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Bäderverbot für Frauen? Wettstreit um strikte Auslegungen des Islam

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Der Besuch von öffentlichen Bädern und Solarien ist für Frauen verboten – diese Ansicht vertritt die Hizb ut-Tahrir auf ihrer deutschsprachigen Webseite. Begründet wird dieses Verbot mit einer Aussage, die Aisha, einer Ehefrau des Propheten Muhammads, zugeschrieben wird. „Bäder sind für die Frauen meiner Umma (der Gemeinschaft der Gläubigen) verboten“, heißt es in einem Hadith, einer Erzählung aus dem Leben Muhammads. Dies gilt aus Sicht der Organisation selbst dann, wenn sich in dem Bad nur Frauen aufhalten. Auch unter Frauen sei es nicht erlaubt, „was zwischen ihrem Nabel und ihrem Knie bzw. zwischen ihrem Bauch und ihren Brüsten liegt“, zu entblößen.

Die Hizb ut-Tahrir ist seit Januar 2003 wegen antisemitischer und zu Gewalt aufrufender Hetze in Deutschland verboten. Dagegen ist sie in Ländern wie Großbritannien, Österreich und Dänemark weiterhin aktiv. Mit ihrem griffigen Programm, das vor allem in einer entschiedenen Ablehnung „des Westens“ und einer „materialistischen Lebensweise“ und dem Ruf nach einer Wiedereinrichtung des Kalifats auf der Grundlage der Scharia besteht, stößt die Organisation allerdings auch in Deutschland immer noch auf Interesse. Und zwar gerade auch unter jungen Muslimen.

Die Erklärung der Hizb ut-Tahrir über das Verbot von Bad- und Solarium-Besuchen für Frauen ist ein Beispiel für die Konkurrenz, die unter islamistischen Strömungen besteht. An der Rigidität der Auslegung der islamischen Quellen misst sich dabei oft die vermeintliche Treue gegenüber der Botschaft des Islam. So steht die Hizb ut-Tahrir unter Kritikern aus dem salafitischen Spektrum in dem Ruf, zwar große politische Reden zu schwingen, es aber mit Frömmigkeit und persönlichem religiösem Eifer nicht allzu genau zu nehmen. Diese Botschaft findet sich zum Beispiel auf der deutschsprachigen Internetseite kalifailed, die die Hizb ut-Tahrir als „Partei der Irreleitung“ geißelt.

Die Erklärung, mit der die Hizb ut-Tahrir Frauen das Recht abspricht, öffentliche Bäder zu besuchen, lässt sich daher auch als ein Versuch verstehen, an Legitimität und Glaubwürdigkeit im Wettstreit um einen „wahren Islam“ zu gewinnen. Nicht zufällig widmet sich ein Großteil der im Internet kursierenden islamischen Videos und Erklärungen Fragen der Moral und der Sittlichkeit. Oft steht dabei die Mahnung im Mittelpunkt, man möge auch im Alltag den Pflichten des Islam nachkommen.

Gerade dem Appell an die Tugendhaftigkeit der Frauen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Während Männer in der Regel allein an die Befolgung des Gebetes erinnert werden (hier ein Beispiel für ein solches Video auf Youtube), sind die Forderungen an Frauen deutlich vielfältiger. Neben der Mahnung, sich in der Öffentlichkeit zu verhüllen, übertreffen sich die Videos in dem Eifer, eine Übernahme vermeintlich nicht-islamischer Verhaltensweisen durch muslimische Frauen als denunzieren.



Siehe dazu auch hier.