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Kopftuch

Das Kopftuch ist immer wieder Anlass für heftige Debatten: Viele konservative Muslime sehen das Kopftuch als islamisches Symbol, das als solches auf jeden Fall behauptet werden muss. Dagegen verurteilen viele Nicht-Muslime das Kopftuch als Ausdruck der Unterdrückung von Frauen im traditionellen Islam.

Die Praxis muslimischer Frauen im Alltag ist indes vielschichtiger: Umfragen in Deutschland zeigen, dass sich auch viele sehr gläubige Musliminnen gegen das Kopftuch entscheiden. Ältere Frauen tragen das Kopftuch hingegen oft aus Tradition, mit der sie in ihren Herkunftsländern aufgewachsen sind, und für manche junge Frau ist das Kopftuch heutzutage einfach ein modisches Accessoire. Viele andere tragen es aus religiöser Überzeugung, einige von ihnen sogar aus Protest gegen die Eltern. Aber auch der Druck von Eltern, Brüder oder der Nachbarschaft kann ein Grund sein, warum sich muslimische Mädchen und Frauen dafür entscheiden, ein Kopftuch zu tragen.

Die meisten Muslime – das gilt auch für Mädchen und Frauen, die kein Kopftuch tragen – betrachten die Verhüllung als religiös begründetes Gebot, das aus dem Koran und der Sunna abgeleitet ist. Sie beziehen sich zum Beispiel auf den Vers: "Und sag den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Augen niederschlagen, und sie sollen darauf achten, dass ihre Scham bedeckt ist". (Sure 24, Vers 31)

Die genaue Bedeutung dieser Verse ist aber umstritten. So halten einige muslimische Gelehrte die Verhüllung keineswegs für ein religiöses Gebot. Aber auch unter Muslimen, die auf einer Verschleierung der Frauen bestehen, ist umstritten, was darunter genau zu verstehen ist: die Verdeckung der Kopfhaares mit dem Hijab oder dem Türban (arab. und türk. Bezeichnung für das Kopftuch), die Verhüllung des Haares und des Gesichts mit dem Niqab wie in den Golf-Staaten, oder die Ganzkörperverhüllung mit der Burka, die vor allem aus Afghanistan bekannt ist. Im Iran ist der Tschador (Umhang) verbreitet.

Gerade für junge Musliminnen spielen oft modische Überlegungen bei der Wahl des Kopftuchs eine wichtige Rolle. Mittlerweile gibt es zahlreiche Modefirmen, die ein breites Sortiment an Kopftüchern anbieten.

In Deutschland fällt das Tragen eines Kopftuchs unter die Religionsfreiheit. Einige Bundesländer haben allerdings Gesetze erlassen, die Lehrerinnen das Tragen des Kopftuchs im Unterricht verbieten. Muslimische Frauen, die ein Kopftuch tragen wollen, berichten aber auch in vielen anderen Berufsgruppen von Arbeitgebern, die sie – etwa im Bewerbungsverfahren – aufgrund ihres Kopftuches benachteiligen.