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Mit dem Islam gegen Drogen? Süchte, Sünden und der Ruf zum Islam

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„Stopp Drogen – ändere Dein Leben“ heißt es auf einem Plakat, das seit einiger Zeit in Cafés und islamischen Vereinen aushängt. Das Plakat ist Teil einer internationalen Kampagne, die von dem populären ägyptischen Prediger Amr Khaled initiiert wurde. Khaled und die von ihm gegründete Bewegung der Lifemakers sind vor allem unter jungen Muslimen beliebt, weil sie Fragen und Konflikte ansprechen, die Jugendliche bewegen. Als Lösung wird ein Leben streng nach den Regeln eines konservativ ausgelegten Islam angeboten.

Die Kampagne ist auch ein Beispiel für das Bemühen von Moscheen und islamischen Vereinen, sich als Ansprechpartner in der sozialen Arbeit mit Jugendlichen zu etablieren. Dabei unterscheidet sich das Verständnis vieler islamischer Vereine jedoch deutlich von Ansätzen, die in der Drogenprävention anderer Träger verfolgt werden. So geht es in der Regel nicht um eine Stärkung des Selbstwertgefühls und die Vermittlung von Fähigkeiten, um selbständig und ohne Drogen mit Alltagsproblemen umgehen zu können.

Im Mittelpunkt steht hier vielmehr die Warnung vor der „Sünde“ und einer Abkehr von den Geboten des Islam. So wird in einer Freitagspredigt der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüş (die IGMG ist die wohl einflussreichste Organisation des politischen Islam in Deutschland) über das „Fernhalten von schlechten Gewohnheiten“ vor dem Einfluss des Satans gewarnt, der hinter dem Konsum von Drogen stehe. Im Koran hieße es schließlich: „O ihr, die ihr glaubt! Siehe, Berauschendes, Glücksspiele, Opfersteine und Lospfeile sind ein Gräuel, Satans Werk. Meidet sie, auf dass es euch wohl ergehe. Der Satan will durch Berauschendes und Spiel zwischen euch nur Feindschaft und Hass säen und euch von dem Gedanken an Allah und dem Gebet abhalten. Wollt ihr deshalb nicht davon ablassen?“

Die IGMG zieht daraus folgende Konsequenzen:

„Wir stehen in der Pflicht, unsere Jugendlichen vor diesen schlechten Angewohnheiten zu schützen. Die wichtigste und wirkungsvollste Maßnahme dabei ist, ihnen eine grundlegende religiöse Bildung zu verleihen und ihnen zu einem Leben gemäß dem Islam zu verhelfen. Denn zu den wichtigsten Gründen, sich diesen schlechten Gewohnheiten zu nähern, zählt die Leere des Herzens und des Geistes. Wenn wir diese Leere aber mit dem Glauben und den Gottesdiensten (Ibada) füllen und uns stets bemühen, anderen dabei behilflich zu sein, werden wir weder das Bedürfnis noch die Zeit haben, diesen Gewohnheiten nachzugehen.“ (Predigt der IGMG, 18. Juli 2008)

Für die IGMG bedeutet dies auch, dass man sich vor Menschen, die Drogen konsumieren, in Acht nehmen sollte: Vor „schlechten Menschen“ – und dazu zählt die IGMG jene, die einem „Alkohol, Glücksspiel und andere schlechte Dinge“ nahe bringen könnten – solle man weglaufen wie „vor einem wilden Tier“. Denn: „Mit einem schlechten Menschen, mit dem man Freundschaft geschlossen hat, ist es genauso wie mit einem reißenden Wolf.“ (Sefer Ahmedoğlu, „Sich vor schlechten Freunden hüten“, 15. Aug. 2008)

Wie weit solche Warnungen gehen können, zeigt sich im salafitischen Spektrum des Islam: So warnt der Prediger Ibrahim Abou Nagi in einem Video auch „die Geschwister, die Alkohol produzieren und verkaufen“. Ihr Verdienst sei „verflucht“ – und dafür, dass sie „Unsittlichkeiten“ verbreiten, verdienten sie „schmerzliche Strafen im Diesseits wie im Jenseits“.

Auch ein Flugblatt, das von dem salafitischen Verein Way to Allah verbreitet wird, wendet sich an Imbiss- und Kioskbesitzer und warnt sie davor, Alkohol zu verkaufen. Der Verkauf von Alkohol werde von Gott „genauso hart bestraft wie das eigentliche Trinken“, heißt es hier.

Dabei geht es offensichtlich nicht um Aufklärung über Alkoholismus. So berichteten Betreiber von Imbissen und Kiosken in einer Reportage des WDR, sie würden mit solchen Flugblättern von Verfechtern dieser Islam-Interpretationen gezielt unter Druck gesetzt. (WDR, 30. Juli 2008)