt dann nicht selten eine ideologisch geprägte Interpretation solcher Erfahrungen. Auch bei Jugendlichen türkischer Herkunft lassen sich solche Positionen ähnlich deuten: Das bei vielen bestehende Gefühl von Nichtanerkennung und Perspektivlosigkeit in Deutschland fördert nationalistische und religiöse Überhöhungen und Formen individueller Selbstinszenierung. Zu diesen Selbstinszenierungen können auch extreme Feindbildkonstruktionen, die aggressive Abwertung anderer sowie Unterwerfungsfantasien gehören. Insbesondere männliche und bildungsbenachteiligte Jugendliche sind dafür empfänglich. (Solche Abwertungen anderer, die der eigenen Aufwertung dienen, können sich auch in Form von Frauenverachtung, Homophobie oder Abwertung von Deutschen oder Schwarzen äußern. Bei vielen türkischen Jugendlichen findet sich dies etwa auch in der Diffamierung von Jugendlichen türkisch-kurdischer Herkunft.)[24] Wenn also „die Juden“, Israel oder „die Zionisten“ für Jugendliche zum Feindbild werden, kann dies gleich mehrere Funktionen erfüllen:

  • Als Sündenbock und Ventil dienen Israel oder „die Juden“ der Kompensation und Aggressionsabfuhr im Sinne eines als gerecht empfundenen Zorns, dessen Ursachen aber nur bedingt im Nahen Osten liegen.
  • Das Feindbild Israel oder/und „der Juden“ stiftet Gemeinschaft und vermittelt das Gefühl von Zugehörigkeit – als Palästinenser, Libanesen, Türken, Araber oder Muslime. Dies erfolgt auch vor dem Hintergrund der Erfahrung und des Empfindens, in Deutschland nicht akzeptiert zu werden, nicht dazu zu gehören.
  • Durch die Denunzierung und Abwertung anderer (hier: der Juden und Israelis) fühlen sich Jugendliche und junge Erwachsene stark, insbesondere solche, die sich in ihrem Alltag meist als schwach und ohnmächtig erleben. (Aus den mitunter zutage tretenden Hass- und Gewaltfantasien spricht das Bedürfnis nach Anerkennung, Stärke und Selbstwirksamkeit.)
  • In einer Opferperspektive kann man sich gut einrichten: Diese oft von Jugendlichen eingenommene Sichtweise erklärt die eigene Lage, entschuldigt sie und befreit von eigener Verantwortlichkeit.
  • Äußerungen von Hass auf Israel und/ oder „die Juden“ dienen teilweise als gezielte Provokation der deutschen Mehrheitsgesellschaft – einschließlich ihrer Pädagogen, deren Unsicherheit an diesem Punkt wahrgenommen und nicht selten ausgenutzt wird.[25]

Schlussfolgerungen für eine zielgruppenspezifische Pädagogik

Voranzuschicken ist hier zunächst noch einmal, dass bei den Jugendlichen und den meisten jungen Erwachsenen kein festes kohärentes Weltbild in Form einer antisemitischen Weltanschauung vorliegt. Vielmehr handelt es sich oft um ein Sammelsurium aufgeschnappter und fragmentarischer Behauptungen und Überzeugungen, die sie in bestimmten Situationen reproduzieren. Das macht auch erst die pädagogische Arbeit sinnvoll: Es geht primär darum, die Verfestigung einzelner Bilder zu einem antisemitischen Weltbild zu verhindern. Besteht ein solches Weltbild erst einmal, kommt die Pädagogik – wie Erfahrungen aus dem Rechtsextremismus zeigen – oft zu spät. Es gibt inzwischen einige Ansätze und Konzepte zur spezifischen Begegnung von Antisemitismus bei Jugendlichen arabischer, türkischer und muslimischer Herkunft.[26] Dennoch stecken diese insgesamt noch in den Anfängen. Im Folgenden einige Punkte, die im hier beschriebenen Zusammenhang bedeutsam sind:

