Newsblog
„Wie oft betest Du?“ Erfahrungen aus der Islamismusprävention mit Jugendlichen und Multiplikatoren
Dienstag, 19. Februar 2013 um 14:43 Uhr
Dieser Artikel fasst erste Ergebnisse des Projektes "Islam, Islamismus und Demokratie. Kompetent gegen Integrationsbarrieren" zusammen, das von der HAW Hamburg in Zusammenarbeit mit ufuq.de durchgeführt wird. Das Projekt wird im Rahmen der Initative Demokratie Stärken vom BMFSFJ gefördert. Der Artikel erscheint demnächst in einer Publikation des Innenministeriums NRW.
Jochen Müller/Götz Nordbruch (ufuq.de), Deniz Ünlü (HAW)
„Ist das nicht das mit dem Händeabhacken?“ So antwortete ein Schüler der 9. Klasse einer Berliner Oberschule auf die Frage, worum es sich denn bei der Scharia eigentlich handele. Die meisten Jugendlichen hatten einen türkischen oder arabischen Familienhintergrund, aber mit der Scharia konnte keiner von ihnen etwas anfangen. Dabei ist ihnen der Islam sehr wichtig – das erklärten jedenfalls auch die weniger religiösen Schülerinnen und Schüler. Aber niemand von ihnen weiß besonders viel über ihren Glauben. Pierre Vogel hingegen, den salafistischen Prediger aus Köln, den kennen sie fast alle, aus dem Internet. Und das ist durchaus ein Alarmsignal. Denn Salafisten vertreten und verbreiten ein rigides und antidemokratisches Islamverständnis. Diesem vorzubeugen und zu begegnen ist daher ein wichtiges Anliegen von Pädagogik und politischer Bildung in der Einwanderungsgesellschaft und im „globalisierten Klassenzimmer“.
Materialien für den Unterricht: Muslime in Deutschland. Lebenswelten und Jugendkulturen
Sonntag, 30. Dezember 2012 um 16:04 Uhr
Kurz vor Jahresende noch ein Hinweis in eigener Sache.
In Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg hat ufuq.de die aktuelle Ausgabe von "Politik & Unterricht. Zeitschrift für die politische Praxis der politischen Bildung" gestaltet. Thema: "Muslime in Deutschland. Lebenswelten und Jugendkulturen".
Hier können Sie das Heft bestellen oder kostenlos herunterladen:
http://www.politikundunterricht.de/3_4_12/muslime.htm
„Wieviel Islam verträgt das Land?“ Warum die Islamfeindschaft ein gesellschaftliches Problem ist – und nicht der Islam
Montag, 17. Dezember 2012 um 13:29 Uhr
von Jochen Müller/ufuq.de
Das Spektrum von Islamfeindschaft in Deutschland reicht von Unkenntnis und Vorurteilen bis zu rassistischen Einstellungen und Gewalttaten. Insgesamt betrachtet ist sie – das zeigen eine ganze Reihe von Untersuchungen - in der Gesellschaft weit verbreitet. Meist knüpft sich an Islamfeindlichkeit die Erwartung, Muslime müssten „den Islam“ und ihre religiösen Überzeugungen grundlegend verändern, um in einer modernen demokratischen Gesellschaft leben zu können. Dabei bestärken solche Forderungen das Denken in WIR und DIE und fördern damit einhergehende Probleme und Konflikte - nicht zuletzt, weil auf diese Weise notwendige Anerkennungsprozesse erschwert werden. Ein Weg, dem entgegen zu wirken, wäre ein umfassender und entspannterer Blick auf „den Islam“ und „die Muslime“. Dazu können unter anderem Politik, Medien und Schule beitragen – aber auch islamische Einrichtungen und Repräsentanten.
