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ZMO-Veranstaltung zu Yusuf al-Qaradawi und Islam-Online

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Islam-Online ist das weltweit bekannteste islamische Internetportal, dessen englisch- und arabischsprachige Angebote von religiösen Muslimen nicht nur in islamischen Ländern, sondern auch in Europa und den USA viel genutzt werden. Mit Sitz in Qatar und der Zentrale in Kairo bietet IOL seinen Lesern die Möglichkeit, sich mit religiösen Fragen zu allen Lebensbereichen an die Online-Berater der Seite zu wenden. Auskunft geben dann meist religiöse Gelehrte – egal ob es dabei um Stress mit den Eltern, Fragen zum Gebet, die Anbahnung einer Ehe oder die Teilnahme an Wahlen geht.

Scheich Yusuf al-Qaradawi, der als Gründer und spiritus rector der Seite gelten kann, beschreibt Islam-Online als Teil eines „Jihads unserer Zeit“, in dessen Mittelpunkt die Dawa („Einladung zum Islam“) stehe, die via Internet vor allem unter Muslimen betrieben werden soll. Zwar spielt Qaradawi mittlerweile eher die Rolle eines Ehrenvorsitzenden bei IOL, seinem Leitmotiv will die Seite aber bis heute folgen: der „wasatiya“. Gemeint ist damit, dass eine „Mittelposition“ zwischen den verschiedenen Strömungen und Ausprägungen des Islam eingenommen werden soll.

In einem Beitrag auf Arab Media & Society geht Bettina Gräf vom Zentrum Moderner Orient in Berlin diesem Anspruch nach. Gräf bescheibt ausführlich Geschichte, Hintergründe und Funktionsweise des Online-Portals und charakterisiert Qaradawi dabei als „moralisch-konservativ und missionarisch, aber nicht dogmatisch“. Auf konkrete inhaltliche Positionen, die von Qaradawi und auf Islam-Online vertreten werden, geht sie allerdings nicht ein.  

Dabei wird deren vermeintliche „Mittelposition“ von Kritikern immer wieder deutlich infrage gestellt:

Verwiesen wird etwa auf Qaradawis Befürwortung von Selbstmordanschlägen in Israel und Palästina. Auch seine Aussagen über die Rechte von Frauen und die Verwerflichkeit von Homosexualität – hierzu liegt auf Islam-Online ein ganzes Dossier vor – wurden scharf kritisiert. Zuletzt sorgte Qaradawi mit der These, bei dem Holocaust handelte es sich um eine Gottes Strafe an den Juden, für Wirbel: Hitler sei es mit seiner Politik gelungen, so Qaradawi weiter, die Juden zurechtzuweisen – und er hoffe, dass es das nächste Mal die Sache der Muslime sei, die Juden für ihr Verhalten zu bestrafen. Gerne würde er selbst in diesem Kampf sein Leben geben. Während sich Qaradawi bei anderen Gelegenheiten gegen eine Dämonisierung von Juden aussprach, bedient er damit (hier ein Medienbericht) verbreitete antisemitische Ressentiments.

Von einer moderaten und moderierenden „Mittelposition“ kann jedenfalls bei diesen Themen keine Rede sein. Qaradawi ist dennoch auch in Deutschland für viele konservative religiöse Jugendliche und ihre Organisationen eine Leitfigur. So wird häufig auf seine Positionen und sein Buch „Erlaubtes und Verbotenes im Islam“ verwiesen, wenn es darum geht, wie der Islam in nicht-muslimischen Gesellschaften verstanden und praktiziert werden kann.  

Im Rahmen einer Veranstaltung des Zentrums Moderner Orient informiert Bettina Gräf am 26. Feb. 2009 in Berlin über Yusuf al-Qaradawi und sein Portal sowie über die Veränderungen, die der „Online-Islam“ für die islamischen Akteure mit sich bringt.