  • Die Auseinandersetzung mit dem Nahostkonflikt kann ein wesentlicher Bestandteil pädagogischer Interventionen gegen antisemitische Positionen und Behauptungen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen sein. In der Regel wissen diese sehr wenig über den Konflikt, was in großem Kontrast zu der Bedeutung steht, die viele ihm beimessen. In Form einer multiperspektivischen Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart des Konflikts können Jugendliche nicht zuletzt befähigt werden, zwischen realem Konfliktgeschehen und dessen ideologischer Interpretation zu unterscheiden. Bewährt haben sich dabei zwei Erklärungsschemata: (1) Die Geschichte (aber auch einzelne aktuelle Ereignisse) des Konflikts lassen sich in Form der Gegenüberstellung des legitimen „israelischen“ Bedürfnisses nach Sicherheit und dem ebenso legitimen „palästinensischen“ Wunsch nach Gerechtigkeit betrachten. (2) Dabei könnte vermittelt und anerkannt werden, dass historisch im Zuge der Immigration und Flucht von Juden nach Palästina, der Gründung des Staates Israels und auch den nachfolgenden Kriegen Palästinensern individuell Unrecht geschehen und Leid zugefügt wurde – aber ohne, dass sich dafür konkret und eindeutig Schuldige benennen ließen. Vielleicht liegt darin eine besondere Tragik dieses Konflikts, die Jugendlichen vermittelt werden und zu einer versöhnlichen Betrachtung beitragen kann.
  • Zur Multiperspektivität gehört unbedingt auch (etwa in der Schule) eine gezielte kritische Auseinandersetzung mit Gemeinschaftsideologien (hier: islamischer und nationaler) – dem Denken in WIR und DIE. Dazu können auch andere Ideologien wie Rassismus und Islamfeindschaft herangezogen werden. Für Jugendliche zentrale Fragen von Zugehörigkeit, Identität und Anerkennung können aufgegriffen, dabei aber auch falsche kollektive Identitätskonzepte infrage gestellt werden. Pädagogik gegen Antisemitismus ist hier auch eine Pädagogik für Integration. Angesichts der Rolle, die Medien im Leben vieler Jugendlicher aber auch bei der Verbreitung von einseitigen Perspektiven (u. a. auf den Nahostkonflikt) spielen, ist die Förderung kritischer Medienkompetenz ein wichtiges pädagogisches Anliegen. Jugendliche sollen in die Lage versetzt werden, mit Berichten und Informationen, die sie bekommen, kritisch umzugehen. Dazu gehört ggf. auch die Fähigkeit und Möglichkeit, Erzählungen von Älteren infrage zu stellen – und zwar so, dass dabei die Jugendlichen nicht gleich in einen Loyalitätskonflikt geraten, weil sie sich mit einer kritischen Rezeption von der eigenen Familie oder der Community distanzieren würden.
  • Die Erfahrung zeigt, dass auch der Islam ein Weg sein kann, um muslimische Jugendliche anzusprechen. Zwar ist der Antisemitismus wie gesagt meist nicht religiös begründet. Der Bezug auf Religion (etwa auf das Toleranzgebot oder die Parallelen zwischen Judentum, Christentum und Islam), der sich oft auch nicht besonders religiöse Jugendliche zurechnen, weil sie ein wesentliches Merkmal ihres Konzepts von Identität und Selbstbehauptung darstellt, kann aber helfen, bestehende Feindbilder abzubauen und den Jugendlichen insgesamt den Zugang zu einem toleranten Welt- und Menschenbild zu eröffnen.
  • Um die Jugendlichen zu erreichen, ist es wichtig, sie persönlich anzuerkennen – und das heißt auch, ihre Positionen zunächst aufzugreifen und nicht direkt moralisch abzuwerten.

Gleichzeitig muss antisemitischen wie anderen menschenverachtenden Positionen deutlich entgegen getreten und ihnen im Zweifelsfall auch mit Sanktionen begegnet werden. Hier ist also eine schwierige pädagogische Balance gefordert: Die Balance zwischen Anerkennen und Abgrenzen! Anerkennung gebührt der Person, aber nicht zwangsläufig den Positionen, die sie vertritt.

