Newsblog
Anklage gegen Leipziger Imam Hassan Dabbagh
Samstag, 05. September 2009 um 09:35 Uhr
Der Leipziger Imam Hassan Dabbagh und sieben weitere Personen müssen sich demnächst wegen Gründung einer kriminellen Vereinigung und Verbreitung volksverhetzender Schriften vor Gericht verantworten, berichtete der Focus. Die Ermittlungen gegen Dabbagh, in deren Rahmen bei Hausdurchsuchungen diverse Schriften und Videos beschlagnahmt wurden, laufen bereits seit zwei Jahren. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde der salafitische Prediger unter anderem durch Auftritte in den Talkshows „Christiansen“ und "Menschen bei Maischberger".
Zu den nun angeklagten Personen gehört auch Reda Seyam, über den in den vergangenen Tagen im Zusammenhang mit einem Urteil des Berliner Kammergerichts mehrfach in den Medien berichtet wurde. Das Gericht hatte dem Deutsch-Ägypter das Recht zugesprochen, seinen Sohn "Djehad" zu nennen - was ihm vom Standesamt wegen der möglichen Übersetzung des Namens als "Heiliger Krieg" zunächst verweigert worden war. (siehe hier)
Über die Vorwürfe gegen den Imam der Leipziger Al-Rahman-Moschee, der auch als Gefängnisseelsorger tätig war, hatte das ARD-Magazin Fakt bereits im Mai berichtet:
(siehe auch "Hassprediger schulen junge Gotteskrieger", 25. Mai 2009)
In dem Bericht wurde Dabbagh vorgeworfen, islamistisches Propagandamaterial verbreitet und Kontakte zu Gruppierungen und Einzelpersonen zu unterhalten, die Al-Qaida und der jihadistischen Terrorszene nahe stehen. Die Reportage bezog sich dabei ausdrücklich auf einen internen Bericht des Landeskriminalamtes Sachsen über salafitische Netzwerke in Deutschland. Die Interpretation dieses Berichtes wollte das LKA Sachsen damals allerdings auf Nachfrage der Leipziger Volkszeitung nicht bestätigen. Eine Sprecherin des LKA kritisierte den ARD-Bericht, weil er sich auf "selektive, aus dem Kontext gerissene Zitate aus einem behörden-internen Papier" berufe, die die Intention des Dokuments nicht richtig wiedergäben.
Dabbagh selbst bestreitet die Vorwürfe: "Ich rufe zu Frieden, Dialog und Völkerverständigung auf, lehne Gewalt, Terror und Parallelgesellschaften ab", erklärte er gegenüber der Leipziger Volkszeitung. Bereits im Frühjahr hatte Dabbagh in Videos die Beschuldigungen zurückgewiesen und als Teil einer Kampagne gegen den Islam verurteilt.
Tatsächlich spricht sich Dabbagh zumindest in seinen öffentlichen Erklärungen nicht für den Einsatz von Gewalt aus. Über die subtileren Auswirkungen der manichäischen Weltsicht, in der jede Abweichung von der vermeintlich wahren Lehre als Unglauben denunziert wird, ist damit allerdings nichts gesagt. Die Propagierung eines solchen Weltbildes beinhaltet schließlich nicht nur die Diffamierung von Andersdenkenden, sondern bereitet zudem den Boden für gewalttätige Übergriffe gegen vermeintliche Abweichler und „Feinde des Islam“.
Eine Stellungnahme Dabbaghs zu den Vorwürfen finden Sie hier:

Wenn Sie sich unser RSS-Lesezeichen anlegen wollen, klicken Sie bitte


