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Urteil im Fall El-Sherbini: Kommentare zur Medienberichterstattung

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Ja, der Mord an Marwa el-Sherbini war islamfeindlich motiviert. Und ja, Politik und Medien in Deutschland haben diese Dimension der Tat lange nicht genügend realisiert. Inzwischen wurde in Dresden jedoch nicht nur der Mörder zur juristisch höchst möglichen Strafe verurteilt. Zudem lässt kein Medienbeitrag mehr die Islamfeindlichkeit von Tat und Täter unerwähnt. Viele Berichte analysieren überdies, dass es sich bei dem Mord zwar um eine Einzeltat gehandelt hat, die islamfeindliche Ideologie hinter der Tat aber durchaus bis in die ominöse „Mitte der Gesellschaft“ hineinreicht.  Dennoch zwei Randbemerkungen zum Hintergrund der Tat und zu den Medien:

 1. Islamfeindlichkeit ist eine Erscheinungsform von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und anderen Formen der Menschenverachtung in Deutschland, die nicht nur Muslime betreffen. In einem Kommentar für die Tagesthemen hat Esther Schapira gestern darauf hingewiesen, dass seit 1989 in Deutschland 143 Menschen Opfer rechtsradikaler Gewalt geworden sind. So wie Marwa El-Sherbini, die „erkennbar Muslimin“ war, wurden sie zum Opfer, weil sie eine „andere Hautfarbe oder Religion hatten, behindert, links, obdachlos, Punker oder schwul waren“. Als Andersdenkene, Anderslebende oder nur Andersaussehende, so Schapira, sollen sie alle keinen Platz haben in einem Land, wie es sich Rechtsradikale aus dem Umfeld der NPD vorstellen, mit der auch der Mörder von El-Sherbini sympathisierte. „Freiheit und Menschenwürde“, so schloss Esther Schapira ihren Kommentar, „werden nicht allein im Gerichtssaal verteidigt, sondern auch auf jedem Spielplatz.“

Auf die NPD und den Rechtsradikalismus hatte vor einigen Tagen auch ein Beitrag auf der Website des Zentralrats der Muslime (ZMD) hingewiesen – und zwar anlässlich eines Berichts über Schmierereien an der Neuen Synagoge in Dresden: „Neben der Jährung der Pogromnacht, sowie des Gedenkens an den Mauerfall wird in diesen Tagen auch das Urteil im Mordfall Marwa erwartet. Vor diesem Hintergrund erscheint der Angriff auf die Synagoge besonders erschreckend. Dresden scheint ein Problem mit dem Rassismus zu haben. Sachsen gilt auch als Hochburg der NPD, die bei den letzten Landtagswahlen erneut den Einzug geschafft hat. Gleichzeitig verstärkt die NPD ihre Aktivität im Jugendbereich.“
(Hier der Kommentar aus den Tagesthemen und hier der Bericht auf islam.de über den Angriff auf die Synagoge in Dresden.)

2. Vor allem in der Fernsehberichterstattung zur Urteilsverkündung in Dresden haben es wieder einmal die radikalen Salafiten geschafft, sich in den Vordergrund zu spielen. Deutschlandweit hatten sie vor allem im Internet nach Dresden mobilisiert. Vor dem Gerichtsgebäude lieferten dann ein paar Dutzend Anhänger salafitischer Strömungen mit ihrem spezifischen äußeren Erscheinungsbild und einem gemeinsamen Gebet genau solche Bilder, die von Kamerateams gerne mitgenommen werden. Im Zusammenspiel tragen so Salafiten und Medien auf ihre Weise dazu bei, Stereotype über „die Muslime“ zu verbreiten.

Vor diesem Hintergund kritisiert die "Islamische Zeitung" in einem Kommentar die Inszenierung eines öffentlichen Gebets in Dresden durch die Salafiten: "Es (ist) endlich an der Zeit, dass sich die praktizierenden und aufmerksamen Muslime in diesem Land gegen diese 'Negativ-Publicity' deutlicher und vernehmlicher aussprechen, als es bisher der Fall war." Anlass war hier das Aufmacherbild eines Artikels in der taz von heute (s. Bild oben), das ganz ähnlich u.a. auch in der Berliner Zeitung erschien.