Und, nicht zuletzt: Um Pädagogen inhaltlich und pädagogisch in die Lage zu versetzen, diese schwierige Balance zu halten, muss auch die Aus- und Fortbildung von Pädagoginnen und Pädagogen, die mit Jugendlichen arabischer, türkischer und muslimischer Herkunft arbeiten, ein wesentliches Element zukünftiger Begegnung und Prävention von antisemitischen Positionen sein.

 

Anmerkungen

[1] Zu beachten ist dabei, dass sich vor allem im Kontext des Nahostkonflikts viele Jugendliche antiisraelisch und oft israelfeindlich äußern, diese Positionen aber nur teilweise auch als antisemitisch zu betrachten sind.

[2] Zur Debatte über Antisemitismus im arabischen/islamischen Kontext siehe: Webmann,Esther (2010): The Challenge of Assessing Arab/Islamic Antisemitism. In: Middle Eastern Studies. Vol. 46, S. 677–697; Kiefer, Michael (2007): Islamisierter Antisemitismus. In: Benz, Wolfgang/ Wetzel, Juliane (Hrsg.): Antisemitismus und radikaler Islamismus. Essen, S. 71–84; Nordbruch, Götz (2004): Antisemitismus als Gegenstand islamwissenschaftlicher und Nahostbezogener Sozialforschung. In: Bergmann, Werner/Körte, Mona (Hrsg.): Antisemitismusforschung in den Wissenschaften. Berlin, S. 241–269.

[3] Vgl. Kiefer, Michael (2009): Was wissen wir über antisemitische Einstellungen bei muslimischen Jugendlichen? Leitfragen für eine künftige Forschung. In: Amadeu Antonio-Stiftung (Hrsg.): „Die Juden sind schuld!“ Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft am Beispiel muslimisch sozialisierter Milieus. Reader und Praxisbeispiele zur pädagogischen Arbeit. Berlin, S. 20–23.

[4] Vgl. Kiefer, Michael (2002): Antisemitismus in den islamischen Gesellschaften. Düsseldorf; Müller, Jochen (2008). Geschichte und Gegenwart des Antisemitismus im Nahen und Mittleren Osten. In: Benz, Wolfgang (Hrsg.): Der Hass gegen die Juden. Dimensionen und Formen des Antisemitismus. Berlin, S. 119–136.

[5] Zu beachten ist dabei, dass die Selbstdefinition als Muslim bzw. die Zugehörigkeit zu einer Kollektividentität „der Muslime“ eine wichtige Rolle bei der Formierung antisemitischer Positionen spielen kann (etwa in der Konstruktion entsprechender Feindbilder). Diese Kollektividentität wird insbesondere in der Ideologie islamistischer Bewegungen beschworen. Außerdem können aber auch der türkische und der (pan-) arabische Nationalismus als wichtige Kollektivideologien gelten, die zur Verbreitung antisemitischer Einstellungen wesentlich beigetragen haben.

[6] Vgl. Holz, Klaus (2005): Die Gegenwart des Antisemitismus: Islamistische, demokratische und antizionistische Judenfeindschaft. Hamburg.

[7] Vgl. Müller, Jochen (2007): Auf den Spuren von Nasser. Nationalismus und Antisemitismus im radikalen Islamismus. In: Benz, Wolfgang/Wetzel, Juliane (Hrsg.): Antisemitismus und radikaler Islamismus. Essen, S. 85–102.

[8] Vgl. Wolter, Udo (2004): Beispiel Al-Quds-Tag. Islamistische Netzwerke und Ideologien unter Migrantinnen und Migranten in Deutschland und Möglichkeiten zivilgesellschaftlicher Intervention. Gutachten im Auftrag des BAMF. URL: http://ufuq.de/newsblog/online-bilbiothek/islamismus-und-antisemitismus/329-bei-spiel-al-quds-tagislamistische-netzwerke-und-ideologien.

