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Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG)
Die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) zählt zu den in Deutschland umstrittensten islamischen Organisationen. Die Sicherheitsbehörden betrachten die IGMG trotz formaler Bekenntnisse zum Grundgesetz als mitgliederstärkste islamistische Organisation in Deutschland. Demgegenüber weisen andere Beobachter auf die Integrationsbereitschaft hin, die gerade von jüngeren Mitgliedern der IGMG gezeigt würde.
Der Name Milli Görüs ("nationale Sicht") geht auf den islamistischen türkischen Politiker Necmetin Erbakan zurück, der Anfang der 70er-Jahre das politische Ziel der Bewegung formulierte: die Bekämpfung der säkularen Gesellschaft und die Errichtung einer "gerechten Ordnung" ("adil düzen") auf strikt islamischer Grundlage. Sprachrohr der internationalen Milli-Görüs-Bewegung ist die türkische Tageszeitung Milli Gazete, die bis heute sehr positiv über Erbakan berichtet, "den Westen" diffamiert und nicht selten auch antisemitische Verschwörungstheorien verbreitet.
In Deutschland und Europa wurde Milli Görüs in den 70er-Jahren aktiv, Zielgruppe waren zunächst vor allem die türkischen Arbeitsmigranten. Als sich abzeichnete, dass diese mit ihren Familien in Deutschland bleiben würden, entwickelte sich die IGMG mehr und mehr zu einer deutschen Organisation. Nach eigenen Angaben zählen in Deutschland über 300 Moscheevereine sowie diverse Jugend-, Frauen- und Studentenvereine gehören zum engeren Umfeld der IGMG. In Deutschland gibt die Organisation die zweisprachige Zeitschrift "IGMG-Perspektive" heraus, die vor allem über politische, kulturelle und religiöse Anliegen deutschtürkischer Migranten berichtet.
Die IGMG dominiert mit dem Islamrat einen der vier großen muslimischen Dachverbände und ist über diesen in der vom Bundesinnenministerium einberufenen Deutschen Islam Konferenz vertreten. Auch auf der Ebene der Länder und Kommunen ist die IGMG vielfach Gesprächspartner, wenn es um Islam und Integration geht.
So ergibt sich ein widersprüchliches Bild: Auf der einen Seite steht die "alte", an der islamistischen Ideologie Erbakans orientierte IGMG, die meist einem sehr traditionell geprägten Milieu entstammt, sich weiterhin an der Türkei orientiert und von starker Abgrenzung gegenüber der nicht-islamischen Umwelt geprägt ist. Auf der anderen Seite findet sich eine neuere Generation von IGMG-Repräsentanten, viele davon in Deutschland geboren, die auf eine Integration von Islam und Muslimen in Deutschland drängt. Dabei ist auch diese Generation in der Regel von einem konservativen Islamverständnis geprägt, welches sich zum Beispiel in der Geschlechtertrennung in der Jugendarbeit widerspiegelt.


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