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Jenseits von Resignation und Wehklagen: Muslimische Beiträge zur "Islam-Debatte"

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„Wer mit offenen Augen und Ohren in einem von Türken, Arabern, Afghanen bewohnten Stadtteil lebt“, schrieb Gustav Falke vor einigen Tagen in der FAZ, „wird bald Frauen mit blauen Flecken und Brandwunden zu sehen bekommen und Geschichten hören von rasend eifersüchtigen Männern, die jeden Blick ihrer Ehefrau, und Jungen, die jedes Gespräch ihrer Schwester kontrollieren.“

In den Feuilletons geht es gegenwärtig hoch her. Wieder einmal steht die Frage nach dem Umgang mit dem Islam in Deutschland im Mittelpunkt – und wieder einmal finden noch die abwegigsten Ansichten Gehör. Mit dem Alltag deutscher Muslime hat die Debatte oft kaum etwas zu tun.

Dennoch gibt es einige muslimische Stimmen, die mit pointierten Stellungnahmen Position bezogen. Muslime sollten endlich selbst aktiv werden, um die bestehenden Vorbehalte gegenüber Muslimen zu erwidern, heißt es hier immer wieder. So forderte die Religionslehrerin Emina Corbo-Mesic die Muslime auf, der weitverbreiteten „Voreingenommenheit“ gegenüber dem Islam selbstbewusst entgegenzutreten. „Es ist an uns Muslimen, unsere Belange sachlich und überzeugend zu Gehör zu bringen. Es ist an uns, nicht hinter jedem klischeebehafteten Bericht Ablehnung oder gar ‚Islamfeindlichkeit‘ zu vermuten“, erklärte die Tochter bosnischer Eltern in ihrem aktuellen Islamischen Wort, das vom SWR gesendet wird. “Die Integration der mehr als vier Millionen Muslime hierzulande ist eine Aufgabe, der sich die gesamte Gesellschaft stellen muss. Wir Muslime tragen hierbei eine große Verantwortung. Wir können ihr nur dann wirklich gerecht werden, wenn wir uns im Rahmen der einzigartigen Zivilgesellschaft Deutschlands auch engagieren.“

Mit dieser Einschätzung steht Corbo-Mesic nicht allein. In einem langen Beitrag nahm die Redaktion des Berliner Anzeigenblattes Al-Dalil die aktuelle Diskussion zum Anlass, um – zum wiederholten Male – Muslime und arabische Migranten zu einem stärkeren Engagement in der Gesellschaft aufzurufen. „Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass in der Welt ein negatives Bild vom Islam und von den Muslimen existiert, das zu einem großen Teil aus dem fehlenden Wissen über den Anderen herrührt“, heißt es in der bundesweit vertriebenen arabischsprachigen Zeitschrift. „Diese Unkenntnis hängt mit der Isolation (der Muslime) von der neuen Gesellschaft zusammen, und damit, dass es an Bemühungen fehlt, die Natur der Wert- und Moralvorstellungen, die das Leben von Muslimen bestimmen, auf eine Weise zu erklären, dass sie vom Anderen verstanden und respektiert werden kann, auch wenn er sie nicht teilt.“

 

 

Gegen antimuslimische Hetze, die nicht mehr nur in rassistischen Internetforen verbreitet wird, wenden sich auch die beiden muslimischen Hiphoper Ammar114 und Sayfoudin. „Wir halten dagegen, werden die Fäuste erheben, verschaffen uns Gehör, lassen uns nicht die Freiheit nehmen“, rappen die beiden Musiker in einem neuen Lied, das sie im Internet kostenlos zum download anbieten.

Die Botschaft ist klar: An unserer Identität als Muslime lassen wir nicht rütteln – aber es ist an uns, uns stärker einzubringen! Das schließt eine entschiedene Kritik von Rassismus und anti-muslimischen Ressentiment ausdrücklich mit ein. Dennoch ist man nicht nur Opfer. Denn, so betont Corbo-Mesic, der „Islam fordert aktives Handeln und nicht passives Resignieren und Wehklagen.“