JUMA: „Wenn der Islam Teil Deiner Identität ist, bist Du bei uns richtig!“

JUMA steht für jung, muslimisch, aktiv. In dem 2010 gegründeten Netzwerk versammeln sich junge, kreative und engagierte Muslim_innen, die etwas auf die Beine stellen und bewegen wollen. Lydia Nofal und Kofi Ohene-Dokyi sind die Menschen hinter JUMA. Doch, das würden sie nie so sagen, denn bei JUMA bestimmen die Teilnehmenden selbst, wo es lang geht. Aylin Yavas hat Lydia Nofal getroffen und sich erklären lassen, wie JUMA zu dem geworden ist, was es heute ist: Ein Treffpunkt engagierter Menschen voller Tatendrang und Ideen.

Was steckt hinter JUMA?

JUMA ist eine Plattform, in der sich junge Muslim_innen einbringen können, die sich gesellschaftlich engagieren und mitgestalten wollen. Wir sagen immer, wenn ihr euch angesprochen fühlt, wenn über Muslim_innen und Islam in Deutschland geredet wird, wenn ihr mitreden wollt, euch aber nicht gehört fühlt, dann seid ihr bei uns richtig. Es geht bei uns nicht darum, wie jemand seine Religion lebt. Wir wenden uns an alle, die den Islam als Teil ihrer Identität begreifen und zwischen 16 und 25 Jahren alt sind.

Ihr habt verschiedene Arbeitsgruppen, in denen man sich engagieren kann. Was passiert dort?

Aus einer Themengruppe sind beispielsweise  die „interreligious peers“ entstanden. Das sind junge, interreligiöse Teams, die ausgebildet wurden, um in Schulen über religiöse Identität zu sprechen. Junge Jüd_innen, Muslim_innen, Christ_Innen sprechen mit den Schüler_innen über die individuelle und gesellschaftliche Bedeutung von Religion oder was es für sie bedeutet, Religion als positive Ressource zu verstehen. Religion wird in unserer Gesellschaft häufig als Ursache von Konflikten gesehen. Die „peers“ wollen zeigen, dass Religion auch etwas ist, was Menschen verbindet und was ein gutes Zusammenleben fördern kann.

LydiaLydia Nofal ist Politikwissenschaft- lerin und eine der Initiator_innen des 2010 entstandenen Projekts JUMA. Sie ist Mitbegründerin des Vereins Inssan e.V. und sitzt im Vorstand des Berliner Landesverbands des Zentralrats der Muslime in Deutschland.

Und was hat die Gruppe zum Thema Identität erarbeitet?

Die Gruppe hat mit einer Internetrecherche angefangen und zusammengetragen, welche Einflüsse der muslimischen Kulturen es eigentlich in Europa gibt. Sie haben sehr viel gefunden. Dann hatten die Teilnehmer_innen die Idee, mit diesen Themen an Schulen zu gehen. Tatsächlich bieten sie jetzt Workshops an Schulen an, diskutieren das Thema Identität und die Einflüsse des Islams auf die westliche Kultur. Zudem haben wir der AG eine Schulbuchautorin an die Seite gestellt und sie haben gemeinsam Unterrichtsmaterialien entwickelt, die Lehrende auch selbstständig nutzen können. Außerdem gibt es noch viele weitere Gruppen. Zum Beispiel ein Projekt, das Flüchtlinge unterstützt: Jugendliche erkunden hier gemeinsam als Tandems die Stadt.

Dann gibt es ja noch den Blog. Was sind eure Themen?

Junge Muslim_innen, die ihre Meinung zu einem aktuellen gesellschaftlichen Diskurs äußern wollen, können das hier tun. Auch hier gilt: Jugendliche entscheiden selbst, worüber sie schreiben wollen. Der Blog wird viel gelesen, auch von Journalist_innen. Wir erleben immer wieder, dass sich Journalist_innen bei uns melden, die einen Artikel gelesen haben und dann nach dem Kontakt fragen, weil sie gerne mit der Person ein Interview machen möchten.

Und wie gestalten sich die Netzwerktreffen?

Hier treffen sich die JUMAs zum Beispiel mit Politiker_innen und haben die Möglichkeit, ihnen konkrete Fragen zu stellen. Oder es kommen Aktive zum Beispiel vom Landesjugendring oder von der Jugend- und Familienstiftung und geben Tipps: Wie kann ich als muslimische Jugendorganisation Gelder beantragen? Welche anderen Formen der Unterstützung gibt es? Die Netzwerktreffen, aber auch Fachtagungen dienen vor allem der Stärkung von Jugendarbeit. Da wird sich ganz viel ausgetauscht und es entstehen auch neue Ideen.

Ab und an finden größere Veranstaltungen statt, wo alle JUMAs zusammenkommen: Zum Beispiel beim JUMA-Iftar. Auch dieser wird von einer Gruppe von Jugendlichen organisiert und gestaltet. Besonders schön ist es, dass sich in diesem Rahmen Freundschaften entwickeln und viele neue Ideen entstehen, die auch außerhalb von JUMA umgesetzt werden.

Warum ist es euch so wichtig, gerade junge Muslim_innen zu unterstützen?

Die Debatten über Islam und Muslim_innen in Deutschland sind ja mehr als präsent. Zugleich waren die Muslim_innen selbst nicht präsent. Es wurde immer nur über sie gesprochen. Da wurde ein Bild von jungen Muslim_innen vermittelt, das gar nichts mit der Realität zu tun hat. Das wollen wir verändern.

Warum bist du ein Teil von JUMA?

Ich finde es toll, dass sich junge Menschen motivieren lassen. Man muss oft nur sagen: Du kannst das! Du schaffst das! Und schon geht es los. Übrigens haben einige der aktiven JUMAs einen eigenen Verein gegründet und: Wer bei uns mitmachen möchte: Einfach melden!