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Salafimedia.de: "Islam in seiner reinen Form" (Nachtrag)

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(Nachtrag: siehe auch den Artikel Salafistische Propaganda im Internet von Ekkehard Rudolph)

Seit Anfang März ist die Seite Salafimedia.de online. Die Betreiber der Seite, die bereits einige Wochen zuvor auch in englischer Sprache online ging, propagieren einen „Islam in seiner reinen Form“, wie er ihrer Meinung nach vom Propheten selbst und seinen Gefährten gelebt worden sei. Mit Videos, Audiovorträgen und Fatwas mobilisieren die Betreiber für eine islamische Ordnung, die ausdrücklich mit der westlichen Gesellschaft bricht: Hier geht es um die vermeintliche Verwerflichkeit von Wahlen, mit denen sich die Menschen über göttliche Entscheidungen stellten, um das Leiden in der Hölle und um die Propaganda für den Dschihad als militärischem Kampf.

 

Zu den Predigern, deren Vorträge hier erhältlich sind, zählen neben den in Deutschland populären Ibrahim Abu Nagie und Abu Dujana auch die beiden militanten Prediger Abu Hamza al-Masri und Sheikh Anwar al-Awlaki. Während Masri gegenwärtig in Großbritannien wegen der Unterstützung terroristischer Anschläge in Haft sitzt, wird Awlaki wegen der Beteiligung an Terrroranschlägen international gesucht.

Der Salafismus ist eine Strömung im Islam, die sich an der Frühzeit der islamischen Gemeinde orientiert. Die Gebräuche und Regeln des Propheten und dessen Begleiter gelten als Vorbild auch für heutige Muslime. In der Geschichte des Islam verband sich mit dem Verweis auf die Salaf, die Vorfahren, oft eine Kritik an überkommenen Traditionen, die im Laufe der Zeit von islamischen Gelehrten und Autoritäten etabliert worden waren. Aus Sicht der religiösen Reformer standen diese Traditionen vielfach im Widerspruch zu den Prinzipien und Werten des ursprünglichen Islam und waren mitverantwortlich für die Rückständigkeit der islamischen Gesellschaften. Der Blick zurück ins 7. Jahrhundert galt Kritikern wie Jamal al-Din al-Afghani (1838-1897) und Muhammad Abdu (1849-1905) damit als Möglichkeit, den Islam zu reformieren und mit einer modernen Gesellschaft in Einklang zu bringen.

Im Unterschied zu diesem frühen, reformorientierten Salafismus entwickelte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts eine Bewegung, die das Leben und die Überzeugungen der ersten Muslime selbst als Beispiel für ihr Handeln in der modernen Gesellschaft deuteten. Ihnen ging es nicht um eine Ableitung von Prinzipien und um allgemeine Lehren, die aus dem frühen Islam für die moderne Gesellschaft zu ziehen wären, sondern um eine rigide Übernahme von Verhaltsweisen und Regeln, die von den Muslimen im 7. Jahrhundert praktiziert wurden.

Diese auch als Neo-Salafismus beschriebene Strömung ist eine kleine Minderheit im weiten Spektrum des Islam in Deutschland. Dennoch ist gerade diese Strömung besonders sichtbar. Die Dawa, die Einladung zum Islam, gilt ihren Anhängern als individuelle Verpflichtung, was sich in diversen Initiativen und Online-Projekten – wie Salafimedia.de – widerspiegelt, mit denen Salafiten für ihre Deutung des Islam werben. Wer auf Youtube oder über Google nach Informationen über den Islam sucht, landet sehr bald auf einer Seite salafitischer Muslime. Immer öfter gehören auch Informationsstände über den Islam in Fussgängerzonen und öffentliche Vortragsveranstaltungen zu den Aktivitäten, die im Rahmen der Dawa durchgeführt werden.

Auch unter den Anhängern dieser Strömung lassen sich bisweilen deutliche Unterschiede ausmachen. So stehen die bundesweit bekanntesten Prediger Pierre Vogel und Abdel Adhim zwar für sehr strikte Vorstellungen, doch lehnen sie eine Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung der von ihnen angestrebten islamischen Gesellschaft ab.

Dennoch sind die Übergänge oft sehr fließend. So finden sich auf Salafimedia.de auch Links zu deutschsprachigen Websites und Diskussionsforen, die für unterschiedliche Richtungen des salafistischen Spektrums stehen. Sie treffen sich in der Denunziation der Kufr, der Nicht-Muslime, und in der Forderung nach einer ausdrücklichen Abwendung von der westlichen Gesellschaft.