[9] Vgl. Rabinovic, Doron/Speck, Ulrich/Sznaider, Natan (2004): Neuer Antisemitismus? Eine globale Debatte. Frankfurt am Main.

[10] Vgl. Arnold, Sina/Jikeli, Günther (2008). Judenhass und Gruppendruck – Zwölf Gespräche mit jungen Berlinern palästinensischen und libanesischen Hintergrunds. In: Benz, Wolfgang (Hrsg.): Jahrbuch für Antisemitismusforschung. Berlin, S. 105–130.

[11] Die Unterscheidung zwischen Antisemitismus als einer mehr oder weniger kohärenten Weltanschauung einerseits und antisemitischen Stereotypen, die aufgegriffen und „nachträglich“ in die Interpretation realer Ereignisse und Erfahrungen im Kontext des Nahostkonflikts integriert werden andererseits, hat große Bedeutung für die pädagogische Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus der Region. Dies gilt auch, wenn diese Unterscheidung oft nicht eindeutig zu treffen ist und tatsächlich nicht selten Kritik an Israel und israelischer Politik in Form klassischer antisemitischer Stereotype erfolgt, wobei der Konflikt dann lediglich als Aufhänger dient (s. unten). So spielen für Einstellungen von Menschen aus Ägypten, Marokko, der Türkei oder Malaysia gegenüber Israel und/oder den Juden eigene bzw. familiäre Erfahrungen im Konflikt eine entsprechend kleinere oder gar keine Rolle.

[12] Vgl. dazu etwa die Berichterstattung auf Spiegel-online.

[13] 14 Vgl. Nordbruch, Götz (2009): Dreaming of a free Palestine: Muslim Youth in Germany and the Israel-Palestine-conflict. Centre for Contemporary Middle East Studies. Odense.

[14] Vgl. Müller, Jochen (2008), a. a. O.

[15] Vgl. Müller, Jochen (2008), a. a. O.

[16] Vgl. Müller, Jochen (2009): „Das sind die Gefährlichsten, weil man sie nicht sieht.“ In: amira (Hrsg.): Antisemitismus in der Türkei. Berlin. URL: http://www.amira-berlin.de/Aktuelles/65.htm.

[17] Vgl. etwa: European Monitoring Centre on Racism und Xenophobia (2004): Manifestations of Antisemitism in the EU 2002–2003. Wien; amira (Hrsg.) (2009): „Du Opfer! – Du Jude!“ Antisemitismus und Jugendarbeit in Kreuzberg. Berlin; Amadeu Antonio-Stiftung (Hrsg.) (2009): „Die Juden sind schuld!“ Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft am Beispiel muslimisch sozialisierter Milieus. Reader und Praxisbeispiele zur pädagogischen Arbeit. Berlin.

[18] Vgl. zur Mediennutzung von Jugendlichen muslimischer Herkunft: ufuq.de (2007): Newsletter „Jugendkultur, Religion und Demokratie“, Nr. 1+2. Berlin. URL: www.ufuq.de; Nordbruch, Götz (2011): Islam 2.0 in Deutschland. Jenseits von deutscher Leitkultur und islamischem „Medienghetto“. In: Englert, Rudolf u. a. (Hrsg.): Jahrbuch für Religionspädagogik 2012. Gott googeln? Multimedia und Religion. Neukirchen. Verfügbar unter: www.ufuq.de.

[19] Lediglich die BMI-Studie „Muslime in Deutschland“ (2006) bietet einen Anhaltspunkt: Demnach stimmten 15,7 Prozent der befragten „muslimischen Jugendlichen“ der 9. und 10. Jahrgangsstufe der Aussage zu, dass „Menschen jüdischen Glaubens überheblich und geldgierig“ seien; bei „nichtmuslimischen Migranten“ und „nichtmuslimischen Einheimischen“ liegen diese Werte mit 7,4 Prozent bzw. 5,7 Prozent deutlich niedriger[].