Junge Muslime: "Engagement macht sichtbar – Sichtbar werden durch Engagement"
Samstag, 08. September 2012 um 20:28 Uhr
(ursprünglich erschienen auf der Webseite der DIK)
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„Die beste der Gemeinschaften“ – Ethnozentrische Gemeinschaftsvorstellungen bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund
Samstag, 14. April 2012 um 21:25 Uhr
Dieser Text erscheint in einer leicht veränderten Fassung in Aus Politik und Zeitgeschichte, 16-17/2012, 16. April 2012.
von Götz Nordbruch (ufuq.de)
”Ich bin keine Migrantin. Aber ich werde trotzdem so behandelt.” (Cicero-Online, 14. März 2012) Fatma Camur wendet sich entschieden gegen eine Einordnung als Jugendliche mit Migrationshintergrund. Die 22-Jährige betont, sie sei in Deutschland geboren und sehe sich insofern als Deutsche. Mit ethnozentrischen Vorstellungen, wie sie in verschiedenen Studien der vergangenen Jahre über Jugendliche mit Migrationshintergrund dokumentiert wurden[i], hat dieses Selbstverständnis nichts gemein. Dennoch spiegelt sich in dieser Aussage der gesellschaftliche Kontext, durch den Abgrenzungen als „Türke“, „Albaner“ oder „Muslim“ befördert werden.
Die Vehemenz, mit der Camur ihre Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft herausstreicht, ist charakteristisch für die Frustration vieler Jugendlicher, die in öffentlichen Debatten allzu oft auf die Migrationsbiographie oder Religionszugehörigkeit ihrer Eltern und Großeltern reduziert werden.
Broschüre: "Ich lebe nur für Allah." Argumente und Anziehungskraft des Salafismus
Samstag, 14. April 2012 um 20:43 Uhr
Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die Dawa-Aktion "Lies!" hier nochmal der Hinweis auf die Broschüre "Ich lebe nur für Allah". Argumente und Anziehungskraft des Salafismus, Schriftenreihe Zentrum Demokratische Kultur, Berlin 2011, an der ufuq.de-Mitarbeiter Jochen Müller mitgewirkt hat. In der Broschüre geht es vor allem um die Frage, wie dem Salafismus jenseits von Verbotsdiskussionen begegnet werden kann:
Nimet Seker: 'Begriffe wie konservativ, religiös und säkular bringen uns nicht weiter"
Freitag, 24. Februar 2012 um 19:31 Uhr
Nimet Seker ist Islamwissenschaftlerin und Journalistin. Seit 2011 gibt die 31-Jährige "Horizonte - Zeitschrift für muslimische Debattenkultur"
heraus. Im Gespräch mit ufuq.de erklärt sie, warum Kontroversen kein Zeichen von Schwäche, sondern eine Selbstverständlichkeit sein sollten.
Als Herausgeberin der Zeitschrift Horizonte bieten Sie ganz verschiedenen muslimischen Stimmen ein Forum. Es geht Ihnen ausdrücklich um die Diskussion, um kontroverse Meinungen. Dagegen betonen die Vertreter der großen islamischen Verbände immer wieder, es fehle den Muslimen gerade eine einheitliche Stimme. Weshalb interessiert Sie die Kontroverse?
Mich interessiert die Kontroverse, weil ich meine, dass man zunächst einmal seine Standpunkte darlegen muss, bevor man überhaupt zu einer Einigung kommen kann. Unsere Tradition ist, anders als man weitläufig meint, nicht erstarrt. Gerade der Islam der klassischen Gelehrten hat Kontroversen ausgehalten, ja sie sogar gesucht. Es ging ihnen nicht darum, einen Einheitsislam zu denken oder zu praktizieren, sondern sich zunächst die Quellen, also den Koran und das prophetische Vorbild, zu erschließen, zu verstehen und sich danach zu richten. Dies hat eine enorme Vielfalt und Debatten mit sich gebracht – das ist unser eigentliches kulturelles Erbe, mit dem wir uns auseinandersetzen müssen. In der Moderne haben viele Strömungen mit dieser Tradition der Vielfalt und Meinungsverschiedenheit gebrochen, daraus sind letztlich die intoleranten Bewegungen entstanden.
Die Haltung der Verbände erkläre ich mir durch den politischen Druck, dem sie als Repräsentanten einer Minderheit in Deutschland ausgesetzt sind. Und hinter den Kulissen wird ausgiebig debattiert, davon bin ich überzeugt. Es ist auch nicht so, dass man innerhalb einer Einheit eine Vielfalt nicht denken kann. Gerade dies war für den klassischen Islam charakteristisch.
