Kategorie: Hintergrund

Der NSU-Komplex als Auftrag für die politische Bildung

Buch Bozay

Je mehr über die Morde des NSU bekannt wird, desto größer ist das Entsetzen darüber, dass so etwas mitten in Deutschland passieren kann: Dass gewaltbereite Rechtsradikale über Jahre eine Serie von Morden verüben können und die Polizei die Täter unter ihren potentiellen Opfern sucht, statt im immer dichter werdenden Netzwerk der Neonazi-Szene zu ermitteln. Der Sozialwissenschaftler Kemal Bozay hat die rassistischen Ermittlungsmethoden persönlich erlebt und beschreibt eindrücklich die Lehren aus diesem polizeilichen und auch gesellschaftlichen Versagen: Er fordert mehr politische Bildung, um eine gesellschaftliche Diskussion über Ursachen und Folgen des NSU-Komplex anzuregen.

Wenn Konformität zur Rebellion wird. Der Salafismus als jugendkulturelle Provokation

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Wie kann es sein, dass eine Ideologie, die es seit Ewigkeiten gibt, gerade heute bei den Jugendlichen Westeuropas einen Aufschwung erlebt? Warum sehnen junge Männer und Frauen mit und ohne „Migrationshintergrund“ das frühe Mittelalter herbei und bilden damit eine der dynamischsten gegenwärtigen Jugendbewegungen? Diesen Fragen kommt man näher, ohne theologische Diskurse zu führen, erklärt Aladin El-Mafaalani in diesem Beitrag. Entscheidend seien vielmehr soziologische und entwicklungspsychologische Perspektiven.

Herausforderung 2.0: Ansätze und Erfahrungen der politischen Bildung in Sozialen Netzwerken

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Soziale Netzwerke können in der Bildungsarbeit mit Jugendlichen viel mehr sein als nur ein Methodenlieferant für lebensweltnahe Einstiege in tiefere Gespräche. Der für Jugendliche selbstverständlich gewordene Umgang mit Sozialen Medien verändert das Lernverhalten an sich – und politische Bildung muss darauf reagieren. Sindyan Qasem beschreibt die Herausforderungen und zeigt Möglichkeiten auf, Soziale Medien in der Bildungsarbeit zu nutzen. Die Anregungen basieren u.a. auf den Erfahrungen des Projektes „Was postest Du? Politische Bildung mit jungen Muslim_innen online“.

Studie zu Willkommensklassen: Neues Konzept ohne Zukunft?

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Die Einrichtung von Willkommensklassen für geflüchtete Kinder stellt viele Schulen und Lehrkräfte vor neue Herausforderungen. Für manche gelten diese Klassen als der beste Weg, um Kindern und Jugendlichen ein Ankommen in Deutschland zu erleichtern. Andere befürchten, die getrennten Klassen würden einen späteren Übergang in den Regelunterricht eher erschweren. Das Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) hat hierzu eine umfassende Studie vorgelegt. Im ufuq.de-Interview beschreibt Birgit zur Nieden die Ergebnisse.

„Einen Generalverdacht gegen ganze ethnische Gruppen darf es nicht geben“ – Über Racial Profiling und die Folgen

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Wieder sorgen die Ereignisse der Silvesternacht in Köln für heftige Diskussionen. Dieses Jahr sind es allerdings nicht sexuelle Übergriffe, die für Aufregung sorgen. Dafür steht nun das Vorgehen der Polizei in der Kritik: Hatte sie doch sehr gezielt junge Männer mit vermeintlich nordafrikanischem Äußeren im Visier. In einem Tweet der Polizei wurden diese als „Nafris“ bezeichnet. Zur Diskussion über die Verwendung rassistischer Begriffe und Racial Profiling im Polizeieinsatz sprachen wir mit der Kriminologin Dr. Daniela Hunold, die zur Polizeiarbeit in multiethnischen Städten forscht.