[20] Vgl. Wetzel, Juliane (2010): Moderner Antisemitismus unter Muslimen in Deutschland. In: Schneiders, Thorsten Gerald (Hrsg.): Islamfeindlichkeit. Wenn die Grenzen der Kritik verschwimmen. Wiesbaden, S. 379–392.

[21] Vgl. zum Folgenden detaillierter: Müller, Jochen (2008): „Warum ist alles so ungerecht?“Antisemitismus und Israelhass bei Jugendlichen. In: Amadeu Antonio-Stiftung (Hrsg.): „Die Juden sind schuld!“ Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft am Beispiel muslimisch sozialisierter Milieus. Reader und Praxisbeispiele zur pädagogischen Arbeit. Berlin, S. 30–36; Müller, Jochen (2008a): Zwischen Abgrenzen und An- erkennen. Überlegungen zur pädagogischen Begegnung von antisemitischen Einstellungen bei deutschen Jugendlichen muslimischer/arabischer Herkunft. In: Benz, Wolfgang (Hrsg.): Jahrbuch für Antisemitismusforschung. Berlin, 97–104.

[22] Darunter waren auch viele Berichte von Jugendlichen palästinensisch-libanesischer Herkunft, die 2006 zu Familienbesuchen im Libanon waren und dort den Krieg aus nächster Nähe mitbekommen haben.

[23] Vgl. ausführlicher: Müller, Jochen (2008): „Warum ist alles so ungerecht?“ Antisemitismus und Israelhass bei Jugendlichen. In: Amadeu Antonio-Stiftung (Hrsg.): „Die Juden sind schuld!“ Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft am Beispiel muslimisch sozialisierter Milieus. Reader und Praxisbeispiele zur pädagogischen Arbeit. Berlin, S. 30–36.

[24] Auf Youtube findet sich eine Fülle von Videos, in denen türkische Jugendliche Kurden diffamieren – und umgekehrt.

[25] Vgl. Dantschke, Claudia (2006): Feindbild Juden. Zur Funktionalität der antisemitischen Gemeinschaftsideologie in muslimisch geprägten Milieus. In: Amadeu Antonio-Stiftung (Hrsg.): „Die Juden sind schuld!“ Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft am Beispiel muslimisch sozialisierter Milieus. Reader und Praxisbeispiele zur pädagogischen Arbeit. Berlin, S. 10–19.

[26] Ob, in welcher Form und in welchem Kontext Pädagogik gegen Antisemitismus sich tatsächlich besonderen Zielgruppen wie Jugendlichen mit Migrationshintergrund in spezifischer Form widmen kann und soll, ist Gegenstand von Auseinandersetzungen. Zur Diskussion und zu pädagogischen Formaten zur Begegnung von Antisemitismus vor allem unter Jugendlichen türkischer, arabischer und muslimischer Herkunft siehe das Literaturverzeichnis.

Literatur

Amadeu Antonio-Stiftung (Hrsg.) (2009): „Die Juden sind schuld“. Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft am Beispiel muslimisch sozialisierter Milieus. Reader und Praxisbeispiele zur pädagogischen Arbeit. Berlin.

Fechler, Bernd/Kössler, Gottfried/Messerschmidt, Astrid/Schäuble, Barbara (Hrsg.) (2006): Neue Judenfeindschaft? Perspektiven für den pädagogischen Umgang mit dem globalisierten Antisemitismus. Frankfurt am Main.

Gebhardt, Richard/Klein, Anne/Meier, Marcus (Hrsg.) (2012): Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft. Beiträge zur kritischen Bildungsarbeit. Weinheim und Basel. Georgi, Viola/Ohliger, Rainer (Hrsg.) (2009): Crossover Geschichte. Historisches Bewusstsein Jugendlicher in der Einwanderungsgesellschaft. Hamburg.

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Wiederveröffentlichung des Beitrags

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in der Zeitschrift "Der Bürger im Staat" (4-2013) mit dem Themenschwerpunkt "Antisemitismus heute", herausgegeben von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg.

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