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"Der Islam ist vielfältig, positiv und selbstverständlich" - Erfahrungen mit den Filmen "Islam, islamismus und Demokratie"
Mittwoch, 01. Februar 2012 um 13:47 Uhr
Die Auseinandersetzung mit dem Islam ist oft von Klischees geprägt - unter Nicht-Muslimen wie auch unter Muslimen selbst. Das Projekt "Islam, Islamismus und Demokratie. Kurzfilme für die pädagogische Arbeit mit jungen Muslimen", das von ufuq.de gemeinsam mit der HAW Hamburg getragen wird, zielt darauf, Jugendliche über Fragen von Religion, Identität und Werten ins Gespräch zu bringen. Jochen Müller (ufuq.de) berichtet im Gespräch mit Harald Lindner vom Bezirksamt Wandsbek/Hamburg über erste Erfahrungen. (erschienen in FORUM für Kinder und Jugendarbeit 4/2011)
Harald Lindner: Herr Müller, Sie haben Informationsmaterial über unterschiedliche Strömungen des Islam zusammengestellt. An wen richten sich DVD und Begleithefte?
Jochen Müller: Wir haben Filme gemacht für Jugendliche, in denen es um Islam und Religiosität, um Geschlechterrollen, Scharia und Menschenrechte, den Nahost-Konflikt, Islamismus und um religiös begründeten Antisemitismus geht. Die zwischen 15 und 20 Minuten langen Filme sollen dazu dienen, Jugendliche muslimischer Herkunft, aber auch „gemischte" Gruppen ins Gespräch zu diesen sensiblen Themen zu bringen und sie anregen, sich eigene Gedanken zu machen. Zielgruppe sind also die Jugendlichen selbst - aber auch die Pädagogen: Ihnen sollen die Begleithefte zu den Filmen Hintergrundinformationen zu den angesprochenen Themen sowie Hinweise und Tipps für den pädagogischen Umgang etwa mit einzelnen Filmsequenzen geben.
Medienghettos? – Medien in der pädagogischen Arbeit mit jungen Muslimen
Donnerstag, 29. Dezember 2011 um 13:34 Uhr
Eine Rolle als Tatort-Kommissarin – wer träumt nicht von einer solchen Chance. Sibel Kekilli hat es geschafft, seit Sommer 2010 löst sie als Sarah Brandt Mordfälle in Kiel und Umgebung. In einem Interview beschrieb sie diese Rolle als besondere Würdigung ihres schauspielerischen Könnens: Erstmals spielt sie eine Person, die nichts mehr mit ihrer eigenen Biographie als Tochter türkischer Einwanderer zu tun hat. Kübra Gümüsay hat einen anderen Weg eingeschlagen. Auch sie versteht sich selbstverständlich als Deutsche, doch in ihren Beiträgen, die sie auf ihrem Weblog Ein Fremdwoerterbuch und in ihrer regelmäßigen Kolumne in der Tageszeitung taz schreibt, geht es immer wieder auch um Fragen der Religion und des Alltags von Muslimen in Deutschland. „Das Tuch“ heißt ihre Kolumne, und oft ist hier tatsächlich vom Kopftuch und damit verbundenen Geschichten die Rede. Während Kekilli Wert darauf legt, gerade nicht als ‚anders’ wahrgenommen zu werden, sucht Gümüsay als kopftuchtragende Frau ihren Erfolg in der Gesellschaft. Zwei junge Frauen, die vieles miteinander verbindet, die aber ganz unterschiedliche Antworten auf die Herausforderungen als Kinder ehemaliger Arbeitsmigranten in Deutschland gefunden haben.
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Interview: Die Individualisierung des Religiösen unter jungen Muslimen
Sonntag, 18. Dezember 2011 um 20:47 Uhr
Junge Muslime leben ihre Religion anders als ihre Eltern und Großeltern, aber auch anders, als es viele Klischees über "den" Islam oder "die" Muslime nahelegen. Der Erziehungswissenschaftler Michael Tressat ist der Bedeutung der Religion unter jungen Muslimen in einer Studie nachgegangen.
Sie haben die Biografien junger Muslime in Deutschland untersucht. Dabei ging es auch um die Frage, ob und – wenn ja – wie sich deren Lebenswege von Nicht-Muslimen unterscheiden. Lassen sich denn so grundlegende Unterschiede in den Biografien feststellen, dass man überhaupt zwischen „jungen Muslimen“ und „Nicht-Muslimen“ unterscheiden sollte? Oder sind sie zu allererst „Jugendliche“?
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