Debatte über Naschids: Gegen die Vereinnahmung der Religion durch die Radikalen

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Naschids gelten als Wunderwaffe der Dschihadisten. Die mitreißenden Gesänge, die zumeist Propagandavideos untermalen, spielen eine wichtige Rolle, um Jugendliche für radikale Gruppen wie den IS zu mobilisieren. Dabei sind Naschids eigentlich etwas ganz anderes: Viele Muslim_innen lieben die religiösen Gesänge. Sie ärgern sich darüber, dass ihre Musik von den Radikalen vereinnahmt wurde und in der Öffentlichkeit in den Ruf geraten sind, zu Kampf und Gewalt aufzurufen. In den traditionellen Liedern geht es um die Liebe des Menschen zu Gott, dem Propheten und um das Streben nach Vollkommenheit.

Naschids – Der mitreißende Sound des Salafismus

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Naschids, die Hymnen der radikal-islamistischen Szene. Oft kommen sie in Kombination mit Propaganda-Videos: vermummte Kämpfer mit IS-Fahne bei Kampfhandlungen, bei Gräueltaten oder mit verklärten Blick in Richtung Sonnenaufgang. Es sind Videos, die aufwühlen – und die Musik trägt ihren Teil dazu bei. Im Interview mit ufuq.de beschreibt der Islamwissenschaftler Behnam T. Said Ursprung, Idee und Wirkung der religiösen Songs und gibt Anregungen, wie Lehrer_innen und Pädagog_innen reagieren sollten, wenn ihre Schüler_innen Naschids hören.

Zur Bedeutung von Diskriminierungserfahrungen und gesellschaftlicher Marginalisierung in religiösen Radikalisierungsprozessen

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Diskriminierung und Marginalisierung aufgrund von Religionszugehörigkeit und Herkunft allein können eine Abwendung von der Gesellschaft und eine Hinwendung zu religiös-extremistischen Orientierungen nicht erklären. Gleichwohl verweisen die vorliegenden Studien auf mögliche desintegrative und selbstethnisierende Wirkungen entsprechender Erfahrungen. In diesem Beitrag fasst Götz Nordbruch die Ergebnisse aktueller Forschungen zusammen.

Der Anti-Bias-Ansatz als Grundlage für eine vorurteilsreflektierte Pädagogik am Beispiel des MIKA-Methodenkoffers

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Bereits im Vorschul- und Grundschulalter orientieren sich Kinder an Gruppenzugehörigkeiten, z.B. an Geschlechts- und/ oder ethnischer Zugehörigkeit oder aber gleichzeitig an anderen Zugehörigkeitsmerkmalen. Sie entwickeln ein vermeintliches Wissen über Unterschiede zwischen sich selbst und anderen Kindern. Einerseits übernehmen sie (Vor-) Urteile der Umwelt, andererseits entwickeln sie auch selbst anerkennende und abwertende Haltungen gegenüber „Anderen“. Der Pädagoge Birol Mertol von der FUMA Fachstelle Gender in NRW beschreibt den Ansatz der „MIKA-Methoden im Koffer für Alle. Vorurteilsreflektierte Pädagogik“, die von der Fachstelle erarbeitet wurden.

„AK-47, Perso und dann Munition und Granaten …“ – Wie sollen Pädagog_innen reagieren, wenn Jugendliche verdächtige Äußerungen machen?

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Die Angst vor Terror wächst und viel ist von der Radikalisierung einiger Jugendlicher die Rede, der etwa in Schule und Jugendarbeit begegnet werden soll. Doch wann ist eine Äußerung oder ein bestimmtes Verhalten bedenklich? Bei aller Vorsicht warnt der Erziehungswissenschaftler Julian Ernst vor vorschnellen Schlüssen. Er hat Gruppendiskussionen von Jugendlichen zu Salafismus und Terroranschlägen untersucht und rät, den Kontext radikal wirkender Äußerungen zu berücksichtigen. Zudem sollten Pädagog_innen sich ihrer eigenen Vorannahmen bewusst sein.