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Märtyrer und Paradies - Eine salafitische Stimme zum Krieg in Gaza
Samstag, 17. Januar 2009 um 02:21 Uhr
Im Zusammenhang mit dem Krieg in Gaza wurde in den vergangenen Tagen von verschiedener Seite vor einer Radikalisierung muslimischer und/oder arabischer Jugendlicher in Deutschland gewarnt. In einer gemeinsamen Stellungnahme mahnten Vertreter der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB), des Zentralrates der Muslime in Deutschland und des Zentralrates der Juden in Deutschland jüngst, es müsse verhindert werden, „dass die Konflikte des Nahen Ostens auf Deutschland übertragen werden“. Juden, Christen und Muslime seien verpflichtet, Hass und Gewalt zu überwinden. (hier)
Einzelne Aufrufe zur Gewalt waren nicht nur während der verschiedenen Protestmärsche zu vernehmen. Auch in salafitischen Spektren, die in den Demonstrationen gegen die israelischen Angriffe auf Gaza eher eine marginale Rolle spielen, lassen sich Anzeichen für eine zunehmende Agitation durch den Krieg in Gaza ausmachen.
Ein Beispiel dafür sind zwei Videos, die in den vergangenen Tagen unter dem Pseudonym „Toofunkcha“ auf Youtube gepostet wurden. Beide Videos enthalten Ausschnitte aus Vorträgen englischsprachiger Prediger, die mit deutschen Untertiteln unterlegt sind. Die Vorträge werden mit Koransuren über das Paradies und das Schicksal der Märtyrer, die für die Sache Gottes starben, eingeleitet.
Der Youtube-Kanal von "Toofunkcha" enthält über zwanzig weitere Videos mit deutschen Untertiteln. Die Seite verweist ausdrücklich auf die Website einladungzumparadies.de des salafitischen Predigers Pierre Vogel aus Köln. Vogel - und das Umfeld, für das er steht - wird auch von konservativen Muslimen beispielsweise aus dem Spektrum der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs für seine rigiden Auslegungen des Islam kritisiert. (hier)
Während in einem ersten Video das Leben im Paradies mit seinen ‚Paradiesjungfrauen‘ gepriesen wird, appelliert das zweite Video an die Männlichkeit der Muslime: „Habt ihr den Mut der palästinensischen Kinder gesehen?“ Die Beteiligung der Kinder am Kriegsgeschehen dient hier als kaum verhüllte Mahnung, es ihnen gleichzutun.
Das erste Video hat den Titel „Das Paradies und die Paradiesjungfrauen“:
Vorspann:
„Wahrlich, für die Gottesfürchtigen gibt es einen Gewinn: Gärten und Beerengehege und Mädchen mit schwellenden Brüsten, Altersgenossinnen und übervolle Schalen. Dort hören sie weder Geschwätz noch Lüge – dies ist ein Lohn von deinem Herrn - eine angemessene Gabe.“
Vortrag:
„Und sie sind alle glücklich. (...) Wir werden am Besten aussehen. Alle! (…) Du wirst so übertrieben gut aussehen, so dass deine Hoor al Ayn (Paradiesjungfrau) benommen wird, wenn sie dich sieht. Bruder, ihr wird es schwindelig: ‚Uff, wer ist dieser Kerl?‘ So schön wirst du aussehen, so Gott will.“
Abspann:
„Möge Allah uns als Märtyrer sterben lassen und uns zu den Leuten von Firdaus (des Paradieses) machen.“
Das zweite Video hat den Titel: „Habt ihr den Mut der palästinensischen Kinder gesehen?“
Vorspann:
„Und meine ja nicht, diejenigen, die auf Allahs Weg getötet worden, seien tot. Nein! Vielmehr sind sie lebendig bei ihrem Herrn und werden versorgt und sind froh über das, was Allah ihnen von Seiner Huld gewährt hat und sind glückselig über diejenigen, die sich nach ihnen noch nicht angeschlossen haben, daß keine Furcht über sie kommen soll, noch sie traurig sein sollen.“
Vortrag:
„Und was ist das Beispiel der Kinder der Muslime? In den Gebieten, wo die Feinde des Islam das Land besetzen? Habt ihr es gesehen? Wenn die Bulldozer ankommen und wie sie die Häuser in Palästina zerstören? Und wie die Kinder - kleine Kinder! Kleine Kinder !!! Es sind kleine Kinder! Fünf bis zehn Jahre alt mit Steinen in den Händen, rennend, mit Steinen in den Händen wollen sie diese großen Maschinen aus Metall bekämpfen. Sie stehen morgens auf, ihre Väter wurden verschleppt, ihre Mütter vergewaltigt, ihre Schwestern und Brüder getötet und sie stehen morgens auf mit nur einem Ziel: Palästina zu befreien.
Und sie stehen morgens auf, sie binden ihre Schnürsenkel zu und suchen eine Steinschleuder, suchen einen brauchbaren Stein. Gehen raus, suchen einen Panzer, und ‚Bismillah‘ und lassen los. Ich rede nicht über das, was ihr denkt Brüder und Schwestern.
Ich rede nicht darüber, ob Kinder sowas machen sollten. Nein! Nach übereinstimmender Meinung der Gelehrten sollten Kinder niemals kämpfen. Doch meine Frage ist folgende: Wie beschämend ist es, dass unsere Kinder sowas machen müssen? Wie beschämend ist es? Meine zweite Frage ist folgende: Schaut euch den Mut an, den kleine Kinder besitzen! Sie fürchten nichts und niemanden außer Allah. Und das ist die Männlichkeit, worüber ich spreche Brüder und Schwestern. Männlichkeit. Männlichkeit, über die ich spreche, ein starker Charakter, ein starker Glaube.“

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