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Al-Azhar und ZMD: Fußballer müssen nicht fasten

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Der Ramadan und die Saison 2010/2011 stehen vor der Tür und damit auch eine Frage, die in den vergangenen Jahren regelmäßig für Diskussionen gesorgt hat: Sollen, müssen oder können Fußballer fasten? Die Bedürfnisse einzelner religiöser Profikicker stehen dabei im Konflikt mit den sportlichen und ökonomischen Interessen ihrer Clubs, denn mit leerem Bauch, da sind sich alle einig, rennt es sich nicht gut. Zwar stellt sich die Frage für die meisten muslimischen Profis gar nicht - für die anderen gibt es aber jetzt Entwarnung von ganz oben: In einem islamischen Rechtsgutachten (Fetwa) hat der Gutachterrat der Al-Azhar-Universität in Kairo erklärt, dass Profifußballer ihr Fasten brechen dürfen. Dieses Gremium religiöser Gelehrter ist eine der höchsten Autoritäten des Islams. Die Gutachter waren vom Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) um ein Urteil gebeten worden. Der ZMD hatte sich – so berichtet er auf seiner Seite (islam.de)  – im Zuge einer gemeinsamen Initiative mit dem DFB, der DFL (Deutsche Fußball Liga) und dem Zweitligaverein FSV Frankfurt um eine Regelung bemüht. Mit dem Gutachten aus Kairo sei nunmehr Vereinen und Spielern sowohl arbeitsrechtlich als auch im theologisch rechtlichen Sinn „Rechtssicherheit“ verschafft worden, meinten DFL-Geschäftsführer Christian Seifert und  ZMD-Generalsekretär Aiman Mazyek.

Im Gutachten der Al-Azhar (hier der Link zum kompletten Text auf Arabisch und in deutscher Übersetzung) heißt es:

„Der Arbeitsvertrag zwischen dem Spieler und dem Verein, zwingt den Spieler zu einer bestimmten Leistung und wenn diese Arbeit, laut Vertrag, (nicht für Amateur – Hobbyfußball ) seine einzige Einkommensquelle ist und wenn er im Monat Ramadan die Fußballspiele bestreiten muss und das Fasten Einfluss auf seine Leistung hat, dann darf er das Fasten brechen.“

Dazu erklärte der ZMD: „Dieses Gutachten, welches der Zentralrat im vollem Unfang mitträgt, erlaubt den muslimischen Profifußballern nun ohne falsche Schuldgefühle sowohl ihren Beruf, wie auch ihren religiösen Pflichten nachzugehen." Deutlich würde, dass entgegen manchem Vorurteil Glauben und Beruf nicht im Konflikt zueinander stehen müssten. So könne der muslimische Profi die Fastentage in der spielfreien Zeit nachholen und damit Gott und dem heiligen Monat Ramadan weiterhin „Ehre und Respekt“ zeigen, meint Aiman Mazyek, der die Gesunderhaltung des Körpers und die Ausübung bestimmter Berufe als Bereiche nennt, in denen gottesdienstliche Pflichten wie das Fasten Einschränkungen unterlägen: „Da der Profifußball-Beruf der existentiellen Absicherung der Familie dient, gelten hier für den Muslim wie bei anderen Berufen, wo körperliche Schwerstarbeit verlangt wird, Erleichterungen und Ausnahmeregelungen.“

Kritische Fragen sind dennoch angebracht: So wird es letztlich muslimischen Sportlern auch weiterhin selbst überlassen bleiben, wie sie es mit dem Fasten halten. Einigen von ihnen kann das Gutachten bei dieser persönlichen Entscheidungsfindung sicher eine Hilfestellung bieten. Streng religiöse Profis hingegen dürften es jetzt noch etwas schwerer haben: Vereine könnten versucht sein, ihnen nun sowohl arbeitsrechtlich als auch auf theologischer Grundlage zu erklären, wie sie ihre Religionsausübung zu gestalten haben. Deutlich wird daran ein grundlegendes Dilemma: Der Raum für individuelle Formen von Religiosität und den jeweiligen Umgang damit wird durch autoritative Urteile, Regelungen und Normen eingeschränkt. So ist es - um im Beispiel zu bleiben - für einen Profiverein (Arbeitgeber) selbstverständlich legitim einen Spieler (Angestellten) nicht einzustellen oder zu entlassen, wenn dieser aus Gründen seiner Religiosität eine von ihm geforderte Leistung nicht erbringt. Nicht legitim wäre es aber, wenn der Verein diese Leistung erzwingen möchte, indem er seinem Angestellten (nun mit Rückendeckung der Al-Azhar) dessen persönliche Form der Religiosität vorschreiben wollte…. Trotzdem könnte die Diskussion um Profifußballer eine Anregung für religiöse Gelehrte und islamische Verbände sein, über ähnliche Initiativen auch in anderen Bereichen nachzudenken  – z.B. um muslimischen Jugendlichen mehr individuelle Freiheiten (und Mündigkeit) beim Fasten in der Schule einzuräumen damit vielleicht auch sie keine "falschen Schuldgefühle" haben müssen. 

Hier der Bericht auf islam.de. Und hier eine Meldung des DFB.