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Gülen, Fetullah

Fethullah Gülen ist der Begründer der Organisation Fethullahcilar (Fethullahisten). Von seinen Anhängern wird er mitunter auch als "anatolischer Gandhi" bezeichnet. Der 1941 geborene Prediger sieht sich selbst als liberalen Reformer des Islam, spricht sich in der Türkei für den Laizismus aus und ist um den Dialog mit anderen Religionen bemüht. Die seit den 60er-Jahren in der Türkei entstandene Gülen-Bewegung hat ein weltweit operierendes Netzwerk errichtet. Es wird von Gülen kontrolliert, der seit 1999 in den USA lebt.

Die Organisationen des Netzwerks konzentrieren sich auf zwei Bereiche: Im türkischen Mediensektor besitzt es die auflagenstarke und der AKP-Regierung nahestehende Tageszeitung Zaman (übersetzt: Die Zeit), die auch in Deutschland vertrieben wird, den Fernsehsender Samanyolu TV sowie mehrere Zeitschriften und Radiosender. Ebenso bedeutsam ist Gülens weltweite "Bildungsbewegung". Ihr gelang es, ein internationales Netzwerk von Schulen und Universitäten in der Türkei, Zentralasien, Westeuropa und den USA zu errichten. "Baut neue Schulen statt neue Moscheen!" ist das Motto Gülens auch in Deutschland. Hier ist die Bewegung mit einer Vielzahl verschiedener, nicht immer als Teil des Gülen-Netzwerks zu erkennender Organisationen präsent. In vielen Städten betreibt sie Privatschulen, Ausbildungsstätten sowie zahlreiche Stiftungen und Nachhilfezentren. Diese treten als Bildungsvereine oder Bildungszentren auf und bemühen sich vor allem um Jugendliche mit türkischem Migrationshintergrund.

Trotz der Aktivitäten im Bildungsbereich ist die Bewegung nicht unumstritten: Kritiker wie der Berliner Islamwissenschaftler Ralf Ghadban werfen Gülen vor, eine "islamistische Auffassung" zu verfechten. Die entschiedene Ablehnung der Evolutionslehre und ein zweifelhaftes Menschenbild, das in starke und schwache Seelen unterscheidet, sind weitere Gründe für Vorbehalte gegenüber der Bewegung. Problematisch ist auch die Intransparenz der Organisation, die kaum Einblick in ihre Verflechtungen zulässt. Est in jüngerer Zeit gibt es Anzeichen für eine vorsichtige Öffnung nach außen.