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Fataawa.de: Muslime sollen keine europäischen Staatsbürgerschaften annehmen

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Eine Fatwa ist ein religiöses Gutachten von islamischen Gelehrten über Fragen zum privaten, gesellschaftlichen und politischen Leben. „Fataawa“ ist der Plural dieses arabischen Wortes – und Fataawa.de ist eine deutsche Internetseite, die solche religiösen Gutachten, die meist von arabischen Gelehrter verfasst wurden, ins Deutsche übersetzt.

Die Betreiber der Seite bezeichnen diese Gutachten als "Urteile", also als verbindliche Feststellungen der jeweiligen Gelehrten. Dabei gehört Fataawa.de – wie etwa auch salaf.de (zu salaf.de s. hier und hier in unserem Newsletter) – zur salafitischer Strömung des Islam. Unter den deutschsprachigen Seiten, auf denen islamische Positionen vertreten werden, haben salafitische Betreiber mittlerweile einen führenden Platz erwoben. Die Inhalte der Seiten orientieren sich sehr eng an den religiösen Quellen des Islam (vor allem den Hadithen über das Leben und Handeln des Propheten und seiner Gefährten) und liefern in der Regel äußerst rigide Auslegungen der islamischen Traditionen.

So ist es muslimischen Männern nach einem auf Fataawa.de verbreiteten „Urteil“ verboten, sich zu rasieren – und zwar, weil sich Muslime durch ihren Vollbart von den Ungläubigen unterscheiden und abgrenzen sollen. Diese religiöse Strömung des Salafismus ist geprägt durch Einflüsse aus Saudi-Arabien – bis heute sind saudische Einrichtungen weltweit der größte Exporteur konservativer islamischer Positionen und islamistischer Ideologie. Verbreitung findet diese Ideologie dabei über das Internet, aber auch durch die Einladung von Gelehrten nach Deutschland. Ganz aktuell ist der saudische Gelehrte Muhammad al-Arifi in Berlin zu Gast, wo er in mehreren Moscheen, aber auch an der TU Berlin auftreten wird. (zu Arifi siehe auch hier)

Viele der Texte auf Fataawa.de stammen ursprünglich aus dem mehrsprachigen Portal „Islam-Question & Answer“. Auf dieser Seite findet man derzeit zum Beispiel eine ausführliche, hauptsächlich an Hadithen orientierte Belehrung darüber, dass Muslime keine Aprilscherze machen sollten. Geistiger Vater der Seite ist der saudische islamistische Gelehrte Muhammad al-Munajjid, der international bekannt wurde, als er in TV-Interviews Micky Mouse und die olympischen Spiele in Peking als „satanisch“ bezeichnete und zur Tötung der Comic-Figur aufrief.

In einem anderen Text, der von Fataawa.de übernommen wurde, geht es um eine Beurteilung von „Muslimen, die eine europäische Identität annehmen“. Für das deutschsprachige Publikum von Fataawa.de ist die Frage von offensichtlichem Interesse. Die ursprünglich an die Gelehrten gerichtete Frage lautete:

„Was ist das Urteil, wenn ein Muslim eine europäische Nationalität annimmt, der in ein europäisches Land kam, geflohen vor der Unterdrückung in seinem Heimatland, wo er seine Identitätspapiere und jegliche Hoffung verloren hat, in sein Heimatland zurückzukehren?“

Für IslamQA antwortete der saudische Gelehrte Khaalid al-Maadschid von der Scharia-Akademie der Imaam Muhammad Ibn Sa`uud-Islaam Universität. In der deutschen Übersetzung seines „Urteils“ heißt es zu dieser Frage:

„Es muss einen legitimen Grund dafür geben, in ihr Land (ein „Land des Kufr“, des Unglaubens, ufuq.de) überzusiedeln, welcher nicht in den muslimischen Ländern erfüllt werden kann.“ Genannt werden dazu im Folgenden u.a. Handel, Mission, Bildung oder Notlagen und Verfolgung im Herkunftsland. Allerdings müsste gewährleistet sein, dass der Glaube frei ausgeübt werden könne. Außerdem müsse die Absicht bestehen, zurückzukehren, sobald diese Gründe zur Übersiedlung nicht mehr gegeben sind. Das dauerhafte Übersiedeln in ein „Land des Unglaubens“ verstieße nämlich „klar gegen die Gebote der Scharia“.

Abschließend lautet das Urteil: „Es muss einen legitimen Grund geben, die Nationalität anzunehmen, wie z.B. wenn die Nutzen, für welche der Muslim in das Kufr-Land umgezogen ist, davon abhängig sind, ob er die Nationalität annimmt (oder nicht). Ansonsten ist es nicht erlaubt für ihn, da das Annehmen der Nationalität ein offenkundiger Ausdruck der Befreundung mit Kuffar („Ungläubigen“, ufuq.de) ist, und da es mit sich bringt, Worte auszusprechen, an welche es nicht zulässig ist zu glauben oder daran festzuhalten, wie das Zustimmen zu Kufr- bzw. menschengemachten Gesetzen“. Allah möge, so Scheich al-Maadschid, den Muslimen vergeben, die in „Kufr-Länder“ umgezogen sind. (Hier finden Sie den kompletten Text des Gutachtens.)