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Salafitischer Protest gegen Pro Köln

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Am vergangenen Wochenende fand in Köln zum zweiten Mal ein vor allem von den rechten Organisationen Pro Köln und Pro NRW getragener „Anti-Islamisierungskongress“ statt. Die Veranstaltung bezeichneten sie als „europäische Manifestation gegen die Islamisierung und Überfremdung des christlichen Abendlandes". Gegen den Kongress und seine Organisatoren wandten sich neben Vertretern aus Politik, Gewerkschaften, Kirchen, linken Gruppierungen und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen auch islamische Organisationen. Eine besondere Rolle spielte dabei das islamistische Netzwerk um den salafitischen Prediger Pierre Vogel, der vor allem bei jungen sehr religiösen Muslimen Popularität genießt. So hatte sich Vogel im Vorfeld der Demonstrationen in eine Diskussion im Dawa-News-Forum der Seite „Islamically Incorrect“ eingeschaltet. Darin erklärt er:

„Liebe Geschwister im Islam, am 9. Mai 2009 wollen Islamhasser zu Tausenden nach Köln kommen um unter dem Motto ‚Stopp Islam!’ unsere Religion und unseren Propheten (alaihi sallatu wa salam) durch den Dreck zu ziehen. Sie beabsichtigen nichts anderes als die Menschen gegen den Islam aufzuhetzen.“

Vogel ruft dazu auf, nicht „den Linken“ die Gegendemonstrationen zu überlassen:

„Im letzten Jahr planten sie (die Islamhasser) dasselbe. Die Linken kamen jedoch mit 50000 Gegendemonstranten, blockierten alle Straßen und sorgten dafür, dass der Anti-Islam-Kongress am Ende abgesagt werden musste. Und wo waren wir Muslime um ihren Propheten (alaihi sallatu wa salam) zu verteidigen? (…) Es ist wirklich erstaunlich zu sehen, wie Nicht-Muslime soviel Herz aufbringen um gegen die Ungerechtigkeit gegenüber unserer Religion und gegenüber den Muslimen insgesamt in solchen Massen zu protestieren. Es ist ebenso erstaunlich, mit welchem Aufwand die Rechten versuchen uns aus Europa zu vertreiben und auszurotten. (…) Aber am erstaunlichsten ist es, dass wir Muslime dabei zusehen wie unser Prophet (alaihi sallatu wa salam) beschimpft wird und den Mund nicht mal einen Millimeter aufmachen um zu sagen: ‚Nicht mit uns!’ (…) Kommt zu Hunderttausenden und beweist euch selbst, dass ihr den Propheten wirklich liebt!“

Die Proteste vergleicht er dabei mit anderen Ereignissen: „Dort geht es nicht um ein Stück Land wie im Fall von Palästina, es geht nicht um eine Karikatur, über die wir weinen, die wir aber nicht mehr zurückholen können. Es geht um alles! Es geht darum, unsere Religion zu verteidigen. Und die Aussichten auf Erfolgt sind gut.“

„Es ist unsere Aufgabe, an diesem Tag auf die Menschen in der Stadt zuzugehen. Inscha’Allah werden wir für diesen Tag 50.000 Flyer anfertigen, in denen auf eine Extra-Homepage hingewiesen wird. Viele Infos über die Islamhetze werden schon auf den Flyern stehen, auf dieser Homepage jedoch werden dann inscha’Allah alle Vorurteile über den Islam aus dem Weg geräumt und die Lügen der Islamgegner entschleiert. Parallel dazu könnte ihr auch DVDs brennen und diese verteilen, oder auch Bücher, Broschüren, etc.“

Vogel fordert dann vor allem muslimische Frauen auf, sich an den Protesten zu beteiligen: „Dazu hätten wir gerne, dass die Frauen sich an diesem Tag bereit erklären, Plakate auf dem Körper zu tragen mit Aufschriften wie ‚Warum werde ich diskriminiert und darf mit Kopftuch keine Lehrerin sein?’, ‚Warum wollen Sie mich zwingen, mein Kopftuch abzulegen?’“

Für den Verlauf der Demonstration forderte Vogel sein Publikum dazu auf, sich nicht provozieren zu lassen: „Seid nett und freundlich zu jedermann. Wer zum Provozieren kommt, hilft uns nicht, im Gegenteil, er schadet uns sogar, weil er Vorurteile bestätigt, die wir abbauen wollen. Also an alle Radaumacher: Bleibt zuhause!“ Auch Parolen und Takbir-Rufe (Allahu akbar) erklärt er dabei für „unangebracht“.

Außerdem antwortet er auf mögliche Bedenken – etwa, dass Männer und Frauen nicht zusammen sein dürften:„Wir werden das natürlich so gut wie möglich vermeiden. Zurzeit des Propheten haben Frauen auch gemeinsam am Jihad mit den Männern teilgenommen. Und wer nicht versteht, dass dies auch eine Form des Jihad ist, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Wer nicht sieht, was hier abgeht, soll aufhören mit den Füßen in der Steckdose zu schlafen. Es geht hier um eine ganz üble Islamhetze, die uns Muslime akut bedroht.“

Ein weiterer Einwand könnte laut Vogel sein, dass Demonstrationen im Islam verboten seien. Seine Antwort: „Zum Einen vertreten die Gelehrten in diesem Punkt unterschiedliche Meinungen. Zum Anderen demonstrieren wir nicht, wir nutzen nur die Menschenmenge einer von anderer Hand organisierten Demonstration um ein Gegengift für die Hetze gegen unseren Propheten (alaihi sallatu wa salam) zu spritzen.“

Abschließend appelliert er an die Gemeinschaft aller Muslime:„Also vergesst nicht: Ihr seid alle gefragt, egal welcher islamischen Gruppierung ihr euch zuschreibt. An diesem Tag wollen wir unsere Streitereien und Meinungsverschiedenheiten beiseite legen und gemeinsam als eine Umma auftreten um unseren Propheten (alaihi sallatu wa salam) zu verteidigen.“ (Hier das komplette Statement von Pierre Vogel und eine Diskussion dazu auf Dawa-News.)

Wie Vogel Proteste gegen Vorurteile und Rassismus gegenüber Islam und Muslimen für seine Propaganda nutzt, zeigt sein Auftritt auf der Seite „Muslimegegenrechts“. Dort warnt Vogel vor dem Hintergrund eines Bildes von weiblichen KZ-Häftlingen vor einem „Holocaust gegen Muslime“. Die Hetze gegen die Muslime, meint er, gleiche den Propagandamethoden von Adolf Hitler, die damals die Menschen bereit für den Massenmord gemacht hätten. „Wehret den Anfängen“ müsse es deshalb heute in Bezug auf die Muslime heißen.

Auch die ebenfalls dem Umfeld des Predigers zugehördende Seite „Islamically Incorrect“ stellt entsprechende Vergleiche an: „Es ist Zeit geworden, dass wir uns gegen die Ungerechtigkeiten wehren, damit der Hass gegen Muslime keine neue Dimension erreicht. Denn viele Faktoren haben gezeigt, wie hasserfüllt man den Muslimen gegenübersteht. Wir müssen die Stimme der Muslime sprechen lassen, bevor Deutschland/Europa wieder dem Holocaust entspricht und viele unzählige und unschuldige Menschen der Gewalt zum Opfer fallen.“