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"Report" über Islamseminare

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Am vergangenen Montag berichtete das ARD-Magazin Report aus Mainz über so genannte Islamseminare. Das sind in der Regel mehrtägige Veranstaltungen, die eine Reihe religiöser Organisationen insbesondere jungen Muslimen anbieten. Dabei geht es um Gemeinschaftserlebnisse in einer Gruppe von Gleichgesinnten – auch bei der gemeinsamen (wenn auch oft getrennt geschlechtlichen) Freizeitgestaltung.

Und es gibt Informationen über den Islam: In Vorträgen, Predigten und Workshops wird den Jugendlichen und jungen Erwachsenen dabei meist ein sehr konservatives Welt- und Religionsbild vermittelt. (Hier aktuelle Ankündigungen und Erlebnisberichte von Freizeiten der Muslimischen Jugend in Deutschland/MJD; hier ein kritischer Bericht darüber.) Dennoch ist das Spektrum der Anbieter solcher Aktivitäten breit.

Der Report-Bericht konzentrierte sich allerdings auf solche Seminare aus dem salafitischen Milieu, in denen extreme Auslegungen des Islam gelehrt werden – schließlich ging es der Reportage um die Frage, wo und wie eine Radikalisierung junger Muslime erfolgen kann. Als einen, der dabei war, interviewte Report Barino Barsoum. Barsaoum war vor einigen Jahren zum Islam konvertiert und wurde bekannt duch die WDR-Reportage „Koran im Kopf“ (hier), die dokumentiert wie er sich auf der Suche nach Orientierung einem rigiden und radikalen Islam zuwendet, sich immer absoluter von „Ungläubigen“ und der nicht-islamischen Gesellschaft abgrenzt und am Ende sogar Verständnis für Terroranschläge im Namen des Islam aufbringt.Mittlerweile hat sich Barino Barsoum wieder vom Islam abgewendet und ist erneut konvertiert. Seine jetzt erfragten Erfahrungen und Innensichten aus salafitischen Islamseminaren sind zweifellos interessant (hier der Report-Bericht). Allerdings ist sein fundamentalistisches Islam-Verständnis das Gleiche geblieben – auch wenn er jetzt negativ bewertet, was ihn zuvor noch faszinierte.Dies blendet die Reportage aus. Sie lässt Barsoum ein Bild zeichnen, das geprägt ist durch seine Kenntnisse und sein Wissen von Islamseminaren im salafitischen Milieu. Besonders deutlich wird dies in dem vollständigen Interview, das die ARD in ihrer Mediathek im Internet präsentiert: Immer wieder spricht Barsoum hier von „dem Islam“, wenn er eigentlich das ihm vertraute Milieu des salafitischen Islam meint. (hier)

Und so wird Barsoum auch in der Reportage präsentiert: „Barino Barsoum  - ehem. Moslem“ heißt es in dem während der einzelnen Interviewpassagen eingeblendeten Schriftzug zu seiner Person. Man stelle sich vor, ein von seinen früheren Überzeugungen abgerückter, militanter christlich-fundamentalistischer Abtreibungsgegner, würde als „ehem. Christ“ angekündigt.  

In solchen Momenten bestätigt die Reportage das Feindbild, das viele Muslime ohnehin bereits von „den Medien“ haben, die nicht zwischen Islam und Islamismus unterscheiden würden. Und mit eben diesem "Argument" entziehen sich dann mitunter islamische Organisationen der notwendigen Auseinandersetzung mit radikalen Strömungen innerhalb des Islam. (Hier dazu eine Stellungnahme des selbst dem salafitischen Spektrum angehördenden Leipziger Imam Hassan Dabbagh zu „Medienangriffen“ auf „den Islam“; und hier die Dokumentation einer „innermuslimischen“ Auseinandersetzung mit Barino Barsoum.)